Ein Artikel der Redaktion

Russische Aufführungwar zu textlastig „Der goldene Schlüssel“ stolperte in Lingen über Sprachbarriere

23.09.2011, 13:23 Uhr

Er ist doch wahrhaftig unverwüstlich, der alte Kasper, diese witzige, prügelnde, stets die Oberhand behaltende Puppe, die in keinem Stück der fahrenden Puppenspieler seit dem 19. Jahrhundert gefehlt hat. Und er ist international. Der Kasper gehört auch zum Repertoire der russischen Gruppe „Der goldene Schlüssel“, die das Stück „Kasperle oder die Abenteuer von Pjotr Iwanowitsch Uksusow“ auf dem Marktplatz spielte.

Ganz klassisch kommen die Puppenspieler zu den Menschen. Sie treten aus dem Theaterzelt auf den Platz, wo die Zuschauer erwartungsvoll die aufgestellten Bänke besetzen oder stehend das Geschehen verfolgen. Sie werden von der Erzählerin und Mitspielerin Kapitolina eingestimmt, bevor der Puppenspieler mit einer tragbaren Bühne herauskommt und das Stück beginnt. Der russische Kasper erlebt Abenteuer, die ihren Ursprung in der russischen Geschichte haben. Er soll zum Militär eingezogen werden und versucht sich davor zu drücken. Heirat ist eine Möglichkeit, und Kapitolina macht sich Hoffnungen. Doch Kasper zieht ihr die schöne Matrjona vor.

In der Geschichte treten viele Figuren auf, die mit Kasper in Konflikt geraten: Matrjona, ein Zigeuner, ein Pferd, ein Arzt, ein Hund, ein Fisch und der Tod. Es wird geprügelt, getreten und gebissen, allerdings bleibt den meisten Zuschauern der Sinn verborgen. Denn die meisterhaft agierenden Spieler sprechen Russisch, das Stück ist sehr textlastig, und das Verhalten der Figuren allein hilft beim Verständnis des Inhalts nicht weiter.

Kapitolina schafft es zwar, das Publikum immer wieder zum Klatschen, Singen und Rufen zu animieren, aber viele Zuschauer verlassen ihre Plätze vor dem Ende der Aufführung. Schade, denn die Theatergruppe hat mit „Omas Märchen“ bewiesen, dass sie Stücke in ihrem Repertoire hat, die keine Sprachbarrieren kennen und das Publikum mitreißen.