Wer wird neuer Landrat? Hochspannung vor der Stichwahl in der Grafschaft Bentheim

Landratskandidat Uwe Fietzek. Foto: Ludger JungeblutLandratskandidat Uwe Fietzek. Foto: Ludger Jungeblut

Nordhorn. Völlig offen ist nach Einschätzung von Beobachtern, wer neuer Landrat im Landkreis Grafschaft Bentheim wird. Die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger können sich am Sonntag, 16. Juni, zwischen dem 50-jährigen Bürgermeister von Bad Bentheim, Volker Pannen (SPD) und dem 56-jährigen Ersten Kreisrat Uwe Fietzek aus Wietmarschen-Lohne (parteilos, aber von der CDU unterstützt) entscheiden.

Die Stichwahl ist notwendig geworden, weil bei der Wahl am 26. Mai keiner der drei Bewerber die absolute Mehrheit erzielt hatte. Auf Fietzek waren 40,01 Prozent der Stimmen, auf Pannen 38,3 und die Einzelbewerberin Henni Krabbe 21,69 Prozent entfallen. Die Wahllokale haben am Sonntag erneut von 8 bis 18 Uhr geöffnet.  Der bisherige 68-jährige Landrat Friedrich Kethorn (CDU) hatte nach 15-jähriger Amtszeit auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Er war 2011 mit 52,06 Prozent wiedergewählt worden. Seine damalige Gegenkandidatin und jetzige SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder, die seinerzeit von SPD, Grünen und Grafschafter Bürgerforum unterstützt wurde, erhielt 47,94 Prozent. Bei der Stichwahl am Sonntag wird ebenfalls mit einem knappen Ergebnis gerechnet.

Fietzek setzt sich für Bildungs- und Attraktivitätsoffensive ein

Priorität haben für Uwe Fietzek die Themen Bildungsoffensive, mobile, digitale und gesunde Grafschaft, die Verwaltung als Dienstleister sowie eine Attraktivitätsoffensive, um die Grafschaft weiter voranzubringen. Fietzek: "Gigabits gehören in jeden Haushalt. Ich trete für eine flächendeckende Mobilfunkversorgung ein. Weiße Flecken darf es nicht länger geben." Nach Ansicht von Fietzek macht das Engagement vieler Ehrenamtlicher in Sport- und Kulturvereinen, Kirchen oder Nachbarschaften die Grafschaft lebens- und liebenswert. In puncto Landwirtschaft setzt er sich dafür ein, Bedingungen zu schaffen, "die es unseren jungen engagierten Landwirten ermöglichen, den elterlichen Betrieb fortzuführen."

"Mit Stolz und Selbstbewusstsein werden wir die Grafschaft über die Grenzen hinweg präsentieren, um Fachkräfte zu gewinnen beziehungsweise zu binden und Tourismus weiter zu stärken", betont der 56-Jährige. Großen Wert legt Fietzek auf eine wohnortnahe ärztliche Versorgung. "Dabei setze ich auch auf die Fortführung des Medizin-Stipendiums und die Zusammenarbeit mit der Euregio-Klinik. Das Thema Pflege steht bei mir ganz oben auf der Tagesordnung." 

Landratskandidat Volker Pannen. Foto: Ludger Jungeblut

Volker Pannen spricht sich für ein neues Miteinander in der Kreisverwaltung, im Kreistag, in den Kommunen sowie in der Bevölkerung aus. Es gelte, die Ehrenamtlichen in den örtlichen Gemeinschaften durch hauptamtliche Kräfte stark zu unterstützen. Kinderarmut bezeichnete er als Skandal. "Der Umstand, allein erziehend oder auch kinderreich zu sein, darf in der Grafschaft kein Armutsgrund mehr sein." Beim Thema Kitas und Schulen will er sich für weitere Investitionen einsetzen. Es gelte, jede Entscheidung, die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche habe, besonders zu prüfen und die Jugend an diesen Entscheidungen umfassend zu beteiligen.

Pannen: Bäuerliche Betriebe brauchen mehr Planungssicherheit

Notwendig sei eine Erhöhung der Verkehrssicherheit  vor allem auf Schulwegen und vor Kitas. Entscheidungen der Verkehrssicherheitskommission sollten nicht nur von der Unfallhäufigkeit abhängig gemacht werden. Pannen sieht Handlungsbedarf bei den Themen Wohnraumversorgung, der Schaffung einer flächendeckenden Haus- und Fachärzteversorgung, der Anwerbung von Fachkräften und bei der Zuwanderung mit anschließender Integrationsarbeit. Für die bäuerlichen Familienbetriebe fordert er mehr Planungssicherheit.

Wahlpräsentation im Nordhorner Kreishaus

Nach Angaben des Landkreises Grafschaft  startet im Foyer des Nordhorner Kreishaus in der van-Delden-Straße am Sonntag um 18 Uhr die öffentliche Wahlpräsentation. Hier treffen die aktuellen Ergebnisse aus den Wahllokalen ein. Janina Hillmann, Moderatorin der Ems-Vechte-Welle, wird den neuen Landrat, den "zweiten Sieger" sowie weitere Gäste interviewen. Mit der Bekanntgabe des Ergebnisses wird zwischen 19 und 20 Uhr gerechnet. Während der Wahlpräsentation werden kostenlos Getränke und Salzgebäck gereicht.

Wer nicht vor Ort sein kann, die Wahl aber dennoch „hautnah“ verfolgen möchte, kann Informationen erhalten über das Internet (www.grafschaft-bentheim.de) über die App Votemanager (Android- und Apple-Store) oder auch über die Ems-Vechte-Welle, die live aus dem Kreishaus senden wird.




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