Nabu kritisch Neuer Schweinemaststall mit 1560 Plätzen in Wietmarschen geplant

Von Ludger Jungeblut

Der Schweinemaststall für 1560 Tiere beim landwirtschaftlichen Betrieb Ruping in Lohne soll im Vordergrund entstehen, sobald eine behördliche Genehmigung vorliegt. Foto: Ludger JungeblutDer Schweinemaststall für 1560 Tiere beim landwirtschaftlichen Betrieb Ruping in Lohne soll im Vordergrund entstehen, sobald eine behördliche Genehmigung vorliegt. Foto: Ludger Jungeblut

Wietmarschen. Mit einer kritischen Stellungnahme zu einem geplanten Schweinemaststall mit 1560 Plätzen auf dem Hof Ruping an der Hauptstraße in Wietmarschen-Lohne hat der Nabu-Regionalverband Emsland-Grafschaft Bentheim eine öffentliche Diskussion ausgelöst.

Der Hof Ruping gehört zu den landwirtschaftlichen Betrieben in Lohne, die die meisten Flächen bewirtschaften. In seiner Einwendung zum laufenden Verfahren kritisierte der Naturschutzbund, dass gerade im Hinblick auf das Schutzgut „Mensch“ viele Punkte nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

„Auf Keimgutachten verzichtet“

Auf die Erstellung eines Keimgutachtens sei vom Landkreis Grafschaft Bentheim als zuständiger Genehmigungsbehörde verzichtet worden, obwohl das nächste Wohnhaus nur 120 Meter und ein allgemeines Wohngebiet nur 180 Meter von der geplanten Anlage entfernt sei. Zudem seien bereits zahlreiche andere Tierhaltungsanlagen in unmittelbarer Nähe vorhanden, sodass von einer erheblichen Vorbelastung auszugehen sei. Des weiteren fehle ein Schallschutzgutachten, und die Gesamtgeruchsbelastung für die Anwohner sei auch nicht ermittelt worden.

Nabu sieht gewerbliche Tierhaltung

Für den Nabu sei die Einschätzung, dass es sich bei dem geplanten Vorhaben um ein privilegiertes Vorhaben eines landwirtschaftlichen Betriebes handeln solle, in keiner Weise nachvollziehbar. Vielmehr sei zu vermuten, dass es sich um eine gewerbliche Tierhaltung handele, für die die Aufstellung eines Bebauungsplanes erforderlich sei. Die komplette Stellungnahme des Nabu kann auf der Website www.nabu-emsland.de eingesehen werden.

Verfahren schon 2012 in die Wege geleitet

Bei dem Vorhaben handelt es nach Angaben von Bürgermeister Manfred Wellen um ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, das bereits im Jahr 2012 in die Wege geleitet wurde. Wellen: „Der Antragsteller hat über ein Gutachten nachgewiesen, dass durch sein Vorhaben auch aufgrund des Einbaus eines zertifizierten Biofilters keine unzulässigen Beeinträchtigungen, insbesondere in der Nachbarschaft, zu erwarten sind.“

Antragsunterlagen lagen öffentlich aus

Die Antragsunterlagen lagen Mitte November bis Mitte Dezember 2017 auch im Rathaus der Gemeinde Wietmarschen öffentlich zur Einsichtnahme aus. Bedenken und Anregungen wurden bei der Gemeinde laut Wellen jedoch nicht vorgebracht. Der Bürgermeister: „Das vom Gemeinderat Wietmarschen am 2. Juli 2014 beschlossene Konzept zur Steuerung von Tierhaltungsanlagen war hier nicht anzuwenden, da es sich um kein gewerbliches Vorhaben handelt, sondern um die privilegierte Erweiterung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Eine Bauleitplanung der Gemeinde ist somit nicht erforderlich.“ Laut Landkreis findet der Erörterungstermin am 22. Februar statt.

„Wir kommen allen Auflagen der Genehmigungsbehörde nach“

Landwirt Reinhard Ruping (56) und seine Ehefrau Angelika (52) äußerten die Hoffnung, dass der Landkreis Grafschaft Bentheim bald die Genehmigung erteilt, damit der Bau des rund 55 mal 34 Meter großen Schweinemaststalls Mitte 2018 beginnen kann. „Wir kommen allen Auflagen der Genehmigungsbehörde nach“, versicherte Ruping. Er rechne mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Monaten. „Wir sind ein arbeitsintensiver Familienbetrieb und müssen uns künftig mehr als bisher spezialisieren“, betonte der Landwirt.

„Ausbau der Schweinemast eine Perspektive“

Im Ausbau der Schweinemast sehe er eine Perspektive. Der neue Stall soll in etwa zehn Meter Abstand vom bereits bestehenden Schweinemaststall mit 850 Plätzen gebaut werden. „Wir haben ausreichend Fläche, die als Futtergrundlage für die Mastschweine dient, sodass das Vorhaben privilegiert ist“, betonte Ruping.

Sohn Michael steigt in den elterlichen Betrieb ein

Neben den Mastschweinen halte der Betrieb derzeit 40 Milchkühe und 20 Jungrinder, betreibe eine Biogasanlage und baue Stärkekartoffeln an. Zudem müsse ein großer Waldbestand unterhalten werden. Froh zeigte sich das Ehepaar darüber, dass Sohn Michael (25) nach einem landwirtschaftlichen Studium bereit sei, in den elterlichen Betrieb einzusteigen, damit der seit Jahrhunderten bestehende Hof Ruping auch weiterhin eine Zukunft habe.

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