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Tage voller Lebensfreude „Winterzauber“ auf dem Lingener Universitätsplatz

Von Sebastian von Melle | 06.12.2015, 15:14 Uhr

Würde es die „Fensterstimmen“ noch nicht geben, müsste man sie erfinden. Das Konzert mit starken Stimmen und Instrumentalisten aus den Fenstern des Professorenhauses und der Kunstschule war auch in seiner fünften Auflage so etwas wie ein Meet and Greet in der Vorweihnachtszeit, umsonst, draußen und eingebettet in das zauberhafte Ambiente des Kunst- und Kreativmarktes „Winterzauber“.

Tobias Bakos Idee, Musiker in die Fenster zu stellen, ist einfach und genial, und die Durchführung des Konzeptes in Regie des Fachdienstes Kultur der Stadt Lingen beeindruckt alle Jahre wieder. Licht und Ton für eine Bühne über acht Fenster in zwei Häusern, Beschallung eines rappelvollen Platzes mit zahlreichen Barrieren, das ist schon was, und inzwischen wissen Rudolf Kruse und seine Leute, was geht und was nicht. Diese Veranstaltung hat Format und Stil und ein klares Konzept. Die Lingener wollen sie nicht mehr missen.

„Alte Hasen“ neben „jungen Küken“

Dabei gab es neben alten Hasen durchaus frische Neuerscheinungen zu beohren. „Santa Claus is coming“, der Opener des Abends, kam gut intoniert von einer A-cappella-Gruppe aus Lingen und Meppen, die so neu ist, dass sie noch nicht mal einen Namen hat. Vorschläge waren erwünscht. Deren zweiter Act „Run to you“ war fast zu ruhig für den Anlass, das wollen wir gerne noch mal drinnen hören. Auch Bariton Peter Alexander Herwig kam gut an mit seinen geölten Christmas-Songs, begleitet von Rainer Rohe am Klavier. Diese Stimme auf diesem Platz: herrlich. Sommerlichen Afro-Groove verbreiteten „What2Do“ mit „Mas que nada“ sowie die Togolesen Zain Landozz und Mimi Kombate & Friends mit „Zyzy“, „Hallelujah“ und dem „Redemption Song“. Sabine Lambers gab ihr gelungenes Debüt an der Seite von Eike Kumbrink mit den Titeln „You`ve got a friend“ und „Every river“.

Hingucker in den Fenstern

Ein echter Hingucker an den Fenstern war „Unisono“, die gerade mit der Goldenen Göre ausgezeichnete Charity-Band um Lukas Lessing. Lingen kann stolz sein auf diese Botschafter der Nächstenliebe und der guten Laune. Wozu viele Worte machen? „Happy X-Mas“, das genügt. Ems-Vechte-Moderator Mario Köhne band den Sack zu mit Worten des Dankes und dem Schlussact „Last Christmas“, mit allen Künstlern in allen Fenstern. Bis zum nächsten Jahr.

Auch wenn der Universitätsplatz mehr vom Sturmtief durchgeweht wurde als von Schneeflocken berieselt, der „Winterzauber“ ist mal wieder eingetreten, und die Veranstalter des beliebten Kunst- und Kreativmarktes auf dem Lingener Universitätsplatz können gut zufrieden sein.

Kunstgenuss und internationaler Flair

Der internationale Kulturverein von Frauen für Frauen versprach drei Tage voller Kunstgenuss und internationalen Flairs für Groß und Klein. In Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Stadt Lingen, dem Lingener Frauenforum und der Lingen Wirtschaft + Tourismus GmbH haben die engagierten Menschen erneut eine echte Alternative geschaffen zum herkömmlichen Konsumrausch vor dem großen Fest.

Allein die Liste der Mitwirkenden ist beeindruckend: von den Institutionen rund um den Universitätsplatz über die afrikanischen, kurdischen und russischen Frauenvereine, verschiedenen Wohltätigkeits- und Hilfsprojekten bis zu den Künstlerinnen und Kunsthandwerkern, unterstützt vom Bauhof und vielen mitverantwortlichen Personen im Hintergrund.

Netwerk der Verständigung

Diese Veranstaltung war wieder ein wahres Netzwerk der interkulturellen Verständigung. Hier gab es Glühwein, aber auch Falafeln, hier wurde getrommelt, aber auch gebastelt. In der Holzwerkstatt der Kunstschule wurden märchenhafte Weihnachtsgeschenke hergestellt, während im Atrium des Professorenhauses Märchen auf Niederländisch, Englisch, Polnisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und auch auf Deutsch zu hören waren. Das Christophorus-Werk bot Workshops zum Bau von Weichfutterhäuschen und Zapfenmännchen an, und mit Bäckermeister Daniel Wintering konnten die Kinder Lebkuchen verzieren, bevor auch der Nikolaus sich sehen ließ. Das TPZ überraschte an allen Tagen mit Walkacts der Theatergruppen „Restrisiko“, „Dramafactory“ und „Crank“.

Neben den bewährten Kunsthandwerkerständen in der Kreuzkirche und der Kunstschule gab es zum ersten Mal auch im stilvollen Saal des Professorenhauses Kunst und fair gehandelte Produkte zu erwerben. Wer sich kulinarisch ausleben wollte, konnte das im Café „Augusto“ tun, an der Kaffeetafel der Marienschule oder bei den vielen Spezialitäten des Frauenforums und der russischen, afrikanischen oder kurdischen Frauenvereine.

Etliche Sponsoren haben zum Gelingen des „Winterzaubers“ beigetragen. Es ist gut, dass das Miteinander von Menschen aus aller Welt in Lingen so viele Unterstützer hat.