Andreas Eiynck berichtet Wietmarschen widersetzte sich der Reformation

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Die Wallfahrtskirche in Wietmarschen ist das Zentrum des Stiftsgeländes. Foto: Ludger JungeblutDie Wallfahrtskirche in Wietmarschen ist das Zentrum des Stiftsgeländes. Foto: Ludger Jungeblut

Wietmarschen. Gescheitert sind sämtliche Versuche, die Reformation in Wietmarschen durchzusetzen. Darauf hat der Leiter des Emslandmuseums in Lingen, Andreas Eiynck, verwiesen.

Drei Jahre nach der Einführung des lutherischen Bekenntnisses in der Grafschaft Bentheim sandte Graf Arnold I. 1547 einen evangelischen Prediger, einen „Herrn Johann“, nach Wietmarschen. Dieser wurde freundlich empfangen, seine dauernde Anstellung lehnte die Vorsteherin Anna von Vörden jedoch ab. Der Graf beharrte auf dem Verbleib des Predigers im Stift. Schließlich bot die Äbtissin an, ihm eine Kaplanstelle zu übertragen, da man an seinen Gesprächen und Predigten Wohlgefallen hätte.

Hinter den Mauern des Klosters Diskussion um Luthers Lehren

Hinter den Mauern des Klosters gab es damals eine Diskussion um Luthers Lehren. Einige Nonnen, die der evangelischen Sache zuneigten („der sake togedaen“) wiedersetzten sich der Anstellung eines katholischen Mönches oder eines anderen „papistischen Herren“ und traten für den Prediger Johann ein. Dieser wollte aber gegen den Willen der Äbtissin nicht bleiben und verließ schließlich Wietmarschen.

Neuer Versuch im Jahr 1548

Nachdem die geistliche Reformation Wietmarschens ins Stocken geraten war, unternahm Graf Arnold im Jahr darauf (1548) einen neuen, weltlichen Versuch, das Kloster unter seine Kontrolle zu bringen. Er forderte die Vorlage der Gründungsurkunde, der Rechnungslegung und aller Dokumente, wollte dem Kloster einen Aufseher geben und fortan alle Zahlungen und Spenden an die Klosterinsassen verwalten. Auch das Gericht des Klosters sollte in seine Hände übergeben werden. Angeblich beabsichtigte er damit „eine gute, gottselige friedliche Ordnung zugunsten der Wohlfahrt des Klosters“ zu errichten.

Bischof von Münster um Unterstützung gebeten

Statt der bis dahin üblichen Priesterstellen wollte der Graf 1552 für Wietmarschen ein „weltliches Vikariat“ stiften. Die Äbtissin widersetzte sich aber mithilfe des Bischofs in Münster und verwies auf die bereits angestellten Pater.

Auch Graf Arnold scheiterte

Alle Bemühungen Graf Arnolds, in Wietmarschen die lutherische Lehre einzuführen und die Kontrolle über den Gutsbetrieb zu erhalten, blieben vergeblich. Er starb im August 1553.

Rechtsstreit um Steuerzahlungen

Sein Nachfolger Everwin III. verweigerte dem Kloster eine von seinem Großvater angeordnete Zuwendung aus Einkünften in Nordhorn. Daraus entstand ein lange anhaltender Rechtsstreit um die Steuerzahlungen Wietmarschens. Dieser Prozess, der schließlich vor dem Reichskammergericht in Speyer ausgetragen wurde, rettete letztlich den Fortbestand des Klosters. Gegen eine dort klagende Prozesspartei durfte der Prozessgegner nämlich keine Gewalt anwenden, ohne damit die Rechtsinstanzen des Reiches gegen sich aufzubringen. So sicherte das Reichsgericht das Kloster vor möglichen Gewaltakten des Grafen.

Weitere Berichte aus der Gemeinde Wietmarschen finden Sie unter www.noz.de/lokales/lohne


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