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Verwaltung: Hoffen auf Lösung Bunker bei BvL in Lingen steht Lebensmittelmarkt im Weg

Von Thomas Pertz | 30.01.2015, 19:57 Uhr

Intensive Gespräche zur Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes laufen derzeit zwischen der Lingener Stadtverwaltung und dem Einrichtungshaus BvL an der Lindenstraße. Im Wege sowohl im wörtlichen wie übertragenen Sinne steht der 22 Meter hohe und unter Denkmalschutz stehende Spitzbunker. Der gab Bürgern in Lingen im Zweiten Weltkrieg vor den Luftangriffen der Alliierten Schutz.

Nachdem das Familienunternehmen BvL vor gut zwei Jahren mit seinem Ansinnen, im Bereich des Einrichtungshauses den Verbrauchermarkt Kaufland anzusiedeln, gescheitert war, sind nun Pläne zur Errichtung eines Lebensmittelmarktes dort weit gediehen. Im Dezember 2012 hatte die CDU die Kaufland-Pläne gestoppt, weil sie die anvisierte Größe und auch das Sortiment in zu starker Konkurrenz zur Innenstadt einordnete.

Wie Stadtbaurat Lothar Schreinemacher am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte, ist nun ein Lebensmittelmarkt auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern vorgesehen. BvL arbeite gerade an den gutachterlichen Untersuchungen, was mögliche Belastungen im Boden anbelange. Gutachten seien außerdem hinsichtlich des Strootbaches erforderlich. Hinzu kämen verkehrliche Aspekte. Schreinemacher kündigte an, das Vorhaben in der nächsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses vorzustellen. Wenn bis dahin alle offenen Fragen geklärt sind, könnte nach seinen Worten ein vorhabenbezogener Bebauungsplan mit Durchführungsvertrag geschlossen werden.

Haupthindernis ist der Spitzbunker, der sich nach Angaben der Verwaltung mit seinem Durchmesser von knapp 18 Metern zu zwei Dritteln auf der Fläche des künftigen Lebensmittelmarktes befindet. Er steht unter Denkmalschutz, was ihm aber keine ewige „Lebensdauer“ garantiert. Auch ein Abriss ist möglich, wenn der Besitzer der Grundstücksfläche eine Unwirtschaftlichkeit der Folgenutzung nachweisen kann.

Die ist nach den Worten von Unternehmer Bernhard van Lengerich gegeben. Im Gespräch mit unserer Redaktion machte er am Freitag deutlich, dass sein Vorhaben unmöglich mit der Erhaltung des Bunkers in Einklang zu bringen sei. Allein eine äußere Sanierung koste einer Untersuchung zufolge 378000 Euro. „Alles, was einmal da drin war, ist zerstört“, sagte van Lengerich. Aus Sicherheitsgründen dürfe der Bunker auch nicht betreten werden.

Das Thema Spitzbunker und der Wunsch nach seiner Erhaltung empfindet van Lengerich als „emotional hochgespielt“. Er gehöre selbst der Kriegsgeneration an und habe bei der Bombardierung Lingens schreckliche Bilder gesehen, sagte er. Pläne zum Bau des Bunkers stammten aus dem Jahr 1936. Deshalb verbinde er das Gebäude in erster Linie mit kriegerischen Vorbereitungen der Nationalsozialisten Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. „Wir sind aber gleichwohl bereit, ein drei bis vier Meter hohes Modell des Bunkers auf unserem Betriebsgelände zu erstellen“.

Der Abrissantrag von BvL datiert noch aus dem Jahr 2012. Die Stadt hoffe auf eine Lösung, die in irgendeiner Form diesem Gedenkort gerecht werde, sagte Ludger Tieke, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt.

Wie vor über zwei Jahren, so gibt es auch derzeit Stimmen, die fordern, den alten Spitzbunker als Mahnmal gegen den Krieg zu erhalten. Dazu hat sich inzwischen eine Facebookgruppe „Bunker Rettung 2.0“ gegründet, die an diesem Samstag um 15 Uhr eine „kreative Aktion“ am Bunker an der Lindenstraße plant.