„Beten mit den Füßen“ Jo Schumacher aus Hollenstede lebt für den Sport

Von Jürgen Schwietert

Ein Leben für den Sport: Franz-Josef Schumacher. Foto: Jürgen SchwietertEin Leben für den Sport: Franz-Josef Schumacher. Foto: Jürgen Schwietert

Hollenstede. Sein ganzes bisheriges Leben hat Franz-Josef „Jo“ Schumacher dem Sport gewidmet. Vom Fußball kam der Sportfan zum Tennis und zum Laufen. In Hollenstede schrieb er ein Stück Sportgeschichte.

„In den 65 Jahren meines Lebens habe ich 55 Jahre aktiv Sport getrieben“, berichtet er mit Stolz. „Angefangen hat alles 1960 bei der Spielvereinigung in Fürstenau mit der D-Jugend. In Hollenstede gab es noch keinen Sportverein.“ Bis 1967 spielte Schumacher in Fürstenau. Dann wechselte er in die Herrenmannschaft des SV Hollenstede, der zwei Jahre zuvor gegründet worden war.

Auch in der Bundeswehr spielte er, mit Wolfgang Kappe vom Sportverein Grün Weiß Schwagstorf als Trainer. „Er überredete mich, in Schwagstorf zu spielen. So wechselte ich und spielte dort sieben Jahre“, erinnert sich Schumacher.

1977 bat ihn Bernd Schulting, beim SV Hollenstede Spielertrainer zu werden. Später spielte er Altherren, Thekenmannschaft FC Korn, 25 Jahre in der Mannschaft des Schützenvereins für die jährlichen Aktion Mensch-Turniere.

„Neben dem Fußball war Tennis immer schon meine große Leidenschaft. Ab 1978 spielte ich in der TG Fürstenau. Als dann in den 1980er-Jahren der Tennisboom aufkam, wurde auch in Hollenstede eine Tennisabteilung gegründet. Mit viel Eigeninitiative entstanden drei Tennisplätze. Mit etwa 240 Mitgliedern war die Vereinssparte Tennis eine beachtliche Abteilung des SV Hollenstede“, so der Sportler, der im Tennis 36-mal den Vereinsmeistertitel gewann und mit der Mannschaft elfmal Meister wurde. Er bestritt für den SV Hollenstede mehr als 500 Mannschaftsspiele.

„Im Jahre 2000, also mit 50 Jahren, habe ich die Freude am Laufen entdeckt, denn altersbedingt gingen die Aktivitäten im Fußball zurück“, so Schumacher. 2001 absolvierte er erstmals den 30,7 Kilometer langen Hermannslauf. Der Halbmarathon in Spelle schloss sich an. „Im September 2001 lief ich in der Zeit von 3:41 Stunden meinen ersten Berlin-Marathon.“ Bald gab es in Hollenstede die neue Sparte Lauftreff.

Ab 2002 lief er jedes Jahr einen Marathon, Hamburg, Steinfurt, Dortmund–Essen, Rotterdam, den Paul-Moor-Marathon von Osnabrück bis Bersenbrück, Köln und Münster.

Marathon in New York

2011 gab es mit dem New-York-Marathon das größte Erlebnis. „Dazu kamen jährlich noch etwa zehn bis 15 weitere Läufe, zumeist im Rahmen des Sparkassencups“, so Schumacher. Schumacher absolvierte über hundert Sparkassenläufe, viele Halbmarathons, war 2010 bei den Riesenbecker Sixdays dabei.

Seine Bestzeit lief er in Hamburg mit 3:32 Stunden. Und die schnellsten zehn Kilometer absolvierte er im Jahr 2007 im Alter von 57 Jahren in Gehrde (40 Min. 53 Sek.). Die Bilanz: 200 Urkunden, 100 Einzelpokale, Teller und andere Preise, resultierend aus etwa 45000 Trainingskilometern.

In 55 Jahren hat er nicht nur Sport getrieben, sondern sich auch ehrenamtlich im Sportverein engagiert. Er trainierte sechs Jahre die Fußballjugend, fünf Jahre die erste Herrenmannschaft und ein Vierteljahrhundert die Tennisjugend. Sieben Jahre war er als Spartenleiter Tennis, jeweils acht Jahre als Vorsitzender und Vize und 25 Jahre als Sportabzeichenobmann tätig. Seit 14 Jahren ist er für die Laufabteilung, seit vier Jahren für die Radsportgruppe verantwortlich.

Sein soziales Engagement geht in der Kirchengemeinde mit zwölf Jahren Kirchenvorstandsarbeit und Arbeitseinsätzen weiter. „Da man das Laufen auch als Beten mit den Füßen bezeichnet, gehören diese beiden Dinge für mich zusammen. Zweimal war ich auf dem Jakobsweg unterwegs. Einmal habe ich eine Wallfahrt mit dem Fahrrad von Meppen nach Schönstatt organisiert“, so Schumacher. „Seit 2000 gehe ich jedes Jahr mit der großen Fußwallfahrt von Meppen nach Rulle und gehöre seit fünf Jahren als Mitglied dazu“, so Schumacher weiter.

Der als selbstständiger Kaufmann beruflich sehr eingespannte Hollensteder absolviert immer zwei bis drei Etappen der 160 Kilometer langen Strecke. „Jedoch möchte ich ab diesem Jahr etwas kürzertreten. Der Sport soll nicht mehr die vorrangige Stellung einnehmen. Mein Wunsch ist es, mich in Zukunft mehr meinen zehn Enkelkindern zu widmen“, erzählt er.

Selbstverständlich, dass dem aktiven Sportler zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. So wurde er 2001 Sportler des Jahrtausends im SV Hollenstede, zehn Jahre später dessen Ehrenvorsitzender.