Osseforth: Besonderes Flair Turm in Wietmarschen eignet sich für Gastronomie



Wietmarschen. Die Gemeinde wartet sehnsüchtig darauf, dass jemand kommt und den Dornröschenschlaf des Turms an der Lingener Straße im Ortsteil Wietmarschen beendet. Noch ist kein Gastronom in Sicht, der wieder Leben in die frühere „Windmühle auf dem Stift“ bringen könnte.

Dabei sieht der stellvertretende Verwaltungschef der Gemeinde Wietmarschen, Martin Osseforth, großen Bedarf für ein Restaurant mit Mittagstisch im Ortskern des Wallfahrtsortes, der sich zum touristischen Anziehungspunkt entwickelt hat. Immer wieder zieht es viele Menschen in die neue Marienkapelle mit der „Madonna auf dem Polsterstuhl“, auf das nahegelegene Stiftsgelände mit seinen nachgebauten historischen Gebäuden, in den Stiftsbusch oder in das Stiftscafé. „Da wäre eine erneute gastronomische Nutzung des denkmalgeschützten Turms das Tüpfelchen auf dem i“, sagt der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters.

Fünf Etagen

Nach seinen Worten hatte es schon zwei Versuche gegeben, Gäste zu bewirten. Etwa zehn Jahre lang hatte ein Gastronom in dem Turm ein Café betrieben; danach versuchte es eine Pächterin erneut mit einem Café. Sie brachte zwar viele Ideen mit, konnte aber trotzdem den Betrieb nicht halten und musste nach nur eineinhalb Jahren Ende vorigen Jahres aufgeben. Am Gebäude ist noch immer die Speisekarte angebracht. „Der Turm hat mit seinen fünf Etagen ein besonderes Flair, das aber gleichzeitig für die Gastronomie eine Herausforderung bedeutet“, betont Osseforth.

Speiseaufzug vorhanden

Zwar gebe es einen Speiseaufzug, der von der Industrieküche im Keller nach oben führe, doch das Personal müsse wie die Gäste Treppen laufen, da ein Personenaufzug aufgrund des fehlenden Platzes im Inneren nicht möglich sei und wegen des Denkmalschutzes auch nicht entlang des Gebäudes angebracht werden dürfe.

Herrlicher Blick auf den Ortskern

Als Martin Osseforth die schwere Tür des Turmes aufschließt, empfängt den Besucher wohlige Wärme. „Wir müssen heizen, weil sonst die Wände Schaden nehmen würden“, sagt er. Im Inneren des Gebäudes hat man den Eindruck, als wären die Gäste gerade erst gegangen. Auf einem Tisch stehen viele Gläser, verziert mit der Silhouette des Turms; ein Geschirrtuch wartet auf seinen Gebrauch. Auf einer anderen Etage befanden sich kürzlich noch Rotweinflaschen, die die Gemeinde als Eigentümerin des Gebäudes inzwischen an einem anderen Ort lagert. Auf der Aussichtsplattform hoch oben hat man einen herrlichen Blick auf den Ortskern mit der Wallfahrtskirche und dem Matthiasstift als markante Punkte.

Bewegte Geschichte

Die ehemalige Mühle hat eine bewegte Geschichte hinter sich, wie aus dem Buch von Clemens Honnigfort „Wietmarschen – Kloster, Stift und Dorf“ hervorgeht. In dem vom Heimatverein herausgegebenen Werk wird auf die Pfarrchronik Bezug genommen, derzufolge die Mühle in einer Winternacht 1889 ausbrannte, wobei sich die brennenden Flügel im Sturmwind drehten und Funken über die strohgedeckten Nachbarhäuser streuten, deren Besitzer mit nassen Tüchern ein Übergreifen der Flammen verhinderten.

Seit 1992 Eigentum der Gemeinde

Die Mühle wurde nicht wieder aufgebaut; der Mühlenstumpf erhielt ein Dach und diente als Vorratslager. Im Jahr 1992 ging der Turm zusammen mit dem alten Packhaus in das Eigentum der Gemeinde Wietmarschen über. 2002 begann die Kommune mit der Sanierung des Turms. Die Arbeiten wurden im Sommer 2003 abgeschlossen. Bereits 1996 wurde das Packhaus saniert. In dem schmucken Gebäude befindet sich heute ein Museum des Heimatvereins.

Wer Interesse an einem gastronomischen Betrieb im Turm hat, wird gebeten, sich mit Martin Osseforth von der Gemeinde Wietmarschen, Tel. 05908/939921, E-Mail osseforth@wietmarschen.de in Verbindung zu setzen.

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