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Würdiger Ort des Gedenkens und Erinnerns Eröffnung des Synagogenplatzes in Lingen

Von Caroline Theiling | 21.07.2014, 09:35 Uhr

In einem feierlichen Rahmen mit weit mehr als 100 Gästen ist am Sonntag in Lingen der neu gestaltete Synagogenplatz vor der alten Jüdischen Schule eingeweiht worden.

Dieser 20. Juli sei nicht zufällig gewählt worden, so Heribert Lange, Vorsitzender des Forums Juden-Christen in Lingen. „Heute vor genau 70 Jahren haben Attentäter versucht, dem Leben von Adolf Hitler ein Ende zu setzen,“ erklärte Lange. Ein weiterer Grund liege in Schalom Ben-Chorin (gebürtig Fritz Rosenthal), ein israelischer Journalist, der am 20. Juli 1913 geboren ist und sich vor allem für den christlich-jüdischen Dialog und die Überwindung des Antisemitismus eingesetzt hat.

Lange freute sich, dass so viele Menschen der Einladung gefolgt waren. Darunter Vertreter verschiedener Kirchen, der Bürgerstiftung, der Ratsfraktionen sowie der jüdischen Gemeinde Osnabrück. Den Stellenwert einer solchen Veranstaltung verdeutliche auch die Anwesenheit von Bernhard Süskind , einem Juden, der jetzt in den USA lebt, seine Wurzeln aber in Lingen und in Fürstenau hat und vor Kurzem sein Buch „Wir waren doch Freiwild“ herausgegeben hat (wir berichteten) .

In seiner Ansprache ging Lange auf die Entwicklung des „jüdischen Quartiers“ in Lingen ein, an der die ehemaligen Stadtväter Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring und Oberbürgermeister Bernhard Neuhaus großen Anteil hatten. Neuhaus habe es als „moralische Pflicht angesehen“, so Lange „den Ort als Folge der Nazi-Herrschaft und des Holocaust zu bewahren“. Das sah auch Lange so. „Erinnerung tut not“, sagt er und meint damit den „epochalen Kulturbruch mitten in Europa, in dem das Leben von mindestens sechs Millionen Menschen ausgelöscht wurde“. Er verdeutlichte aber auch, „dass wir mit diesem Thema noch nicht fertig sind“, und verwies unter anderem auf Konflikte im Nahen Osten, den Umgang mit Angehörigen minderer Kasten in Indien im Namen der Religion und das Morden in der Ukraine. Er rief die Anwesenden auf, den Blick offen zu halten, hinzuschauen und sich einzumischen.

Zügig umgesetzt

Nach den Worten von Oberbürgermeister Dieter Krone ist aus dem ehemals verwahrlosten Terrain jetzt nach vielen Jahren ein würdevoller Platz geworden. Daher sei dies auch ein Tag der Freude. Doch es sei auch ein Tag des Innehaltens und des Nachdenkens. „Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist eine zentrale Aufgabe für uns“, so Krone. Dieser Platz sei ein Zeichen gegen das Vergessen der schrecklichen Ereignisse des Nationalsozialismus. Er erhalte die Erinnerung daran auch für künftige Generationen wach. Sein Dank galt daher auch allen Fraktionen des Lingener Stadtrates, die alle sofort den Planungen zugestimmt und damit für eine zügige Umsetzung gesorgt hatten.

Eine großzügige Spende aus der Lingener Bürgerschaft hatte die Neugestaltung erst ermöglicht. Im Zentrum dieses Grundstücks befindet sich ein aus Buchsbaum gewachsener und in Kies eingebetteter Davidstern, der für die mehr als 3000-jährige Geschichte des Judentums steht. In der Mitte des Sterns befindet sich in Anlehnung an die Stolpersteine ein quaderförmiger Sandstein mit einem Springbrunnen, aus dem Wasser (das Symbol des Lebens) sprudelt.

Für einen würdigen Rahmen der Veranstaltung sorgten auch Olaf Nießing mit Beiträgen auf dem Cello sowie ein jüdisches Gebet, singend vorgetragen von Baruch Chauskin, dem Kantor der jüdischen Gemeinde zu Osnabrück.