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Rennrad statt Rollstuhl Besis Lebensgeschichte im Lingener Kino

Von Carsten van Bevern | 06.06.2016, 08:30 Uhr

Andreas Beseler („Besi“) hat Multiple Sklerose (MS) und saß schon im Rollstuhl. Aber er kämpft, setzt sich aufs Rennrad und fährt jeden Tag unzählige Kilometer. Am Dienstag, 7. Juni zeigt das Centralkino in Lingen Besis aufmunternde verfilmte Geschichte „Die Tour fürs Leben“. Moderiert wird der Abend vom Lingener Extremradsportler Ulli Brinker, der ab dem 19. Juni mit Besi an zwölf Tagen 1709 Kilometer nach St. Tropez „radeln“ wird.

„Es ist mir gelungen, mithilfe des Fahrrads dem scheinbar unvermeidbaren Schicksal „Rollstuhl“ zu entkommen, und ich bin darüber unendlich glücklich“, erklärt Besi zu seiner Geschichte . 2013 ist er 3.835 Kilometer mit dem Rennrad durch Kanada gefahren, um anderen Erkrankten Mut zu machen – der Erlös von 26.248,68 Euro ging vollständig an die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung, die sich für MS-Kranke in Not einsetzt.

2014 gab es schließlich die erste „Besi & Friends“-Tour: Mit knapp 40 Mann ging es im Juni 2014 mit dem Rad von Frankfurt am Main nach Barcelona. Jeder – mit und ohne Handicap – war eingeladen, sich der Tour anzuschließen. Unglaubliche 3402 Kilometer wurden dabei in zwölf Etappen bewältigt. Am Ende gingen 55.555 Euro an die Nathalie-Todenhäufer-Stiftung.

Nach einem Jahr Pause geht die „Besi & Friends“-Tour in diesem Jahr in die zweite Runde. Auf zwölf Etappen wird es ab dem 19. Juni von Jügesheim in Hessen nach St. Tropez in Frankreich gehen. 1709 Kilometer und 27.700 Höhenmeter werden von den 74 Teilnehmern dabei zu bewältigen sein. Und der Lingener Radsportler Ulli Brinker , der schon viele extreme Touren angegangen und bewältigt hat, wird mit dabei sein. Mehr als 100 Radmarathons mit jeweils einer Mindestdistanz von 200 Kilometers oder auch die Dreifachbefahrung des Mount Ventoux mit 4443 bewältigten Höhenmetern an einem Tag stehen inzwischen in seinem Radlertagebuch . Jüngst hat es ihn auf dem Rhön-Marathon (200 Kilometer und 3200 Höhenmeter) noch einmal „kalt erwischt“: Drei Grad zeigte das Thermometer beim Start. „Unterwegs auf der Wasserkuppe auf 913 Metern und der Hochrhönstraße Schnee, Schneegraupel, Schneegriesel und Wind, dazu Temperaturen um die 0 Grad“, erinnert er sich. Eine ganz neue Erfahrung für ihn war anschließend ein 330-Kilometer-Marathon rund um Seen in Mecklenburg – zum ersten Mal als Nachttour. Anwesend dabei waren neben der Besi Truppe, noch der Sohn des Gründers der Vättern-Rundfahrt aus Schweden als größtes Breitensportevent der Welt sowie Radprofi Olaf Ludwig, Olympiasieger im Einzelfahren 1988, dreimaliger Etappensieger der Tour de France sowie Gesamtsieger des Rad-Weltcups. Und Didi Senft, der aus Sicht der Radsportfans zur Tour de France gehört wie das Gelbe Trikot und L’Alpe d‘ Huez – seit 1993 hatte Didi im Teufelskostüm und mit Dreizack die Profis am Streckenrand begleitet.

Doch vor seinem Start in Richtung St. Tropez wird Ulli Brinker am Dienstag, 7. Juni, um 20 Uhr noch die bewegende und aufmunternde Dokumentation „Die Tour fürs Leben“ im Lingener Centralkino anmoderieren. „Dadurch möchte Besi anderen Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen Mut machen und Hoffnung geben“, freut sich Brinker schon auf diesen besonderen Kinoabend.