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Schulausschuss tagte Flüchtlingszahlen wirken sich auf Lingener Schulen aus

Von Thomas Pertz | 03.12.2015, 18:58 Uhr

Die wachsende Zahl von Flüchtlingskindern in Lingen hat auch Auswirkungen auf die Schulen in der Stadt. Der Schulausschuss hat die Verwaltung beauftragt, auf eine gleichmäßigere Verteilung der Flüchtlingskinder hinzuwirken und in diesem Sinne auch Gespräche mit den Schulträgern zu führen.

Nach intensiver Diskussion kam der Ausschuss außerdem überein, der Marienschule über die derzeitige 30 Prozent-Quote hinaus die Aufnahme nichtkatholischer Schüler zu ermöglichen, um mehr Kinder mit Migrationshintergrund aufnehmen zu können.

Die Marienschule gehört zu den sogenannten „Konkordats-Schulen“ in Niedersachsen. Dem Schulgesetz zufolge darf der Anteil von Schülern, die nichtkatholischen Glaubens sind, 30 Prozent nicht überschreiten. Insgesamt werden dort zurzeit rund 600 Kinder beschult. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund in den Klassen 5 und 6 beträgt derzeit nach Angaben der Schule 28,4 Prozent. Eine weitere Aufnahme von nichtkatholischen Kindern – darunter fallen die meisten Flüchtlinge – sei deshalb nicht möglich. Da die Marienschule aber ihren Beitrag dazu leisten will, hat die Schulstiftung des Bistums Osnabrück als Träger in einem Brief an Lingens Schuldezernent Stefan Altmeppen vorgeschlagen, die Quote auf 40 Prozent zu erhöhen. Der örtliche kommunale Schulträger, hier die Stadt Lingen, muss dazu sein Einvernehmen erklären.

Wie sieht die Situation an den anderen weiterführenden Schulen aus? Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann erläuterte, dass sich an der Friedensschule – Träger ist die Stadt Lingen – derzeit 39 Kinder in zwei Sprachlernklassen. Insgesamt würden an der Haupt- und Realschule 53 Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund unterrichtet. 16 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden sich in einer weiteren Lerngruppe an der Marienschule. Vereinzelte Kinder mit Migrationshintergrund sind an der Gesamtschule und in den Gymnasien Georgianum und Franziskus.

Diesen Umstand kritisierte die Leiterin der Friedensschule, Ulla Maaß-Brüggemann. An ihre Schulleiter-Kollegen gewandt, betonte sie, dass auch dort Sprachlernklassen eingerichtet werden könnten. „Wir haben zwei Sprachlernklassen, davon eine ausschließlich mit Analphabeten“, beschrieb sie die Situation. Notwendig seien eigentlich vier Sprachlernklassen. Die Friedenschule habe außerdem die meisten Inklusionsschüler. „Wenn sich die Dinge weiter so entwickeln, werden wir deutlich benachteiligt.“

Martin Weber, Leiter der Gesamtschule, entgegnete, dass die Schule zurzeit keine Klassenräume mehr frei habe – eine Äußerung, die Maaß-Brüggemann so nicht stehen lassen wollte. „Wir haben auch nichts übrig an Räumen und machen es trotzdem“. Was die gerechtere Aufteilung von Flüchtlingen anbelangt, seien die Schulen ebenso in der Pflicht wie die Stadt und ihre Ortsteile, sagte Uwe Dietrich (CDU).

„Unsere Schule wird selbstverständlich ihren Anteil leisten“, unterstrich der Leiter des Georgianums, Manfred Heuer. Dies gelte auch für das Franziskusgymnasium, ergänzte sein Kollege Heinz-Michael Klumparendt. „Wir werden die Situation gemeinsam meistern“. Auch von der Gesamtschule seien vor der Sitzung ähnliche Signale gekommen, sagte Fachbereichsleiterin Sollmann auf Nachfrage.

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