Saatgutmischungen in Spelle Wietmarschen erschwert das Anlegen von Steingärten

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Wietmarschen. Die Gemeinde Wietmarschen will die Anlegung von Kiesbeeten in den Vorgärten erschweren, indem diese auf die Versiegelungsfläche angerechnet werden. Derartige Beete sind aber nicht explizit verboten.

Das haben Bürgermeister Manfred Wellen und Bauamtsleiter Jörg Peters in einem Gespräch mit der Redaktion unterstrichen. Der Gemeinderat hatte am 26. Juni eine solche Vorgabe erstmals für das Baugebiet „Erweiterung Am Möllendiek“ beschlossen. Weitere Baugebiete sollen folgen. Laut Peters ist die Versiegelungsfläche gleichbedeutend mit der Grundflächenzahl II. „In unseren neuen Baugebieten dürfen 60 Prozent des Grundstückes durch das Haus und die Nebenanlagen wie Zufahrt, Garage, Schuppen oder Terrasse versiegelt werden. Damit liegen wir an der Grenze des rechtlich Möglichen.“

Untere Naturschutzbehörde regt Neuregelung an

Nach seinen Angaben beträgt die zulässige Versiegelungsfläche in älteren Baugebieten, die relativ große Grundstücke aufweisen, zwischen 45 und 60 Prozent. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Grafschaft Bentheim hatte die Neuregelung angeregt. „Die Versiegelungsfläche, die der Natur verloren geht, muss an anderer Stelle kompensiert werden. In der Gemeinde stehen uns dafür das Naherholungsgebiet Lohner Sand und das Wiesenvogelgebiet am Süd-Nord-Kanal zur Verfügung“, erläuterte Peters.

Ein Zeichen für mehr Grün

Wellen stellte klar, dass die Gemeinde Kiesbeete nicht verbieten könne oder wolle. „Wer unbedingt ein derartiges Beet anlegen möchte, muss aber eventuell an anderer Stelle, wie zum Beispiel bei der Terrasse, die Versiegelungsfläche reduzieren, sodass die Quote insgesamt eingehalten wird.“ Der Bürgermeister bekräftigte, dass die Gemeinde mit der Neuregelung ein Zeichen für mehr Grün setzen wolle.

Notfalls wird ein Rückbau gefordert

Der Landkreis als Baugenehmigungsbehörde werde bei Prüfung des Bauantrages auf die Vorgabe achten. „Grundsätzlich setzen wir auf das Einvernehmen mit den Bürger, möchten aber künftig ein Instrument haben, um notfalls einzuschreiten“, hob Wellen hervor. Wird über die Quote hinaus versiegelt, kann die Kommune einen Rückbau fordern.

Problem auch in Lingen

In den vergangenen Jahren ist auch in Lingen nach Darstellung der Stadt vermehrt zu beobachten, dass sowohl in Neubau- als auch in Altbaugebieten Kiesbeete angelegt werden. „Wir überlegen, ob aus stadtgestalterischen Gründen über die Bauleitplanung regulierend einzugreifen ist“, erklärte Dieter Frerich, Fachdienstleister Bauordnung und Denkmalpflege. Grundsätzlich gibt die Baunutzungsverordnung laut Frerich vor, wo die Grenze für eine maximale Versiegelung der Grundstücksflächen liegt. Anders als bei gepflasterten, vollbetonierten oder asphaltierten Flächen könne bei Kiesflächen aber – ebenso wie bei Rasengittersteinen oder Holzterrassen – Oberflächenwasser versickern und die Auswirkungen auf die natürliche Funktion des Bodens seien gering. „Nichtsdestotrotz werden Kiesbeete anteilig bei der Ermittlung der Grundflächenzahl einbezogen“, sagte Frerich.

„Negative Auswirkungen auf Insekten“

Auch in der Samtgemeinde Spelle ist festzustellen, dass immer mehr Hausbesitzer ihre Vorgärten mit Kiesbeeten, Steinen oder ähnlichem gestalten. Dazu Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf: „Abgesehen von der individuellen Geschmacksfrage haben diese Beete negative Auswirkungen auf die Umwelt, weil Bienen und andere Insekten keine Nahrung und keinen Lebensraum finden.“ Um für die besondere Tragweite dieses Themas zu sensibilisieren, wurden laut Hummeldorf seit Anfang des Jahres im Rahmen einer Umweltinitiative durch die Samtgemeinde 10.000 Saatgutmischungen mit Feldblumen kostenlos ausgegeben. Zusätzlich werden das Anlegen von Blühstreifen oder das Pflanzen von Obstbäumen auf unkomplizierte Weise finanziell unterstützt. Das werde angenommen, weshalb aktuell keine Überlegungen bestünden, in der Samtgemeinde Spelle Vorschriften auszuarbeiten.

Kein Handlungsdruck in Emsbüren und Salzbergen

In der Gemeinde Emsbüren ist nach Angaben von Fachbereichsleiter Uwe Hilling das Thema „Schwindendes Grün in Vorgärten durch Kiesbeete“ noch nicht problematisiert worden. Insofern bestehe auch noch keine Notwendigkeit, verbindliche Regelungen in die Bebauungspläne aufzunehmen. Auch in der Gemeinde Salzbergen sind nach Auskunft von Hubert Rausing, dem Leiter des Bürgermeisterbüros, Regelungen in Bezug auf Kiesbeete derzeit kein Thema.

In der SG Freren keine deutliche Zunahme von Steinbeeten verzeichnet

Der Frerener Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz teilte mit, dass in der Samtgemeinde keine deutliche Zunahme von Steinbeeten wahrgenommen werde, dass ein Eingreifen angemessen erscheinen lasse. „Zumal eine Problematik in der nachfolgenden Kontrolle und dann auch des Pflanzgebotes durch den Landkreis als Bauordnungsbehörde gesehen wird.“

Auch Kombination aus Grüngestaltung und Kiesbeeten

In den Baugebieten der Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Lengerich kommt es hingegen laut Bauamtsleiterin Angelika Lügering schon vor, dass Gärten in Form von Steingärten angelegt werden. „Der überwiegende Teil der Grundstückseigentümer legt allerdings die Gärten in ureigener Weise mit viel Grün an. Vermehrt kann eine Kombination aus Grüngestaltung mit Kiesbeeten festgestellt werden. Diese Gestaltungsvarianten werden hier derzeit nicht als problematisch angesehen, sodass derzeit auch nicht vorgesehen ist, diese Angelegenheit über die Bauleitplanung zu steuern.“


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