Ein Artikel der Redaktion

Zwei Disziplinen, ein Ziel Forschungsprojekt am Campus Lingen will Menschen helfen

Von Wilfried Roggendorf | 28.04.2016, 10:58 Uhr

Das Projekt Dorfgemeinschaft 2.0 soll Menschen ermöglichen, mithilfe von Technik möglichst lange selbstbestimmt in vertrauter Umgebung leben zu können. Auf dem Campus Lingen erforschen Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen hierzu gemeinsam die Lebensräume „Mobilität“ sowie „Gesundheit und Pflege“.

„Wir arbeiten unter Leitung der Professoren Stefanie Seeling und Ingmar Ickerott mit vier Kollegen aus verschiedenen Bereichen an diesem Projekt“, so die Pflegewissenschaftlerin Britta Blotenberg. „Dabei ergänzen wir uns mit den individuellen Stärken.“

Das bestätigt Maria Süßmuth. Die Logistikexpertin sagt: „Ich erkenne neue Aspekte durch das pflegerische Know-how der Kollegen und lerne, medizinische Gesichtspunkte zu verstehen.“

Logistiker und Pflegewissenschaftler

Die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Campus Lingen erläutern dies an einem Beispiel: „Ältere Menschen fahren oft E-Bikes. Wenn sie diese mit in einen Bus nehmen wollen, muss dieser über Stellflächen für Fahrräder verfügen“, sagt die Logistikerin. „E-Bikes sind aber für ältere Menschen oft zu schwer, um sie in den Bus heben zu können“, gibt die Pflegewissenschaftlerin zu bedenken. Die Lösung könnte beispielsweise ein Anhänger bieten, auf den die Fahrräder geschoben werden können.

Feststellen, was die Menschen sich wünschen

Doch bevor die Wissenschaftlerinnen mit ihren Kollegen solche Lösungen erarbeiten, geht es in dem auf fünf Jahre ausgelegten Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ zunächst einmal darum festzustellen, wie sich die Situation darstellt. „Wir machen eine Ist-Analyse und schauen, was die Menschen in der Grafschaft Bentheim und dem südlichen Emsland, dem Forschungsgebiet, sich wünschen“, so Blotenberg. So würden das pflegerische Angebot und ehrenamtliches Engagement betrachtet. „Wir würden bei verschiedenen Veranstaltungen gerne ‚Mäuschen spielen‘, um bürgernah und bedarfsorientiert forschen zu können“, schmunzelt die Pflegewissenschaftlerin.

Sozial vernetzen

Übergeordnetes Ziel sei es, eine Dorfgemeinschafts-App zu entwickeln, erläutert Prof. Seeling. „Mit dem Hilfsmittel dieser Technik können sich Interessierte sozial vernetzen.“ Süßmuth nennt ein praktisches Anwendungsbeispiel: „Jemand, der nicht mehr mobil ist, um Einkaufen zu gehen, sieht, dass sein Nachbar am nächsten Tag zum Supermarkt fährt. Dann kann der Betroffene ihm seine Einkaufsliste schicken oder vom Nachbarn mitgenommen werden.“

Kommen ohne Ehrenamt nicht aus

Doch war so etwas früher nicht selbstverständlich? Seeling meint: „Studien haben gezeigt, dass das ‚Geben und Nehmen‘ etwas verloren gegangen ist. Aber angesichts des demografischen Wandels kommen wir ohne solches Ehrenamt nicht mehr aus.“ Das Projekt Dorfgemeinschaft 2.0 schließe die vorhandene Lücke.

Es gehe darum, Technik so mit den Menschen zusammenzubringen, dass diese einen Nutzen davon hätten. „Wir wollen die Forschung so aufstellen, dass wir Effekte nachweisen und nachhaltige Empfehlungen aussprechen können“, versichert Seeling.