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Qualifizierung bei der KEB Bereits 150 „Tagesmütter“ im südlichen Emsland ausgebildet

Von Thomas Pertz | 19.06.2018, 14:18 Uhr

Die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) und die Stadt Lingen bieten seit fast 20 Jahren Qualifizierungskurse für „Tagesmütter“ und -„väter“ an. „Vor nunmehr zehn Jahren sind wir in das Bundesprogramm für Kindertagespflege eingestiegen“, betonte Gisela Bolmer von der KEB in einem Gespräch mit der Redaktion.

Weitere Teilnehmer waren ihre Kollegin Carla Botterschulte sowie Horst Flachmann vom Fachdienst Jugendarbeit der Stadt Lingen. Der 160 Unterrichtsstunden umfassende Kurs mit einem bundesweit anerkannten Zertifikat gilt als ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung der Kindertagespflege. Diese bietet den Worten von Bolmer zufolge eine Reihe von Vorteilen, insbesondere durch die hohe Flexibilität in der zeitlichen Ausgestaltung. In der Regel erfolgt die Betreuung in der Wohnung der Tagespflegeperson, die in den meisten Fällen weiblich ist, dies aber natürlich nicht sein muss. Für diese Aufgabe werden regelmäßig Frauen und Männer aller Altgersgruppen von der KEB qualifiziert, die zusammen mit den eigenen Kindern (oder Enkeln) die Betreuung der Kinder anderer berufstätiger Eltern übernehmen.

Ein eigenständiges Angebot

„Die Tagespflege ist keine Alternative zur Kindertagesstätte, sondern ein eigenständiges Angebot“, machte Horst Flachmann deutlich. Es seien vor allem die familienähnlichen Strukturen, die das Besondere dieses Angebotes für Kleinkinder bis zu drei Jahren ausmachen würden, erläuterte Botterschulte. Eine Gruppe in der Tagespflege besteht aus maximal fünf Jungen und Mädchen.

Bolmer wies darauf hin, dass im Zeitraum von zehn Jahren, in dem die Qualifizierungskurse stattgefunden haben, bislang 150 Tagesmütter in Lingen und im südlichen Emsland ausgebildet worden sind. „Diese Qualifizierung war notwendig“, ergänzte Flachmann. Eltern würden sich mitunter schwer damit tun, ihr Kind in die Obhut einer fremden Person abzugeben. Da sei es wichtig, zu wissen, dass diese professionell in der Lage sei, das Kind entsprechende zu betreuen und zu fördern.

Flachmann verwies darauf, dass die Tagespflege innerhalb des bestehenden Betreuungsangebotes in Lingen eine wichtige Ergänzung darstelle. In der Regel würden von Eltern die Krippenplätze angefragt. Hier gebe es aber große Probleme wegen des Andrangs. „Es gibt aber auch Eltern, die sich wegen der häuslichen Atmosphäre, oder weil sie das Angebot nur an einem oder zwei Tagen in der Woche benötigen, ganz bewusst für eine Tagespflege entscheiden“, sagte Flachmann. Nach seinen Angaben werden derzeit in Lingen 92 Jungen und Mädchen in der Tagespflege von 27 Tagesmüttern betreut. Daneben gibt es in Lingen die Großtagespflegestelle „Mondscheinland“.

Stundenlohn pro Kind

Die Bezahlung der Tagesmuter erfolgt über einen Stundenlohn pro Kind. Aktuell bezuschusst die Stadt diesen Stundenlohn mit 3,90 Euro. Die Höhe hat in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen in den politischen Gremien geführt. „Wir müssen in diesem Bereich nachsteuern“, sagte Flachmann in dem Gespräch. Bei der Kindertagespflege ist zu unterscheiden zwischen frei vereinbarten Stundensätzen, die Eltern mit qualifizierten Tagesmüttern treffen und die höher als 3,90 Euro pro Stunde liegen können, oder solchen Fällen, in denen die Kommune die Tagespflegeperson vermittelt. Dies ist zum Beispiel in den Familienzentren der Fall, wo Tagespflegekräfte in zunehmendem Maße eingesetzt werden, um besondere Betreuungswünsche außerhalb der Gruppenstunden abzufedern. Die Tagespflegeperson erhält das Geld vom Träger der öffentlichen Jugendhilfe, der die Eltern an den Kosten beteiligt.

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