Ritterschlag für Acoustic Steel Vier Jungs aus Lohne treten auf Wacken Open Air 2018 auf

Meine Nachrichten

Um das Thema Lohne Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Treten auf dem Wacken Open Air 2018 auf (von links): Ike Masselink (Ike), Marko Schulte (Schulte), Michael Klaaßen (Pete) und Timo Knifka (Kliff). Foto: Julia MauschTreten auf dem Wacken Open Air 2018 auf (von links): Ike Masselink (Ike), Marko Schulte (Schulte), Michael Klaaßen (Pete) und Timo Knifka (Kliff). Foto: Julia Mausch 

Wietmarschen-Lohne. „Hier zu spielen, das wäre ein Traum“, dachte sich Ike Masselink, als er vor einigen Jahren mit Freunden auf dem Wacken Open Air war. Ein paar Jahre später ist es soweit: 2018 tritt der Lohner Musiker mit der Band Acoustic Steel dort auf. Ein Ritterschlag– es ist das größte Heavy-Metal-Festival der Welt.

„Wo ist das Kabel hin?“, fluchend stehen zwei Männer im Keller des Lohner Jugendtreffs nahe des Schulzentrums. Inmitten zahlreicher Instrumente diskutieren sie. Es nimmt ein jähes Ende, als der Blick über den Boden schweift. In einer Ecke liegt das Gesuchte. Mit diskutieren ist Schluss, es wird auf die Schulter geklopft und gelacht. Der Probenraum von Acoustic Steel ist klein, unzählige Plakate hängen an den Wänden. Es ist eine Mischung aus Probenraum und Wohnzimmer. Eine Mischung aus Ordnung und Chaos.

Unordnung fördert Kreativität

Gerade erst hat eine Studie der Universität von Minnesota bewiesen: Unordnung fördert die Kreativität. Eine Fähigkeit, die man den Musikern von Acoustic Steel nicht absprechen darf. Zwar covern Marko Schulte (genannt Schulte), Timo Knifka (Kliff), Michael Klaaßen (Pete) und Ike Masselink (Ike) Songs aus dem Rock- und Metal-Genre. Coverversionen aus Stahl von Lieblingssongs stecken sie dann aber in ein Gewand aus Akustikgitarren, Bass, Cajons, Melodika und verschiedenste Percussioninstrumenten. Heraus kommt „handgemachte“ Akustik-Musik. „Wir verfälschen Musik, aber im positiven Sinne“, sagt Kliff. Sei es „Run to the Hills“ von Iron Maiden, „Whiskey in the Jar“ von Metallica oder „You shook me all Night long“ von AC/DC.

Gegründet, um in Kneipen zu spielen

Seit März 2011 gibt es Acoustic Steel in dieser Besetzung. Gegründet, um Musik zu machen. Gegründet, um in Kneipen zu spielen. Genau das war nämlich nicht möglich, als die Musiker damals noch in einer anderen Band aktiv waren. Weniger akustisch ging es da zu, damals gab es was auf die Ohren, es war laut. Mit Acoustic Steel hat sich das geändert. Ihren ersten Auftritt hatten sie in der Lingener Kneipe Koschinski, es folgten Gigs im Alten Schlachthof und im Grünen Jäger in Lingen sowie im Meppener Rockpalast. Doch statt nur von Kneipe zu Kneipe zu tingeln, ging es bald auch auf Open-Air-Veranstaltungen und Stadtfeste – wie dem Altstadfest in Lingen.


18 Gigs innerhalb einer Woche

Höhepunkt bisher waren die Auftritte auf Borkum. 18 Gigs innerhalb einer Woche hatten sie beim Kultursommer auf Borkum und schafften es, dass selbst Senioren bei Iron Maiden-Klassikern bis zu den letzten Klängen tanzten und mitsangen.

Dass es nicht immer so glatt läuft, diese Erfahrung mussten sie auch machen. Mal wurden sie und ihre Musik auf einem Dorffest erst gar nicht beachtet, und bei einer anderen Veranstaltung dienten sie als Musiker, die hungrige Mäuler „auf dem Weg zum Buffet“ begleiteten, sagt Ike. Für Rocker, die auf der Bühne alles geben wollen, ernüchternd. Und auch dort lief nicht immer alles glatt, wissen die Lohner nach sieben Jahren Bandgeschichte. 2016 sollte Acoustic Steel beim Benefizkonzert in der Emslandarena auftreten. Für den Auftritt wurde extra ein Intro angefertigt. Während die Musiker noch in der Garderobe saßen, ertönten plötzlich von der Bühne aus Klänge – ihre Klänge. Es war das Intro, das anfing zu spielen, obwohl die Jungs noch ihre Getränke auf dem Tisch hatten und einer der Musiker sich auf der Toilette befand.

Auftritt auf dem Wacken Open Air

Verpasst haben sie den Auftritt nicht, und das Publikum nahm es gelassen hin, dass zunächst nur drei Musiker auf der Bühne standen und „nicht so recht wussten, was sie machen sollten“, erinnert sich Schulte. Die Situation fühlte sich wie ein verfrühter Aprilscherz an. Ähnlich wie die, als die Lohner von den Organisatoren des Heavy-Metal-Festivals Wacken Open Air angeschrieben und gefragt wurden, ob sie im Sommer auf dem Festival auftreten wollen. Und doch war es kein Scherz, es war purer Ernst.

Das realisierten sie erst, als ihr Bandname offiziell auf der Internetseite des Festivals zu finden war. Am Mittwoch, 1. August 2018, dem ersten Tag des Heavy-Metal-Festivals, werden sie auf der dortigen Beer Garden Stage, einer der acht Bühnen auf dem Festival, stehen. Was sie dann spielen werden, wissen sie noch nicht genau, aber es wird etwas sein, worauf sie Lust haben und nichts, was dem Mainstream entspricht. Denn obwohl sie das „Musikmachen“ Ernst nehmen, ist es in erster Linie ein Hobby, das einfach nur Spaß machen soll.


Das Wacken Open Air

Das Wacken Open Air ist ein Heavy-Metal-Festival, das seit 1990 in der Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein stattfindet. Nahezu alle Spielarten des Hard Rock und Metal sind auf dem Festival vertreten. Mittlerweile ist es eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt. Die Besucherzahl liegt im Schnitt bei rund 85.000 Menschen. In diesem Jahr wird das Festival vom 1. bis 4. August stattfinden. Die Ticketpreise liegen bei 200 Euro.

Das Wacken Open Air verfügt über insgesamt acht Bühnen für Musiker und Rahmenprogramm. Rund 170 Bands treten an den Festivaltagen dort auf. Erstmals mit dabei sind in diesem Jahr die Musiker von der Band „Acoustic Steel“ aus Lohne.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN