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Zartbitter aus Köln Präventionstheater in Lingen: „Ist das Petzen oder Hilfe holen?“

Von Caroline Theiling | 11.09.2011, 14:49 Uhr

„Wenn ein Mitschüler in der Nase bohrt und du sagst es deinem Lehrer, ist das Petzen oder Hilfe holen? Und wenn auf dem Schulhof ein größeres Kind ein jüngeres verprügelt, und du sagst das einem Erwachsenen, ist das Petzen oder Hilfe holen?“

Um diesen Unterschied geht es in dem Theaterstück „Ganz schön blöd“, das jetzt vom Präventionstheater Zartbitter aus Köln an der Wilhelmshöhe aufgeführt wurde. Es richtet sich an Schüler der Klassen zwei bis fünf und soll ihnen helfen, zu unterscheiden zwischen schönen und blöden Gefühlen und zu erkennen, wann jemand eine Grenzverletzung begangen hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob die verletzende Person gleichaltrig oder erwachsen ist.

Im Rahmen des Projekts „Notinsel“, das Kindern Zuflucht vor Gewalt und Gefahr in zahlreichen Geschäften bietet, ist es dem Jugendschutz der Stadt Lingen in Zusammenarbeit mit dem Präventionsteam der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim gelungen, die Kölner Theatertruppe nach Lingen zu holen.

Das Zwei-Personen-Stück dauert rund 60 Minuten und lebt von kurzen prägnanten Dialogen, die es jungen Schülern leicht machen, die Handlung nachzuvollziehen. Es geht im Wesentlichen um ganz alltägliche Situationen, die insbesondere Schulkinder immer wieder erleben (können) und die „blöde Gefühle“ hervorrufen. Da wird das Pausenbrot geklaut, in den Tornister gespuckt, eine Clique sucht sich vermeintlich schwächere Opfer aus, die gemobbt, geärgert oder belästigt werden.

Mit viel Lebensfreude und Musik will das Stück Vertrauen von Kindern in die eigene Wahrnehmung stärken und Mut machen, in belastenden Situationen Hilfe zu holen.

Im Anschluss an die Aufführungen gab es jeweils Gelegenheit für die Zuschauer mit den Schauspielern ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen oder ihre Meinung zum Stück zu äußern.

In der Aufführung geht es um Teugel, ein Wesen halb Engel und halb Teufel (Carsten Keller, der unvermittelt in Tines Leben tritt. Tine (Alexa Limbach), Schülerin und noch voll im Umzugsstress, hat ein bisschen Angst vor der neuen Schule. Da kommt ihr Teugel, der die Prüfung zum Schutzengel im 18. Versuch endlich bestehen will, gerade recht.

Nachdem Teugel zunächst „gar keine Ahnung hatte, wie man Kinder beschützt“, entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, die beiden weiterhilft. Tine lernt von Teugel in schwierigen Situationen nicht aufzugeben und Hilfe zu holen. Teugel entwickelt nach und nach im Kontakt mit dem jungen Mädchen das Gespür für seine Sorgen und Nöte. Geschickt hilft er ihr, sich gegen den Bruder der besten Freundin zu wehren, der sie heimlich im Bad nackt fotografiert hat und die Bilder ins Internet stellen will.

So wird Tine am Ende mutig und Teugel ein richtiger Schutzengel.