Landkreise kooperieren Tierseuchenlogistikzentrum in Nordhorn eröffnet

Hilfskräfte des THW demonstrieren bei der Eröffnung des Tierseuchenlogistikzentrums in Klausheide die Desinfektion eines Fahrzeuges. Foto: Wilfried RoggendorfHilfskräfte des THW demonstrieren bei der Eröffnung des Tierseuchenlogistikzentrums in Klausheide die Desinfektion eines Fahrzeuges. Foto: Wilfried Roggendorf

wivo Nordhorn. Um im Falle einer Tierseuche effizient handeln zu können, ist ein interkommunales Tierseuchenlogistikzentrum des Landkreises Emsland und der Grafschaft Bentheim in Nordhorn-Klausheide eingerichtet worden.

Nach dem Baubeginn im Januar wurde es jetzt offiziell durch die Landräte Friedrich Kethorn (Grafschaft Bentheim) und Reinhard Winter (Emsland) eingeweiht. „Seuchen machen an kommunalen Grenzen nicht halt“, erklärt Kethorn die Zusammenarbeit der Grafschaft und des Emslandes.

Ein funktionierendes Tierseuchen-Krisenmanagement sei unabdingbar, da es in den Landkreisen zusammen circa 42 Millionen Stück Geflügel, 2,1 Millionen Schweine und 300000 Rinder gebe, erläutert Haiko de Buhr, Fachbereichsleiter Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis Emsland. Im Zentrum könnten aus drei Personen bestehende Untersuchungsteams mit Material ausgerüstet werden, um zu betroffenen Höfen zu fahren. Nach der Rückkehr würden die Teams dekontaminiert und für den nächsten Einsatz neu ausgerüstet. Sie betreten dafür das Zentrum auf der sogenannten unreinen Seite, reinigen sich und ihre Hilfsmittel und verlassen es auf der reinen Seite.

Für das nördliche und mittlere Emsland befindet sich bereits ein Tierseuchenlogistikzentrum in Sögel . Der Standort Klausheide deckt das südliche Emsland und die Grafschaft ab. So verringern sich die Fahrzeiten der Einsatzteams. Dadurch könne die Ausbreitung einer Seuche schneller eingedämmt werden, betont de Buhr.

Der Fachbereichsleiter erklärt, dass beim Auftreten einer Seuche der betroffene Betrieb innerhalb von 24 Stunden von Tieren geräumt werden muss. Innerhalb von 48 Stunden müssen alle Höfe im Umkreis von 500 Metern geräumt werden. Zudem werden ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet, das sich in einem Radius von mindestens drei Kilometern um den Seuchenherd erstreckt, eingerichtet. Die Tierbestände werden klinisch, serologisch und virologisch untersucht, um eine Ausbreitung zu verhindern. Eine Aufhebung der Bezirke findet frühestens nach 30 Tagen im Sperrbezirk und nach 20 Tagen im Beobachtungsgebiet statt – aber nur, wenn keine weiteren Fälle auftreten.

Um dem gerecht zu werden, arbeitet das Krisenzentrum des Landkreises in Meppen, welches für Krisen- und Maßnahmenplanung, Personalschulungen, Übungen und Kooperationsverträge zuständig ist, mit den Tierseuchenlogistikzentren in Sögel und Klausheide zusammen. „Wir müssen mit den anderen Krisenzentren, auch in den Niederlanden, kooperieren, da es meistens nicht bei einem lokalen Seuchenfall bleibt“, sagt der emsländische Landrat Winter, „Wenn man den Punkt verpasst die Seuche zu erkennen, kann man ihr nur noch schwer Herr werden.“ Es gebe keinen anderen Weg, als sich auf die Krise vorzubereiten und zu hoffen, dass sie nicht eintritt. Die Entwicklung der Nutztierhaltung steige stetig an, und im Fall einer Seuche müssten die Landkreise in der Lage sein, diese unter Kontrolle zu bringen, um Schlimmeres zu verhindern.


Die Flugplatz Nordhorn-Lingen GmbH vermietet die Halle, in der das Tierseuchenlogistikzentrum untergebracht ist, den Landkreisen. Die Baukosten belaufen sich auf rund 600000 Euro. Die jährlichen Unterhaltskosten betragen 16000 Euro. Bau- und Unterhaltskosten werden von den Landkreisen jeweils zur Hälfte übernommen. In der Halle befinden sich Materiallagerräume, Räume zur Reinigung und zur Ausgabe von Material, zur Versorgung der Einsatzkräfte sowie zur Reinigung und Dekontamination von Personen und Fahrzeugen. Technisches Equipment, wie Computer und Telefone, das im Fall einer Seuche für die Arbeit notwendig ist, wird im Ernstfall innerhalb eines Tages in das Tierseuchenlogistikzentrum gebracht.