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Spezialfirma knackt Handy Angeklagter Geldfälscher kritisiert Polizei Lingen

Von Sven Lampe | 24.08.2017, 18:31 Uhr

Der Prozess gegen zwei Männer aus dem Emsland, die in Lingen und der Grafschaft falsche 50-Euro-Noten produziert haben sollen, neigt sich langsam dem Ende entgegen. Am Donnerstag vermittelte ein Bericht vor dem Landgericht Osnabrück über die polizeiliche Auswertung eines Mobiltelefons einen Eindruck, wie gläsern die Gesellschaft mittlerweile ist.

Die ihnen von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegten Vorwürfe in Sachen Falschgeld haben die beiden Mittzwanziger im Wesentlichen gestanden. Zahlreiche offene Fragen gibt es allerdings noch hinsichtlich einer Drogenplantage. Eine solche war im Obergeschoss einer Scheune in der Grafschaft Bentheim entdeckt worden, deren Erdgeschoss die beiden Angeklagten als Fälscherwerkstatt genutzt hatten.

Drogenanbau

Der Angeklagte A. hatte angegeben, von der Plantage zwar gewusst zu haben, will aber mit ihrem Betrieb nichts zu tun gehabt haben. Er habe den Raum lediglich an eine andere Person vermietet. Diese Aussage nimmt ihm Staatsanwaltschaft jedoch nicht ab. Ähnlich wie der Angeklagte A. argumentiert der Angeklagte B. Ihm hat die Staatsanwaltschaft bislang abgenommen, dass er zwar vom Drogenanbau gewusst habe, aber nicht darin verwickelt gewesen sein will.

Spezialfirma

Beweise für die Verwicklung in den Drogenanbau des A. sollte die Auswertung von Daten mehrerer Mobiltelefone des Angeklagten liefern. Erschwert wurde dies, da eines der Telefone gegen den Zugriff von Unbefugten gesichert war. Nachdem das Passwort nicht aus dem Angeklagten herauszubekommen war, entschied sich die Anklage dazu, das Gerät durch eine israelische Spezialfirma entsperren zu lassen.

Detailreiche Erörterung

An den am Donnerstag detailreich erörterten Daten, die auf dem Telefon sichergestellt wurden, lässt sich auf die Sekunde genau quasi jede Aktion nachvollziehen, die jemals auf dem Telefon stattgefunden hat. Ganz egal, ob es sich um Anrufe handelt, um Fotos, E-Mails oder Notizen — alles ist nachvollziehbar, einschließlich Kommunikationspartner, Telefonnummern und der genauen Position.

Belastendes Material

Der Angeklagte A. ließ am Donnerstag den Eindruck aufkommen, dass er den Angaben der Ermittler nicht glaube. Vielmehr ließ er den Vorwurf durchblicken, dass die Polizei nach seiner Festnahme belastendes Material auf sein Mobiltelefon abgespeichert habe. Diesem Vorwurf sowie weiteren Fragen zu Mobilfunkdaten, die auf dem von der Polizei in Lingen sichergestellten Telefon gespeichert sind, soll die Staatsanwaltschaft nun zeitnah nachgehen. Die präsentierten Daten werfen darüber hinaus einen leichten Schatten auf die Aussagen des Angeklagten B., er habe mit den Drogen überhaupt nichts zu getan gehabt.