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Trinitatis-Spielplatz 100.000 Euro Differenz: Kirche und Stadt Lingen im Kita-Streit

Von Wilfried Roggendorf | 02.06.2016, 19:40 Uhr

Um rund 100.000 Euro klaffen die Vorstellungen bei der Neugestaltung des Außengeländes der Kita Trinitatis im Lingener Stadtteil Heukampstannen auseinander. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde als Träger möchte 175.000 Euro investieren. Die Stadt Lingen sagt: Das geht deutlich billiger.

Unstrittig ist, da waren sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses nach einer Besichtigung der Kita einig, dass der mehr als 30 Jahre alte Außenbereich der Kita saniert werden muss. Dies betrifft sowohl den Kindergarten- als auch den Krippenbereich. Doch über das Wie wurde diskutiert.

Stadt Lingen: Es geht billiger

175.000 Euro veranschlagt die Kirchengemeinde für beide Bereiche. Davon entfallen 19.000 Euro auf den Krippenbereich. Hierzu hatte der Ausschuss bereits im Juni 2015 einen Zuschuss von rund 17.000 Euro bewilligt. Verbleiben 156.000 für den Kindergartenbereich, sollten die Planungen der Kirche umgesetzt werden. Dem hielt Horst Flachmann vom Fachdienst Jugendarbeit Berechnungen seiner Kollegin Silke Hüter, in der Verwaltung für Spielräume zuständig, entgegen: „Es geht auch für 55.000 Euro.“

Unterschiede in Planungen von Stadt und Kirche

Flachmann erläuterte im Ausschuss die Unterschiede zwischen den Planungen: „Die Stadt möchte die vorhandenen Flächen erhalten, anstatt Boden und Pflasterung komplett aufzunehmen und zu erneuern.“ Zudem solle kein Rollrasen verwendet werden, sondern eine Graseinsaat erfolgen. „Eine zusätzliche Schotterrasenfläche als Aufstellfläche für die Feuerwehr ist nach Rücksprache mit dieser ebenfalls nicht erforderlich“, sagte Flachmann. Auch brauche der vorhandene Zaun nicht ersetzt werden. Und die Planungen der Stadt verzichteten auf eine Bewässerungsanlage.

Kirche nennt keine einzelnen Preise

Jens Beeck (FDP) fragte, wie genau die Differenz zustande komme. Flachmann erklärte: „Das kann ich nicht sagen, da vom Kitaträger keine Einzelpositionen vorliegen.“ Dies bestätigte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Heiner Beushausen: „Wir haben der Stadt ein Leistungsverzeichnis, allerdings ohne Preise, zur Verfügung gestellt.“

Schnieders: Problematische Dimensionen

Ohne Preise sei es schwer, die verschiedenen Pläne zu vergleichen, erwiderte Günter Schnieders, Leiter des Fachbereichs Jugend, Arbeit und Soziales der Stadt Lingen. „Ich halte die Dimension der kirchlichen Pläne für problematisch“, sagte er und erinnerte daran, dass der Spielplatz am Pulverturm insgesamt 150.000 Euro gekostet habe. Zudem müsse es eine Gleichbehandlung aller 23 Kitas in der Stadt geben.

Nicht mehr Geld für andere Kitas

Flachmann nannte Zahlen: „Die Kita Christ-König hat 2015 rund 41.000 Euro Zuschuss für die Gestaltung ihres Außengeländes bekommen.“ Bei der Kita St. Alexander gebe die Stadt aktuell 23.000 Euro und für die Kita St. Ansgar in Biene – „Das ist eine Riesenfläche“ – 43.000 Euro.

Pastor hinterfragt demokratisches Verständnis

Doch in den kirchlichen Planungen gibt es eine Finanzierungslücke von etwa 91.000 Euro. Trotzdem hält die Trinitatisgemeinde an ihren Vorstellungen fest. Pastor Wolfgang Becker erklärte: „Wir sind Träger der Kita und halten unsere Planungen für vertretbar.“ Seine Gemeinde habe einen Zuschussantrag in nicht bezifferter Höhe gestellt. Was dem Jugendhilfeausschuss vorliege, sei aber der Vorschlag der Verwaltung, pauschal 20.000 Euro zu geben. „Da hinterfrage ich das demokratische Verständnis dieses Ausschusses“, sagte der Geistliche. Kirchenvorstand Beushausen behauptete, über diesen Antrag sei der Ausschuss nicht informiert worden.

CDU hinterfragt Verhältnis

Dem widersprach Sozialdemokratin Edeltraut Graeßner: „Das steht in der Verwaltungsvorlage.“ Sie schlug vor, dem Vorschlag der Verwaltung zuzustimmen. „Ich empfehle der Einrichtung aber dringend, weitere konkret bezifferte Zuschussanträge zu stellen“, so Graeßner. Auch die CDU stand hinter dem Vorschlag der Verwaltung. Dies machte Manfred Schonhoff deutlich: „Wir kennen das ganzheitliche Konzept der Kita Trinitatis. Aber ob 100.000 Euro mehr in einem Verhältnis dazu stehen, was man vielleicht Besseres bekommt, wagt meine Fraktion zu bezweifeln.“

Plan verfolgt pädagogisches Konzept

An dieser Einstellung änderte auch die Bemerkung eines Erziehers der Kita nichts, der ein pädagogisches Konzept in den Planungen der Kirchengemeinde sah. Viel Applaus von den rund 30 Besuchern der Sitzung gab es für seine Aussage: „Wir wollen starke Kinder.“ Auch Kita-Leiterin Gudrun Wemker konnte mit ihrer Anmerkung, dass der ursprüngliche Plan noch viel teurer gewesen sei und die Kita beispielsweise auf ein Fußballfeld verzichtet habe, den Jugendhilfeausschuss nicht dazu bewegen, mehr Geld zu geben. Einstimmig beschloss der Ausschuss, es zunächst bei einem Pauschalzuschuss von 20.000 Euro zu belassen.

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