„Wir müssen in Afrika helfen“ Jürgen Coße in Lotte über sein Jahr im Bundestag

Im Namen der 26 Talker überreichte Pastor Detlef Salomo (rechts) dem Referenten Jürgen Coße einige fair gehandelte Genussmittel. Foto: Thomas NiemeyerIm Namen der 26 Talker überreichte Pastor Detlef Salomo (rechts) dem Referenten Jürgen Coße einige fair gehandelte Genussmittel. Foto: Thomas Niemeyer

Lotte. Ja, er sei natürlich auch enttäuscht, dass er nach nur einem Jahr wieder aus dem Bundestag ausscheiden musste, bekannte Steinfurts SPD-Kreisvorsitzender Jürgen Coße im Talk am Dienstag der Lotter evangelischen Kirche. Aber: „Es war ein großes Privileg, zu den 631 Menschen zu zählen, die 80 Millionen Deutsche vertreten.“

Zwar war er am 1. September 2016 für die wegen falscher Angaben zu ihrer Person zurückgetretene Petra Hinz nachgerückt; im Bundestag aber übernahm er die Aufgaben von dem kurz zuvor ausgeschiedenen Ex-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. So wurde er Berichterstatter der SPD für Afrika im Auswärtigen Ausschuss. Eine ihn selbst überraschende und offensichtlich auch beeindruckende Aufgabe.

Reise nach Uganda und in den Südsudan

Einer der Höhepunkte war dabei der dreitägige Besuch von Außenminister Sigmar Gabriel in Uganda und im Südsudan, an dem er im vergangenen August teilnahm. Mit von der Partie war neben den Vertretern der anderen Fraktionen auch Wolfgang Niedecken, Sänger der Kölner Rockgruppe BAP.

Über die Ärzte-Hilfsorganisation Archemed habe er bereits Kontakte nach Eritrea gehabt, erzählte der 47-jährige Neuenkirchner. Doch der Kurzbesuch habe ihn endgültig überzeugt: „Wenn wir nicht wollen, dass die Menschen zu uns kommen, dann müssen wir ihnen vor Ort eine Perspektive geben.“

Erst zuhören, dann helfen

Dabei verbiete es sich nach den negativen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte, als Besserwisser aufzutreten, der den Afrikanern erkläre, welches ihre Interessen seien, und unsere Vorstellungen von Demokratie, Wirtschaft und Technik aufzwinge. „Wer für seine Familie nichts zu essen hat, hat erst einmal andere Interessen als freie Wahlen.“ Deshalb sei es wichtig, erst den Betroffenen zuzuhören und dann zu entscheiden, wie ihnen am wirksamsten zu helfen sei. Dahingehend müsse sich Entwicklungshilfe verändern.

Wolfgang Niedecken, der ein Resozialisierungsprogramm für Kindersoldaten im seit 14 Jahren vom Darfur-Konflikt heimgesuchten Südsudan unterstützt, sei ein tolles Beispiel. Die Gespräche mit ehemaligen Kindersoldaten hätten ihn sehr beeindruckt. Es gehe vor allem darum, so Coße, die Zivilgesellschaft zu stärken: Sport, Jugendaustausch, wie ihn Konrad Adenauer nach dem Krieg mit Frankreich begründete, oder Kulturaustausch wie ihn auch die hiesige Kirche mit ihren Posaunen für Namibia betreibe.

In diesem Sinne werde das Rhino Camp betrieben, ein Flüchtlingslager mit 91000 Menschen, das die Delegation besuchte. Dort entstehe eine Stadt in Hilfe zur Selbsthilfe beim Hüttenbau, bei der Anlage von Gärten, beim Aufbau kleiner Handwerksbetriebe und durch Übertrag des Grundeigentums auf die Flüchtlinge – für den Sozialdemokraten ein ermutigendes Erlebnis.

Grund zum Selbstbewusstsein

Bei alledem dürften wir unsere Werte nie vergessen. Jürgen Coße: „Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Demokratie und Wohlstand. Jene Menschen, die vor Hunger, Krieg, Verfolgung, Armut und Unterdrückung fliehen, sehen Europa als Paradies an, weil hier Freiheit und Frieden, Wohlstand und Sicherheit herrschen.“ Wir selbst wüssten all dies manchmal nicht mehr ausreichend zu schätzen.


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