Untersuchungen laufen Rätselhaftes Bienen-Sterben in Wietmarschen

Von Andre Berends

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Ein klares Anzeichen von Vergiftung: Tote Bienen liegen vor dem Stock. Foto: ImkervereinEin klares Anzeichen von Vergiftung: Tote Bienen liegen vor dem Stock. Foto: Imkerverein

Wietmarschen. In Wietmarschen sind in den vergangenen Tagen mehrere Tausend Bienen gestorben. Die Landwirtschaftskammer und die Polizei lassen den Fall untersuchen. Der Verdacht: Die Tiere könnten an einem Pflanzenschutzmittel zugrundegegangen sein.

Das Bienensterben beschäftigt die Mitglieder des Imkervereins Wietmarschen-Lohne. In der ersten Juli-Woche fanden zwei Imker aus Wietmarschen vor ihren Stöcken große Mengen toter Bienen. Rasch kam die Vermutung auf: Diese Tiere können nicht auf natürliche Weise gestorben sein. Nicht zu dieser Jahreszeit und erst recht nicht in diesen Dimensionen. Ein paar Tage später folgten zwei weitere Meldungen – wieder von Imkern aus Wietmarschen.

Rund ein Dutzend Bienenvölker sei betroffen, schildert Wolfgang Koopmann, Vorsitzender des Imkervereins. Zu einem Bienenvolk gehören gut 50.000 bis 60.000 Tiere. Insgesamt lasse sich der Verlust nur schätzen, aber es seien wohl einige Tausend Flugbienen verendet. Und ob der Honig, den die Imker herstellen, zu verwenden sei, stehe auch noch nicht fest.

Fehlanwendung von Pflanzenschutzmitteln?

Die Imker nahmen gleich nach dem Fund Kontakt auf mit Guido Eich vom Imkerberatungsdienst des Bieneninstituts in Celle. Dieses gehört zum Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Er ließ sich die Vorfälle exakt schildern, sah sich außerdem Fotos und Videos an. Sein Urteil: „Es hat hier ganz eindeutig eine Vergiftung gegeben.“ Er empfahl den Wietmarschern, sich unverzüglich an den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer in Meppen zu wenden. Der Verdacht: Möglicherweise sind die Bienen mit schädlichen Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft in Kontakt gekommen. Vorsatz sei den Bauern in einem solchen Fall sicher nicht zu unterstellen, betont Guido Eich auf Anfrage. Vielmehr könnte es sich um eine Fehlanwendung gehandelt haben, zum Beispiel bei der Mischung von zwei Stoffen. Ein grundsätzliches Problem zwischen Imkern und Landwirten sieht Guido Eich nicht: „Das klappt sonst ganz gut.“

Untersuchungsergebnis Ende Juli

Zwei Mitarbeiter aus Meppen fuhren kurz darauf nach Wietmarschen, sammelten mehrere tote Bienen ein und nahmen von den umliegenden Feldern Pflanzenproben. Auch wurde bei der Polizei Anzeige erstattet – zunächst gegen unbekannt. Die möglichen Beweismittel werden in einem Fachinstitut unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis steht noch aus und wird laut Polizei auch erst für Ende Juli erwartet.

Ernste Konsquenzen

Sollte sich bestätigen, dass die Bienen an einem Gift gestorben sind, das auf einem der Felder eingesetzt wurde, könnte dies für den Landwirt ernste Konsequenzen haben. „Wenn solche Sachen passieren, werden sie rigoros verfolgt. So etwas darf nicht geschehen“, berichtet Vinzenz Bauer, Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer in Meppen. Sollte einem Landwirt durch die Analyse nachgewiesen werden, dass er bienenschädliche Chemikalien ausgebracht hat, muss er neben dem Schadenersatz auch mit einer Kürzung von Fördermitteln rechnen.

Mehr Sorge wegen Baumarkt-Mitteln

Das Miteinander von Imkern und Landwirtschaft sei in der Regel einwandfrei, berichtet Rainer Drescher, Vorsitzender des Kreisimkerverbands. „Wir hatten seit Jahren keine Vergiftung mehr“, sagt er. Die Landwirte wüssten, dass sie vorsichtig sein müssen, und ließen sich von der Landwirtschaftskammer ja auch speziell beraten. Sorgen bereiteten ihm vielmehr jene Gifte, die jeder Bürger im Baumarkt kaufen und zu Hause im Garten unkontrolliert anwenden könne. „Da wird mir angst und bange“, sagt Drescher.

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