Vom Ochsenmoor am Halerfeld Das Ossenmoor lag einst im Auenbereich der Hase



Lotte. Im äußersten Zipfel Halens verbindet das ‚Ossenmoor‘ die Straße ‚Zum tiefen Reck‘ mit der Achmerstraße.

Das Moor schließt an die drei Straßen an und gehörte bis Ende des 19. Jahrhunderts zum direkten Einzugsgebiet der Hase, wie aus einer historischen Karte von 1895 hervorgeht: Ein Hase-Seitenarm mäandrierte bis an den heutigen Bahndamm heran.

Viele Binsen

Die angrenzenden Wiesen und Waldflächen in diesem Bereich waren entsprechend nass bis sumpfig. Noch heute wachsen hier auffallend viele Binsen, was auf einen nach wie vor hohen Wasserstand hinweist – auch, wenn die Hase inzwischen begradigt ist und Gräben das Gebiet entwässern.

Regenrückhaltebecken

Nahe des Bahnübergangs liegt das Halener Regenrückhaltebecken, ein ökologisches Kleinod: Rohrkolben und Binsen stehen hier im flachen Tümpel, in dem sich neben Fröschen und Kröten auch Libellen wohlfühlen. Im Sommer gedeihen hier viele seltene Arten, unter anderem Sumpfhelmkraut, Froschlöffel, Wasserminze und Bachbunge. Sogar der Eisvogel soll hier schon gesichtet worden sein.

Beim Bestimmungswort „Ossen“ drängt sich ein Zusammenhang mit Osnabrück auf: Ossenbrügge heißt Osnabrück im regionalen Platt. Dabei ist die Annahme verbreitet, der Ochse – niederdeutsch: Osse – stecke darin.

Tiere als Namenspaten

Tatsächlich gibt es jede Menge Siedlungsnamen, für die Kühe und Ochsen Pate standen, beispielsweise Ochsenfurt, Coevorden oder Styrum, ehemals Stierheim. Neben dem Ochsen wurden auch andere Nutztiere wie Pferd, Maultier, Kuh und Kalb Namenspaten, darüber hinaus finden sich Wildtiere in Flur- und Siedlungsnamen.

Tiere sind auch in Flurnamen der Region häufig anzutreffen, beispielsweise der Bär in der Halener Barenbreede, die Maus im Lotter Musenkamp, der Wolf im Westerkappelner Wulverliet oder der Fuchs in der Velper Vosskuule.

Osna anderen Ursprungs

Für Osnabrück allerdings scheinen die Dinge anders zu liegen, wenn hier auch mancher Ochse Brücken überquert haben mag. Sprachlich geht der Ochse nämlich auf mittelniederdeutsch osse, altniederdeutsch ohso, germanisch uhs, uhsn, uhsa, uhsan für den Stier sowie indogermanisch uksen, huksen zurück. Älteren Belegen nach scheint das O in Osnabrück jedoch an ein altsprachliches Au anzuschließen, und man geht davon aus, dass Osna sich auf ein Gewässer bezieht.

Weide im Auwald

Die Lage des alten Ossenmoors im direkten Auenbereich eines Hasearmes schließt zwar einen gewässerbezogenen Flurnamen nicht völlig aus; wahrscheinlicher ist jedoch, dass in der teils offenen und etwas tiefer liegenden Bruchlandschaft einstmals Ochsen und Rinder geweidet haben.

Damit wäre das Ossenmoor zwar kein Hutewald im traditionellen Sinne gewesen, die Ochsen dürften aber auch im Hase-Auwald ein reichhaltiges Futterangebot aus Laub, Schilf und jungen Blättern vorgefunden haben. Die stärkehaltigen Wurzeln des Rohrkolbens waren zudem als Futtermittel bekannt und wurden in Notzeiten sogar zu Mehl verarbeitet.


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