Albert Banko beim LSB-Forum Quakenbrücker erzählt über Flucht und Integration

Meine Nachrichten

Um das Thema Lokalsport Nord Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Albert Banko in der Diskussionsrunde mit (von links) Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs, dem LSB-Vorsitzenden Reinhard Rawe und Innenminister Boris Pistorius. Foto: Sabine Banko-KubisAlbert Banko in der Diskussionsrunde mit (von links) Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs, dem LSB-Vorsitzenden Reinhard Rawe und Innenminister Boris Pistorius. Foto: Sabine Banko-Kubis

Quakenbrück/Friedland. Was haben der Syrer Ali Kassar und der Iraner Amin Al Kabali mit dem 80-jährigen Quakenbrücker Albert Banko gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, aber alle drei haben Flucht und Vertreibung hinter sich, sind in ihren Sportvereinen aber ein gutes Beispiel für gelungene Integration.

„Integration im und durch Sport – zwischen Vergangenheit und Zukunft“–so lautete das Thema des Akademie-Forums, zu dem der Landessportbund (LSB) Niedersachsen nach Friedland eingeladen hatte. Migration und Integration standen dabei im Vordergrund und deutlich wurde in der Veranstaltung, dass die Gesellschaft in der Vergangenheit mehrfach vor gleichen Herausforderungen gestanden hat wie heute.

Von Bessarabien umgesiedelt

In einem mehrminütigen Filmbeitrag schilderten vorab der Aussiedler Artur Stark, Ali Kassar und Amin Al Kabali sowie Albert Banko ihre Erfahrungen mit Migration und Flucht sowie ihre Wege zur Integration. Die Eindrücke von Albert Banko lagen da am meisten zurück, war er doch im Zweiten Weltkrieg als Kind mit der Familien erst von Bessarabien (heute Republik Moldau) in die Nähe von Danzig umgesiedelt worden. „Wir übernahmen das Vieh, Pferde, Schweine und Hühner“, erinnert sich Banko. Doch die Episode Kossowa dauerte nur, bis 1945 die Russen einmarschierten. Da mussten sich die deutschen Aussiedler in der Schule versammeln, am nächsten Morgen umstellten Polen mit Waffen und Gummiknüppeln das Gebäude, einige Frauen und Mädchen wurden missbraucht. „Mein Vater stellte sich schützend vor meine Mutter, ein Pole richtete die Waffe auf ihn“, kann sich der Quakenbrücker beim Gespräch in der Redaktion auch 73 Jahre später noch gut an dieses bedrohliche Bild erinnern. Dann sei zum Glück ein russischer Soldat vorbeigekommen und seine Mutter verschont geblieben. Der Vater musste sich wie alle deutschen Männer ausziehen und bekam mit weißer Farbe ein Hakenkreuz auf den Rücken gemalt, anschließend wurde er mit Knüppeln blutig geschlagen.

„Wie Fremdkörper gefühlt

Diese Erlebnisse schildert er aber nicht in dem Filmbeitrag des Landessportbundes, für den gut acht Stunden Drehzeit benötigt wurden, die dem 80-Jährigen aber viel Spaß gemacht haben. Vielmehr geht es um die Zeit danach. Anfang 1946 kommen die Bankos – Schwester Mariechen (sechs Monate alt) hat die Flucht nicht überlebt – nach Nortrup. Im Osnabrücker Land lebt sich die Familie schnell ein, die Eltern helfen in der Landwirtschaft, Albert Banko und seine zwei Brüder besuchen die evangelische Schule. „Es war nicht einfach, mit den Dorfkindern Kontakt zu bekommen“, stellt Banko im Rückblick fest.

„Ich habe mich in der Klasse wie ein Fremdkörper gefühlt“, schildert der Quakenbrücker seine Erlebnisse. Einige Kinder wollten nicht, andere durften nicht mit den Flüchtlingen spielen. Erst der Fußballsport habe dann ein Miteinander ermöglicht, denn als die Flüchtlinge untereinander kickten, hätten irgendwann auch die Einheimischen mitspielen wollen.

„Der kann ja Fußball spielen“

Da der SV Nortrup nur einen Herren- und eine A-Jugendmannschaft hatte, musste Albert Banko bis zu seinem 14. Lebenjahr warten, um für den SVN in einem Punktspiel auflaufen zu dürfen. Ein halbes Jahr vor dem 18. Geburtstag durfte er dann auch in der Herrenmannschaft mitkicken.

„Der kann ja Fußball spielen“ – das war in Nortrup nicht verborgen geblieben und im Umland auch nicht. Eines Tages kam ein Vertreter des BV Quakenbrück und machte das Angebot, zum BVQ zu wechseln. Der Verein war dem jungen Fußballer dann auch behilflich, eine Wohnung und eine gute Arbeitsstelle in Quakenbrück zu bekommen. 1967 übernimmt dann der verheiratete Vater von zwei Töchtern nach der Meisterprüfung einen Zaunbaubetrieb.

Freundschaften und soziale Kontakte

Schiedsrichter, Altherrenmannschaft,Trainer, 2. Vorsitzender – Albert Banko war für den QSC-Vorgänger BV Quakenbrück äußerst aktiv, zudem erwarb er sich auf Bezirks- und Landesebene Meriten im Tennis und Sportkegeln. Im Rentenalter hat er sich nun dem Golfsport verschrieben. Durch den Sport habe er viele Freundschaften geknüpft, weiß der Senior im Filmbeitrag zu berichten. Die sozialen Kontakte und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft hätten für ihn immer eine wichtige Rolle gespielt.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde hat der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius den Banko-Appell für mehr Freundlichkeit im Umgang mit den Fremden und ihnen ein Lächeln zu schenken, aufgenommen und dazu aufgefordert, durch humanes und selbstverständliches Engagement Ausgrenzung zu vermeiden.

Geschichte fürs Museum


Das Museum Friedland, das im März 2016 seine Türen öffnete, erzählt gleichermaßen Migrations- und Integrationsgeschichten und verbindet dabei Geschichte und Gegenwart. Darüber hinaus bereitet das Museum zurzeit eine Sonderausstellung zum Thema Integration und Sport vor, die im August eröffnet wird. Auch die Geschichte des Albert Banko und seine Erlebnisse von Vertreibung und Flucht werden dort ihren Platz finden und der Nachwelt erhalten bleiben. Der Museumsleiter hat schon Kontakte zu dem Quakenbrücker aufgenommen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN