Ein Artikel der Redaktion

Wegen Bauvorhaben Anwohner der Lingener Gerbertstraße sind verunsichert

Von Wilfried Roggendorf | 10.12.2015, 18:45 Uhr

Der Neubau von vier Mehrfamilienhäusern an der Lingener Gerbertstraße findet nicht in jeder Hinsicht Zustimmung. Anwohner der parallel verlaufenden Rolandstraße befürchten, dass Bäume gefällt werden und die neuen Nachbarn ihnen in die Gärten schauen könnten. Dies erklärte eine Anwohnerin auf der jüngsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses (PBA) der Stadt.

Wie Stadtbaurat Lothar Schreinemacher erklärte, sollen auf einem bislang unbebauten Grundstück südlich der Gerbertstraße rund 40 Wohnungen entstehen. Der rechtskräftig bestehende Bebauungsplan schreibe hier zwingend eine dreigeschossige Bauweise vor. „Wobei ein ausgebautes Dach- oder Staffelgeschoss hinzukommen könnte“, so Schreinemacher.

Stadtbaurat hält Planungen für vertretbar

Sichtschutz zu den Gärten und Häusern in der Rolandstraße biete ein Grünstreifen entlang des Schattenbruchgrabens. „Die Bäume dort sind zehn Meter hoch.“ Da der Investor allerdings nur zweigeschossige Häuser mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss errichten wolle, seien Bewohner im Staffelgeschoss der Neubauten nur auf rund 7,50 Meter Höhe, erläuterte Schreinemacher. Daher halte er die Planungen, an deren Realisierung 2017 gedacht sei, für vertretbar.

„Wir haben Angst, dass der Grünstreifen verschwindet, weil die Bäume die Balkone der Neubauten verschatten werden“, befürchtete eine Anwohnerin. Sie äußerte zudem den Verdacht, dass die Bäume illegal gefällt werden könnten. „Dann zahlt halt jemand Strafe, aber alle schauen zu uns in die Gärten.“ Es würde 30 bis 40 Jahre dauern, bis dort wieder Bäume nachgewachsen wären. „Je weiter die Neubauten vom Grünstreifen wegstehen werden, umso besser.“

Hilling (CDU): Städtebaulich attraktiv

Der letzten Aussage schloss sich Uwe Hilling (CDU) an: „Der Abstand sollte so groß wie möglich sein.“ Die Verwaltung tue gut daran, den Abstand zum Schattenbruchgraben in Verhandlungen mit dem Investor auf zehn Meter festzulegen. „Ein illegales Entfernen der Bäume wird man an keiner Stelle der Welt verhindern können“, gab Hilling zu bedenken. Im Übrigen sei die Absicht des Investors, ein Geschoss niedriger zu Bauen, als erlaubt, städtebaulich attraktiver.

Birgit Kemmer (Grüne) forderte ebenfalls den Erhalt des Grünstreifens und äußerte zugleich Verständnis für die skeptische Haltung zu den geplanten Neubauten: „Ich kann verstehen, dass sie sich nicht wohlfühlen, aber daran müssen sie sich gewöhnen.“ Noch deutlicher wurde SPD-Ratsdame Edeltraut Graeßner: „Die Planungen zeigen das, was wir uns unter Nachverdichtung und Innenstadtentwicklung vorstellen. Wir leben alle so in der Stadt mit Nachbarn.“ Stadtbaurat Schreinemacher sagte zu, dass die Verwaltung Regelungen zum Erhalt des Grünstreifens mit dem Investor treffen werde. Auch würden die Anwohner im Laufe des Planungsverfahrens beteiligt.

Verkehrsführung als Problem

Ein ganz anderes Problem sah Thomas Brümmer (CDU) auf die Gerbertstraße zukommen: die Verkehrsführung. Schreinemacher hatte zuvor erklärt, dass Anwohner eine weitere Verkehrsberuhigung der Gerbertstraße, die als kurze Verbindung zwischen der Josefstraße und der Haselünner Straße genutzt werde, angeregt hätten.