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Schuldnerberatung des SKM Lingen Das Konto im Minus, die Hochzeit geplatzt

Von Caroline Theiling | 27.12.2015, 19:30 Uhr

„Ich habe nie gelernt, mit Geld umzugehen.“ Der Satz kommt Max Schreiber* heute leicht über die Lippen. Vor rund 18 Monaten sah das noch ganz anders aus. Da hatte der 40-Jährige eigentlich seine langjährige Verlobte heiraten wollen, musste ihr jedoch kleinlaut „beichten“, dass er sich eine Hochzeitsfeier finanziell gar nicht leisten konnte, er bei genauerem Hinsehen sogar knapp vor der Privatinsolvenz stand.

„Geld war bei uns nie ein Thema. Wenn das Portemonnaie leer war, ging ich zum Automaten und holte neues,“ erzählt Max von seiner Art, in den zurückliegenden rund zehn Jahren sein Leben zu gestalten. Kontoauszüge habe er nie angeschaut. Falls „verdächtige“ Briefe ins Haus kamen, habe er sie stets versteckt.

Bank gewechselt

„Als dann der Dispo überschritten war, wurde mir von der Bank ein Kredit angeboten, den ich gerne, natürlich ohne nachzudenken, annahm.“ Dass er damit noch weiter in die „Schuldenfalle“ tappen würde, war ihm damals nicht klar. Etwas später reichte abermals der Dispokredit nicht aus, um die laufenden Ausgaben zu decken. Wieder gab es einen Kredit von der Hausbank. Als dann erneut das Limit überschritten war, wechselte Max die Bank. „Auch dort bekam ich einen Dispokredit eingeräumt, der deutlich höher war, als mein monatliches Einkommen“, wundert er sich noch heute über das Geschäftsgebaren der Bank.

Als dann der Termin mit der Hochzeit immer näher rückte, kam das „ganze Dilemma“ ans Licht. „Ich dachte schon, jetzt verliere ich alles,“ erzählt Schreiber. Sein Vater brachte ihn schließlich auf die Idee, mit dem SKM in Kontakt zu treten. „Da kann dir bestimmt geholfen werden,“ machte er seinem Sohn Hoffnung. „Bevor ich das erste Mal die Räume an der Lindenstraße betrat, war mir das noch richtig peinlich. Ich dachte nur, ‚hoffentlich sieht mich keiner‘,“ erinnert sich der 40-Jährige an das erste Treffen mit Schuldnerberater Dieter Zapf. Heute ist er froh, diesen Schritt getan zu haben. Das liegt nun rund anderthalb Jahre zurück.

Disziplin ist wichtig

In dieser Zeit stand ihm neben Zapf Wolfgang Kaiser zur Seite, der ehrenamtlich beim SKM mitarbeitet. Eine Zeit, in der entscheidende Weichen für seine Zukunft gestellt wurden. Ein „Finanzcheck“ ergab, dass eine private Insolvenz abgewendet werden kann, da Schreiber Vollzeit berufstätig ist. Gemeinsam mit Kaiser wurde ein Plan entwickelt, wie man Ausgaben reduzieren und auch noch Schulden abbauen kann. Dabei ist ihm klar geworden: „Ich habe eigentlich nie große Anschaffungen gemacht, aber dennoch mehr ausgegeben, als ich eingenommen habe. Es war ja so einfach. Das Geld kam ja aus der Wand.“

Ein Haushaltsbuch hat Schreiber geholfen, einen Überblick über die Ausgaben zu behalten. „Dabei wurde jeder Cent notiert. Sogar beim Bäcker habe ich mir einen Kassenbon geben lassen, damit ich den Betrag später eintragen konnte.“ In so einer Lebensphase sei „eiserne Disziplin“ sehr wichtig, erklärt Dieter Zapf. Und die „Kunst, das auszuhalten“.

Regelmäßige Gespräche

Dazu gehören neben dem Haushaltsbuch auch der Umgang mit den Freunden. „Während ich früher immer mit ihnen um die Häuser gezogen bin, musste ich jetzt häufiger sagen: Wenn ich heute mitgehe, kann ich morgen nicht mehr genug für mich einkaufen.“ Schreiber ist froh, dass er durch die regelmäßigen Gespräche mit Wolfgang Kaiser auch das gelernt hat. „Wer wenig Geld zur Verfügung hat, lernt wieder, Dinge mehr wertzuschätzen,“ spricht Zapf eine langjährige Erfahrung an, die Schreiber nur bestätigen kann. „Ich genieße alles anders als früher.“

Ein Rückhalt war in dieser Zeit seine Freundin, die zu ihm gehalten hat, obwohl sie zwischenzeitlich räumlich getrennt waren. Jetzt leben die beiden wieder zusammen und besprechen die Ausgaben gemeinsam. „Heute freue ich mich fast, wenn ich ihr die Kontoauszüge zeige, die nicht mehr im Minus sind.“ Einen Dispokredit hat Max Schreiber heute nicht mehr. Dafür aber ein großes Plus an Selbstwert und Lebensqualität.

* Name von der Redaktion geändert

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