Zuletzt im Museum aufbewahrt Glocke kehrt nach Wietmarschen zurück

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part Wietmarschen. Eine außergewöhnliche Reise durch die Zeit hat eine fast 200 Jahre alte Bronzeglocke der Kirchengemeinde Wietmarschen erlebt. Vor wenigen Tagen schrieb sie ein weiteres Kapitel ihrer einzigartigen Geschichte und kehrte nach einigen Zwischenstationen zurück an ihren Ausgangsort.

Hergestellt wurde die Kirchenglocke im Jahre 1819 von Mammeus Fremy und Andries van Bergen. Mammeus Fremy stammt aus einer bekannten ostfriesischen Glockengießerfamilie, die im 18. Jahrhundert auf dem Gut Barghausen bei Burhafe ansässig war. Anfang des 19. Jahrhunderts arbeitete er eng zusammen mit Niederländer Andries van Bergen und stellte zahlreiche Bronzeglocken her, die noch heute viele Kirchen in Ostfriesland schmücken.

Die Wietmarscher Glocke zeigt am oberen Rand einen klassizistischen Rankenfries, auf der Wandung zwei Darstellungen Christi am Kreuz sowie eine lateinische Inschrift mit dem Wortlaut „Zu Ehren des Heiligen Johannes, des Patrons der Kirche, haben mich 1819 Andries van Bergen und M. Fremy hergestellt“. Mit einer Höhe von nur einem halben Meter und einem Durchmesser von 40 Zentimetern unterscheidet sie sich wesentlich von anderen Bronzeglocken ihrer Art. Trotz ihrer kleinen Größe ist ihr Schall über mehrere Kilometer wahrnehmbar.

„Durch die Inschrift, die Herstellungsjahr, Glockengießer und Namenspatron nennt, ist die Herkunft aus der Kirche in Wietmarschen eindeutig gesichert“, unterstrich Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums in Lingen.

Mithilfe von Zeitzeugen und historischen Aufzeichnungen konnte der Werdegang der Glocke fehlerfrei rekonstruiert werden: Als Angelusglocke hing sie vermutlich in einem alten Dachreiter der St.-Johannes-Kirche in Wietmarschen. Anschließend kam sie in einen neu errichteten Dachreiter eines Erweiterungsbaus, der 1944 in der Zeit der Zweiten Weltkrieges durch eine Luftmine zerstört wurde.

In Füchtenfeld zu hören

Nach dem Krieg wurde die Glocke ins Flüchtlingslager nach Füchtenfeld übergesiedelt und dort der Barackenkirche zur Verfügung gestellt, die je zur Hälfte als katholische und evangelische Notkirche genutzt wurde. Später kam die Glocke in einen hölzernen Glockenturm neben der neu erbauten katholischen Kirche in Füchtenfeld und schließlich in den Glockenturm des Kirchenneubaus.

Als der Kirchenstandort Füchtenfeld vor einigen Jahren aufgegeben und der Abriss beschlossen wurde, sollte die Geschichte der Glocke noch nicht enden: Im Emslandmuseum Lingen wurde sie von dem Team um Andreas Eiynck aufbewahrt und zum Teil überarbeitet. Am Palmsonntag kehrte sie nach dreieinhalbjährigem Aufenthalt im Museum zurück zu ihrem Ausgangsort und erklingt zukünftig neben vier weiteren Glocken in der St.-Johannes-Apostel-Kirche.

„Für unsere Gemeinde ist die Rückkehr der Bronzeglocke eine ganz tolle Sache. Zukünftig wird sie bei besonderen Anlässen zu hören sein“, erzählt Gerhard Voßhage, Pfarrer der Kirchengemeinde Wietmarschen . Den derzeitigen Wert schätzen Experten auf circa 5000 Euro.

„Ich freue mich, dass die Glocke endlich wieder zu Hause ist. Es wäre schade, wenn sie einfach in einem Museum stehen würde, denn sie hat über Jahre gute Dienste geleistet und in ihr klingt eine ganz besondere Geschichte“, meint Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, der sich besonders für die Rückkehr nach Wietmarschen einsetzte.

Bis die Glocke ihren Klang auch in den hintersten Ecken der Wallfahrtskirche vollständig entfalten kann, wird es allerdings noch dauern: Die ursprünglich bis zum 25. Mai vorgesehenen Umbauarbeiten werden sich um wenige Wochen verzögern. „Der neue Termin für die offizielle Einweihung durch Bischof Franz-Josef Bode ist auf den 1. Juli festgelegt“, verrät Pfarrer Voßhage.

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