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Sprache das größte Problem Mehr Flüchtlinge kaufen bei der Lingener Tafel

Von Wilfried Roggendorf | 28.08.2015, 19:48 Uhr

Zu den Kunden der Lingener Tafel und ihren Ausgabestellen in Freren und Spelle gehören auch Flüchtlinge – „Tendenz leicht steigend“, wie Edeltraut Graeßner, Vorsitzende der Lingener Tafel, erklärt.

Um bei der Lingener Tafel einkaufen zu dürfen, müssen die Kunden ihre Bedürftigkeit mit einem Bescheid nachweisen. Tafel-Mitarbeiterin Sabine Hantke-Singh präsentiert die Zahlen: Von mit Stand 27. August 1466 durch die Hauptstelle in Lingen versorgten Haushalten haben 345 eine Bescheinigung nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz vorgelegt.“ In 19 Haushalten lebten Menschen mit einer Duldung. „Zusammen ergibt dies einen Anteil von 24,8 Prozent.“ Innerhalb der letzten zwei Monaten ist dieser Anteil um ein Prozent gestiegen. In der Ausgabestelle Spelle beträgt der Anteil der Asylbewerber mit aktuell 96 Haushalten 35 Prozent (30. Juni: 32,1 Prozent) und in Freren bei 66 Haushalten konstant 40,8 Prozent.

Hinter den Zahlen stehen immer Menschen

Doch hinter diesen Zahlen stehen immer Menschen und ihre Schicksale. Diese lernt Ingrid Hartmann vom Vorstand der Tafel kennen, wenn sie an der Kasse sitzt: „Subjektiv entsteht der Eindruck, der Anteil der Flüchtlinge wäre höher, als er tatsächlich ist“, berichtet sie. Dies sei so, weil die Tafelmitarbeiter sich aus verschiedenen Gründen intensiver mit ihnen als mit anderen Kunden beschäftigen müssten. Viele würden bestimmte Produkte nicht kennen und auch die Verständigung sei häufig ein Problem: „Dann fragt auch schon einmal ein Kunde, was eigentlich Mozarella sei, und das ganze auch noch auf arabisch.“

Graeßner erklärt ein weiteres Problem: „Anfangs verstehen viele Flüchtlinge das Prinzip der Tafel nicht. Dass nicht jeder jedes Produkt kaufen kann und das nicht beliebige Mengen abgegeben werden, führt manchmal zu Missverständnissen.“ Aber Hartmann und ihre Kolleginnen wissen sich zu helfen: „Dann schauen wir zu, dass wir das alles mit Händen und Füßen irgendwie erklärt bekommen.“

Kinder stehen oft in der Verantwortung

Oft kämen die Flüchtlinge in größeren Gruppen zum Einkaufen. Einen Vorteil hat dies, sagt Hartmann: „Einer aus der Gruppe spricht dann manchmal Deutsch, Englisch oder Französisch und kann für den Rest übersetzen.“ Aber auch, wenn Familien einkaufen kämen, klappe die Verständigung manchmal besser: „Es sind die kleinen Kinder, die oft besser Deutsch sprechen als ihre Eltern. Die tragen dann beim Einkauf die ganze Verantwortung.“

Gerne würde die Tafel Flüchtlinge als ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen. Aber ohne Sprachkenntnisse geht dies nicht. Graeßner fordert: „Für die Flüchtlinge muss es Sprachunterricht geben, auch bevor sie nach einer Anerkennung offiziell Anspruch auf einen Deutschkurs bei der VHS haben.“

Keine Einschränkungen in der Versorgung

Ein Problem gibt es bei der Lingener Tafel nicht: „Es gibt wegen des steigenden Anteils der Flüchtlinge keinerlei Schmälerung der Einkaufsmöglichkeiten für alle anderen Kunden“, versichert Graeßner. Rund 190 Lieferanten der Tafel von Lathen bis Spelle hätten hieran einen großen Anteil.