Taten während Probejahr bei Feuerwehr 18-Jähriger gesteht drei Brandstiftungen in Lohne

Von David Hausfeld

Am 12. Dezember brannte eine Scheune mit Stroh und landwirtschaftlichen Maschinen am Krähenweg in Lohne. Ein 18-Jähriger hat gestanden, das Feuer gelegt zu haben, um es später selbst löschen zu können. Foto: HilleAm 12. Dezember brannte eine Scheune mit Stroh und landwirtschaftlichen Maschinen am Krähenweg in Lohne. Ein 18-Jähriger hat gestanden, das Feuer gelegt zu haben, um es später selbst löschen zu können. Foto: Hille

Nordhorn. Der Serienbrandstifter von Wietmarschen-Lohne hat vor dem Amtsgericht Nordhorn gestanden, für drei Brände verantwortlich zu sein. In einem vierten Fall kamen jedoch Zweifel auf. Der 18-Jährige hatte zudem einen Freund zum Legen eines fünften Feuers angestiftet – dieser wurde verurteilt.

„Mein Mandant kann sich sein damaliges Verhalten heute selber nicht erklären“, verlas der Verteidiger des 18-Jährigen in einer Erklärung. „Das war alles total bescheuert“, habe der Angeklagte ihm in einem persönlichen Gespräch gesagt. Vier Fälle von Brandstiftung mit einer Gesamtschadenshöhe von rund 430.000 Euro werden dem 18-Jährigen unter anderem zur Last gelegt. Mehrere Strohlager habe der Angeklagte demnach im Zeitraum von Juli bis Dezember 2017 im Schutz der Nacht angesteckt. In einigen Fällen wurden Scheunen und landwirtschaftliche Maschinen Opfer der Flammen.

„Massive Minderwertigkeitsgefühle“

Mit der Erklärung des Verteidigers gestand der Angeklagte, drei der Feuer entsprechend der Anklageschrift gelegt zu haben. Der 18-Jährige absolvierte damals bei der Freiwilligen Feuerwehr Lohne ein Probejahr und nahm selber an den jeweiligen Löscheinsätzen teil. Im Januar identifizierte die Polizei den jungen Mann als mutmaßlichen Täter. Seitdem befindet sich der 18-Jährige in psychologischer und psychotherapeutischer Behandlung, hieß es in der Erklärung des Verteidigers. Sein Mandant habe „massive Minderwertigkeitsgefühle“ und ein „deutlich reduziertes Selbstwertgefühl“. Die Feuer habe er gelegt, um bei den anschließenden Einsätzen seine Außenwahrnehmung zu steigern. „Er wollte zeigen, dass er zu etwas zu gebrauchen ist.“

Nicht für größten Schadensfall verantwortlich?

Für den Brand mit der größten Schadenshöhe von rund 250.000 Euro sei der 18-Jährige jedoch nicht verantwortlich. Der Verteidiger begründete dies mit der GPS-Funktion des Mobiltelefons seines Mandanten. Der gespeicherte Verlauf der Standortbestimmung liefere die nötigen Hinweise, wonach sich der Angeklagte zum ermittelten Tatzeitpunkt im Haus seiner Eltern befunden habe. Anhand der aufgezeichneten Daten konnten Richter und Staatsanwalt jedoch nicht eindeutig nachvollziehen, ob sich der Angeklagte wirklich Zuhause und nicht am Tatort befunden hat. Dem Vorschlag des Verteidigers, diesen Anklagepunkt fallen zu lassen, kam das Gericht nicht nach. Die Schadenshöhe des Falls sei dafür mit 250.000 Euro zu hoch.

Polizist soll am 10. August gehört werden

Die Aussage eines an den Ermittlungen beteiligten Polizisten soll nun Klarheit schaffen. Aus diesem Grund verschob der Richter die Verhandlung gegen den 18-Jährigen auf den 10. August. Hier soll dann auch der Polizeibeamte als Zeuge befragt werden.

Freund zur Brandstiftung angestiftet

In einem weiteren Anklagepunkt soll der 18-Jährige seinen 17-jährigen Freund angestiftet haben, im Januar ein weiteres Feuer zu legen. Auch dies gestand der 18-Jährige. Sein 17-jähriger Freund wurde in der Verhandlung wegen vorsätzlicher Brandstiftung verurteilt. 100 Arbeitsstunden muss dieser nun ableisten. Außerdem sprach der Richter eine Weisung aus, wonach der 17-Jährige in der Wohneinrichtung, in der er sich aktuell befindet, bleiben muss. Ohne Zustimmung der Jugendgerichtshilfe darf er diese nicht verlassen. Das rechtskräftige Urteil orientiert sich am Plädoyer des Staatsanwaltes; die Verteidigerin des 17-Jährigen hatte lediglich 50 Arbeitsstunden gefordert.

Durch großes Enagement im Fokus

Laut Aussage des Richters trat der 18-Jährige als Feuerwehrmann bei den jeweiligen Löscharbeiten „auffällig engagiert“ auf und rückte so in den Fokus der Polizei. Mit Hilfe seines Freundes und eines wasserdichten Alibis wollte der 18-Jährige daraufhin die Ermittlungen der Beamten von sich lenken. Er werde zu Unrecht der Brandstiftungen verdächtigt, hatte der 18-Jährige dem 17-Jährigen mehrfach versichert. Der 17-Jährige solle ein weiteres Feuer legen, während er sich mit seiner Freundin im Kino befinde. Der Schaden solle möglichst gering sein, es dürften keine Tiere oder Menschen verletzt werden, so die Vereinbarung der beiden.

Von Zeugen beobachtet

Der 17-Jährige führte die erbetene Tat im Januar 2018 aus. Auf einem Feld zündete er Strohballen an, um seinem damaligen Freund, der in seinen Augen unschuldig war, zu helfen. Dabei wurde er von Zeugen beobachtet. Als die Polizei den 17-Jährigen aufgriff, war dieser geständig und schilderte den gesamten Sachverhalt. So trug er zur Überführung des 18-Jährigen bei. Vor Gericht bestätigten beide Angeklagte den Ablauf des Vorfalls. Den Tatbestand der vorsätzlichen Tatverschleierung sah der Richter deshalb nicht erfüllt. Der 17-Jährige sei davon ausgegangen, dass der 18-Jährige unschuldig sei.

Zwischen Juli 2017 und Januar 2018 hatte es insgesamt sieben Mal in Lohne gebrannt. Hinweise darauf, dass der 18-Jährige für die übrigen drei Taten verantwortlich sei, gab es nicht, erklärte ein Staatsanwalt im Januar.


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