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Stammzellen gespendet Frau aus Lingen rettet Kanadier das Leben

Von Selina Sprick | 09.07.2014, 08:15 Uhr

Kelly Barber ist Kanadier und schwer an Blutkrebs erkrankt. Lange habe er nicht mehr zu leben, heißt es. Wäre da nicht die Lingenerin Britta Lauenroth, deren Stammzellenspende Barbers Leben rettet. Kürzlich haben sich die beiden in Kanada persönlich kennengelernt.

Angefangen hat alles für Lauenroth als Arzthelferin in Meppen. „Wenn du hier arbeiten willst, dann musst du dich registrieren“, sollen ihre Kollegen gescherzt haben und wollen auf eine Registrierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei ( DKMS ) hinaus. Was eigentlich als Witz gemeint ist, setzt Lauenroth in die Tat um.

Lange passiert danach nichts. Erst ein paar Jahre später erhält sie einen Brief von der DKMS. Ihre Stammzellen können nun dringend gebraucht werden. Vorher müsse noch Blut abgenommen und ein Gesundheitscheck durchgeführt werden. „Die Betreuung der DKMS war sehr gut. Die Mitarbeiter haben sich um alles gekümmert“, lobt Lauenroth und erfüllt alle Anforderungen umgehend.

In einem Krankenhaus in Hameln verbringt sie zwei Tage, muss insgesamt acht Stunden liegen. „Man liegt da wie an der Dialyse“, beschreibt die 31-Jährige.

In einer weiteren Nachricht der DKMS geht es darum, was der Empfänger ihrer Spende über sie persönlich erfahren darf. Lauenroth gibt unter anderem ihre E-Mail-Adresse an. Ihr Stammzellen-Empfänger, Kelly Barber, meldet sich daraufhin wenige Tage später bei ihr. 58 Jahre alt ist der Kanadier heute. Am 31. Dezember 2007 sei ihm die Diagnose für den Krebs gestellt worden. In den darauffolgenden zwei Jahren habe er insgesamt 165 Tage im Krankenhaus gelegen. „Nur ich passte als Spenderin“, erzählt Lauenroth.

Barber kann dank ihrer weitgehend geheilt werden und möchte nun seine Lebensretterin kennenlernen. Im Juni dieses Jahres macht diese sich gemeinsam mit ihrem Freund auf den Weg in die Nähe von Toronto nach Kanada. „Komisch“ sei die Ankunft für Lauenroth zunächst gewesen, aber dann habe sie sich schnell „wie zu Hause“ gefühlt. Mit einem Blumenstrauß habe Barber sie empfangen, seine Frau mit einem Fotoapparat in der Hand. „Barber und seine Familie haben sich so viel Mühe gegeben, weil sie so dankbar sind.“

Seit einem Monat kann Barber wieder ohne Tabletten leben. Mehr oder minder schmunzelnd habe er feststellen müssen, dass er seit der Transplantation viel mehr große Moskitostiche auf seiner Haut hat – so wie sie Lauenroth während ihres Aufenthalts in Kanada auch gehabt hat. „Ich bin trotz allem keine Heldin“, betont sie. „Das ist alles keine große Sache, wenn man dann sieht, wie glücklich man damit eine Familie macht. Ich würde das immer wieder machen. Das ist so einfach.“ Für sie geht nun wie gewohnt die Arbeit als Arzthelferin weiter, mittlerweile in der Onkologie in Hamburg. Barber und seine Frau wollen Lauenroths Familie dann 2016 in Deutschland besuchen. „Aber vorher werden sie erst noch Großeltern“, verrät Lauenroth.