„Garden Pulling“ fasziniert Wietmarschen: Fahrendorf Deutscher Meister

Mit seinem Traktor „Zwanzig Zehn“ hat Michael Fahrendorf aus Wietmarschen zum zweiten Mal den Deutschen Meistertitel im „Garden Pulling“ gewonnen. Seit einigen Wochen baut er an einer neuen Maschine. Foto: André PartmannMit seinem Traktor „Zwanzig Zehn“ hat Michael Fahrendorf aus Wietmarschen zum zweiten Mal den Deutschen Meistertitel im „Garden Pulling“ gewonnen. Seit einigen Wochen baut er an einer neuen Maschine. Foto: André Partmann

part Wietmarschen. Der 24-jährige Michael Fahrendorf aus Wietmarschen hat eine ganz besondere Leidenschaft: Er ist begeisterter Motorsportler und betreibt seit nunmehr 15 Jahren äußerst erfolgreich das „Garden Pulling“.

In dieser Saison hat er sich bereits zum zweiten Mal den Deutschen Meistertitel in der „500-kg-Modified-Klasse“ gesichert. Seine Erfolge sollen aber erst der Anfang gewesen sein. Wenn Michael Fahrendorf von einem seiner vielen Hobbys erzählt, dann kann es durchaus schon einmal vorkommen, dass er Fragezeichen in den Augen seiner Gesprächspartner sieht. Der berufstätige Metallbauer widmet nämlich einen Großteil seiner Freizeit dem „Garden Pulling“, einer Motorsportart, die um die Jahrtausendwende ihren Weg von den USA nach Europa fand.

„Ziel des ‚Garden Pulling’ ist es, einen mehrere Tonnen schweren Bremswagen möglichst weit mit einem Rasentraktor über eine 60 Meter lange Rennstrecke aus festem Lehm zu ziehen. Es kommt dabei vor allem auf die Verteilung von Gewichten, die Wahl der Reifen und die Übersetzungen an“, erklärt Fahrendorf. Sowohl äußerlich als auch leistungstechnisch ähneln die Eigenkonstruktionen kaum mehr einem Rasentraktor, einzig das Gewicht gibt nach seinen Worten Hinweise auf den Ursprung der Maschinen.

Über seinen Vater Ewald kam Michael Fahrendorf 1999 zum „Garden Pulling“. 2002 ging er erstmals mit seinem eigenen Gefährt in Füchtorf im Münsterland an den Start. „Während meiner Anfangszeit war das Teilnehmerfeld noch sehr klein“, erinnert sich Fahrendorf. Heute sei die „Garden Puller-Szene“ im Aufschwung, die Begeisterung für den Sport nehme jährlich zu. „Die Zahl ist trotzdem überschaubar, wir sehen uns noch immer als große Familie“, sagt Fahrendorf.

In der hauseigenen Werkstatt sucht man Fahrendorfs erste Maschine vergeblich, denn sie wurde – wie der Nachfolger – bereits an einen anderen „Garden Puller“ verkauft. Seit 2010 fährt der Wietmarscher nun schon seine dritte Eigenkonstruktion. Der Traktor wird vom Motor einer alten Honda „Pan-European“ mit 126 PS und 1300 Hubraum angetrieben. „Diesen habe ich von meinem Nachbarn zur Verfügung gestellt bekommen“, berichtet Fahrendorf stolz.

Etliche Arbeitsstunden und mehrere Tausend Euro hat er in die Maschine investiert, unterstütz wurde er dabei stets von seinen Sponsoren. Diverse Materialien wurden aus den USA bestellt, Feinheiten am Motor verändert, und mit der Flex wurde das Profil der Reifen bearbeitet. Die Kosten und der Fleiß zahlten sich aus: 2011 konnte Fahrendorf seinen ersten Deutschen Meistertitel in der „500-kg-Modified-Klasse“ gewinnen, 2012 wurde er in der Schweiz Vize-Europameister.

Auch in diesem Jahr hätte es kaum besser laufen können. Über die Saison ließ Fahrendorf seinen Konkurrenten keine Chance, der zweite Meisterschaftstitel wurde souverän eingefahren. Grund genug für den ehrgeizigen 24-Jährigen, um sich neue Ziele zu setzen: „Ich möchte meinen jetzigen Trecker erneut verkaufen und in einer neuen Klasse an den Start gehen“. Ins Visier hat er die „Kompakt Diesel-Klasse“ gefasst. Um auch dort erfolgreich zu sein, tüftelt Fahrendorf seit einigen Wochen mit seinem Kumpel, dem amtierenden „Garden Pulling“-Europameister Philipp Godenschwager, am neuen Traktor. Gemeinsam fahren die zwei Motorsportler auch zu den jeweiligen Austragungsorten.

Wenn es nach Michael Fahrendorf geht, soll es bald auch zu Wettbewerben außerhalb Europas gehen. „Eine Teilnahme an der jährlichen Weltmeisterschaft in den USA wäre ein Traum. Leider sind die Kosten für den Transport der Traktoren ohne weitere Sponsoren kaum zu stemmen. Die Hoffnung möchte ich trotzdem nicht aufgeben“, zeigt er sich zuversichtlich. Der Bau des neuen Traktors habe aber höchste Priorität.