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„Vollendung des Atomausstiegs“ Umweltminister: Fertigung von Brennelementen in Lingen beenden

17.06.2016, 19:48 Uhr

dpa/slx Lingen/Düsseldorf/Berlin. Die Umweltminister der Länder fordern die Bundesregierung auf, die Brennelementefertigung in Lingen zu beenden und die Urananreicherung im westfälischen Gronau stillzulegen. Andreas Hoff, Betriebsleiter des ANF-Brennelementewerks in Lingen, spricht in einer ersten Reaktion von einer „brisanten Sache“.

Die Umweltministerkonferenz habe am Freitag einem Antrag aus Nordrhein-Westfalen zugestimmt, teilte das Düsseldorfer Ministerium am Freitag mit. Bisher habe der Bund keinen Fahrplan zum vollständigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft vorgelegt, stellte NRW-Ressortchef Johannes Remmel (Grüne) fest. Auch sein niedersächsischer Kollege Stefan Wenzel (Grüne) sprach von einem „wichtigen Schritt zur Vollendung des Atomausstiegs“.

„Das wäre das Aus“

Der NRW-Antrag wurde während der Konferenz noch um den Punkt der Fertigung nuklearer Brennelemente ergänzt, teilte das Umweltministerium in Hannover mit. „Das wäre das Aus für die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen“, sagte Ressortchef Wenzel. Die dortige Anlage ist das einzig verbliebene Werk in Deutschland und ist nach dem Beschluss zum Ausstieg nicht mehr erforderlich.

„Nicht vermittelbar„

„Es ist nicht vermittelbar, dass etwa Gronau trotz Ausstiegsbeschluss in Deutschland weiterhin Brennstoffe auch für sicherheitstechnisch problematische ausländische Atomkraftwerke herstellt“, sagte Remmel. Die Anlage im Münsterland versorgt nach unbestätigten Angaben die belgischen Kernkraftwerke Doel und Tihange mit Brennstoff. Gegen sie gibt es seit langem Proteste.

Unbefristete Betriebsgenehmigungen

„Lingen und Gronau haben unbefristete Betriebsgenehmigungen. Das bleibt erstmal so“, sagte Hoff auf Anfrage unserer Redaktion. Ein derartiger Beschluss sei im Zuge des Atomausstiegs vor Jahren schon einmal getroffen, dann aber aus rechtlichen Gründen zurückgezogen worden, erläuterte Hoff. Daher sei der Antrag vor dem rechtlichen Hintergrund eine „brisante Sache.“ Darüber hinaus stelle sich die Frage, wie die internationalen Gesellschafter des französischen Areva-Konzerns, zu dem Advanced Nuclear Fuels (ANF) in Lingen hört, zu den Plänen stehen.

„300 Mitarbeiter betroffen“

Von einem möglichen Aus wären laut Hoff in Lingen 300 ANF-Mitarbeiter betroffen, außerdem Zulieferer und Partnerunternehmen wie Wachdienst und Kantinenservice.