Lager für Tierfutter ist leer Der Tiertafel in der Grafschaft droht das Aus


Nordhorn. Bei der Grafschafter Tiertafel drückt der Schuh an allen Ecken und Enden. „Was jetzt noch an Tierfutter hier steht, sind die absoluten Restbestände. Wenn die weg sind, ist unser Lager leer“, erklärt Janine Kilvert bedrückt.

Die junge Frau, die ansonsten bei der Lebenshilfe Nordhorn arbeitet, engagiert sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für Menschen und Tiere in Not. Bei der Grafschafter Tiertafel sorgt sie für den Nachschub an Futterspenden und deren Ausgabe an bedürftige Haushalte. Einmal die Woche radelt Kilvert mit einem Fahrradanhänger die Verbrauchermärkte ab, in denen die Tiertafel eine Spendenbox für Futter aufstellen darf. Am letzten Sonnabend eines Monats von 11 bis 15 Uhr regelt sie die Abgabe. Die Ausgabe am 28. März könnte die Letzte sein, wenn nicht mehr Futterspenden eintreffen.

Die Tiertafel in Nordhorn, die analog der Idee von „die Tafeln“ Essen an Notleidende verteilt, ist nun also selbst in Not. Viele Menschen, die finanziell schlecht gestellt sind, können ihr Haustier nicht mehr mit Futter und Tierarztbehandlungen versorgen. Da aber ein Haustier für die meisten Tierhalter ein Familienmitglied ist, kommt ein Weggeben nur im äußersten Notfall infrage. Aber auch in solchen Fällen helfen die Mitglieder des Nordhorner Vereins. „Balou ist ein neunjähriger Dackel-Terrier-Rüde. Er lebt zurzeit bei einem Pflegefrauchen in Lingen, weil sein eigentliches Frauchen wegen einer Hüftoperation im Krankenhaus liegt. Nach der Operation wird sie ihn nicht mehr halten können, weil Balou – trotz eines Bandscheibenvorfalls – viel zu agil ist. Nun ist sein Bandscheibenvorfall gerade wieder akut, und das Pflegefrauchen legt die Tierarztkosten im Moment aus. Die wird sie aber nicht mehr lange tragen können. Balou soll in einen Haushalt vermittelt werden, in dem er bleiben kann“, erzählt Mario Hanke. Hanke bildet gemeinsam mit Silke Niemeier den Vorstand des Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in Not geratene Tierhalter zu unterstützen.

Niemeier erklärt die Regeln, nach denen entschieden wird, ob jemand unterstützt werden kann: „Wir lassen uns einen Grundsicherungs- oder Rentenbescheid vorlegen. Das Tier muss vor der Notsituation schon in der Familie gewesen sein. Der Tierhalter darf keine Zucht betreiben und sich keine weiteren Haustiere anschaffen.“

Niemeier, die laut Hanke alles im Verein erledigt, „was mit Buchstaben und Zahlen zu tun hat“, macht an einem besonders tragischen Beispiel deutlich, dass auch Geldspenden wichtig sind: Rock ist ein Rottweiler. Er leidet unter Ausschlag, einer Hüftdysplasie und kann nach einem Zusammenstoß mit einem Fahrrad nur noch eingeschränkt atmen. Sein Frauchen ist Rentnerin, die selber sehr krank ist und kaum das Nötigste zum Leben hat. Das Futter, das Rock benötigt, plus die Tierarztkosten sind für sie untragbar, aber Rock ist ihr einziger Halt im Leben. So ist es auf der Homepage des Vereins nachzulesen, ebenso, dass der Fahrradunfallverursacher flüchtig ist.

„Wir kaufen das Spezialfutter für Rock, damit die Frau wenigstens den Tierarzt bezahlen kann“, sagt die gelernte Bürokauffrau. Der Verein besteht aber erst seit Mai 2014 und verfügt über keinerlei Rücklagen, wie ebenfalls auf der Homepage unter „Notfellchen“ nachzulesen ist. Und damit noch immer nicht genug: Das Ladenlokal im Gewerbegebiet, in dem die Grafschafter Tiertafel zurzeit mietfrei untergekommen ist, steht zum Verkauf. „Wir suchen einen Ort, an dem wir bleiben können. Ich habe die Idee eines Schiffscontainers, den ich ausbaue und der mit einem Generator beheizt und mit Strom versorgt wird und den wir auf ein freies Grundstück stellen dürfen. Wenn das Grundstück von dem Besitzer dann wieder anderweitig benötigt würde, könnten wir den Container woanders hinstellen“, betont der tatkräftige Hanke.

Das Team der Tiertafel ist hoch motiviert, was sich allein daran zeigt, dass es sich nicht davon abschrecken lässt, dass in der derzeitigen Ausgabestelle weder Heizung noch Strom vorhanden sind. „Mit einer Spende von nur einem Euro können wir eine Katze schon einen Tag ernähren“, so Hanke. „Die Marke des Futters ist egal. Hauptsache, es ist Vollfutter“, bekräftigt Kilvert.

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Die Grafschafter Tiertafel hat ihre Ausgabestelle in der Fennastraße 55 in Nordhorn. Ausgabe des Futters ist an jedem letzten Sonnabend im Monat von 11 bis 15 Uhr. Die Tiertafel hat derzeit 77 Kunden mit 79 Katzen, 56 Hunden, 31 Vögeln, 25 Nagern und 5 Aquarien. Sie kommen aus der gesamten Grafschaft Bentheim, aber auch aus Emsbüren und in Einzelfällen aus den nahe gelegenen Niederlanden, Tecklenburg oder sogar dem Hannoveraner Raum. Wer die ehrenamtliche Arbeit unterstützen möchte, kann dies mit einer Geldspende tun.

Weitere Informationen: www.grafschaftertiertafel.de/ oder Telefon 05922/982 900.

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