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Zur Ablehnung einer Satzung: Mehr Bürokratie rettet keinen Baum

Meinung – Thomas Pertz | 14.02.2017, 19:21 Uhr

Eine Baumschutzsatzung verhindert keine unerlaubte Baumfällaktion, meint der Kommentator.

Würden die Bäume auf dem Lühn-Gelände noch stehen, wenn die Stadt Lingen eine Baumschutzsatzung hätte? Nein. Wer kaltschnäuzig genug ist, seine Sicht der Dinge mit der Motorsäge umzusetzen, der macht es auch auf die Gefahr hin, eine Geldbuße zu zahlen oder sonst wie belangt zu werden. Der Antrag der Grünen im Umweltausschuss war gut gemeint, weil er den hohen Wert von Bäumen für Mensch und Umwelt unterstrich. Die Ablehnung des Antrages war aber richtig, weil im Ergebnis der Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis stünde.

Letzteres ist in Lingen, was das grüne Gesamtbild anbelangt, gar nicht so schlecht, von negativen Ausnahmen wie die auf dem Lühn-Gelände abgesehen. Auch gibt es Fällaktionen wie die an der Kokenmühle, wo eine Information an die Verwaltung und ein artenschutzrechtliches Gutachten vorausging – auch ohne Baumschutzgutachten, aber mit einem Eigentümer, der eine Antenne für die Belange der Natur hat.

Noch mehr Bürokratie rettet am Ende keinen Baum – und nicht jeder darf gerettet werden, wenn er eine Gefahr für den öffentlichen Raum darstellt. Die Stadt selbst muss Vorbild bleiben, was ihren Umgang mit städtischem Grün anbelangt. Der Bürger bleibt – auch ohne Baumschutzsatzung – in der Verantwortung für das, was er auf seinem Grundstück macht. Deshalb darf man auch gespannt sein, wie die Gespräche zwischen der Verwaltung und den Verantwortlichen der Fällaktion auf dem Lühn-Gelände ausgehen. Ein Preis wird zu zahlen sein – in welcher Form auch immer.