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Prozess um Tod am Schwarzen Weg Anklage: Kein gemeinschaftlicher Mord in Lingen

Von Sven Lampe | 06.06.2018, 21:30 Uhr

Im Prozess gegen zwei Männer, die im September 2017 am Schwarzen Weg in Lingen einen 19-Jährigen getötet haben sollen, ist die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Osnabrück vom Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes abgerückt.

Osnabrück/Lingen Nach Abschluss der Beweisaufnahme geht die Anklage vielmehr davon aus, dass der 38-jährige Hauptangeklagte allein für den Tod des 19-jährigen Opfers verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft geht bei dem 38-Jährigen von einer verminderte Schuldfähigkeit aus und fordert daher eine Haftstrafe von 14 Jahren sowie eine Alkohol- und Drogentherapie. Ohne diesen Rechtsansatz hätte ihm eine Verurteilung wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, sprich mindestens 15 Jahren gedroht.

Abhängig von harten Drogen

Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihrer Einschätzung auf die Aussage eines Sachverständigen, der dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit infolge seiner starken Abhängigkeit von Betäubungsmitteln wie Heroin, Amphetaminen, Ecstasy und Cannabis sowie Alkohol und zusätzlich eine Depression attestiert hatte. Im Fall des 21-jährigen Mitangeklagten hat die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens nach § 154 der Strafprozessordnung beantragt. Die Anklage geht davon aus, dass der 21-Jährige weder aktiv an der als Mord angeklagten Tat beteiligt war und sich auch durch keine schwerwiegende Tat wie beispielsweise Beihilfe strafbar gemacht hat. Darüber hinaus muss er eine dreijährige Haftstrafe wegen eines anderen Deliktes absitzen, dessen Schwere die jetzt angeklagte Tat übersteigt. In einem solchen Fall sieht das Gesetz die Möglichkeit vor, ein Verfahren einzustellen.

„Rasende Wut“

Der Verteidiger des Hauptangeklagten versuchte in seinem Plädoyer, seinen Mandaten aus der Verantwortung zu nehmen und schob die Tötung allein auf den Mitangeklagten. Die Aussagen der beiden Angeklagten unterscheiden sich in wesentlichen Punkten erheblich. Der Hauptangeklagte, der sich erst gegen Ende des Prozesses zum Geschehen ausgesagt hatte, will gemeinsam mit den beiden anderen in das Waldstück am Schwarzen Weg gegangen sein, um das Opfer zu berauben. Dort soll es nach seiner Version zu einem Streit zwischen den dem Mitangeklagten und dem Opfer gekommen sein. Im Zuge einer Rangelei will der 38-Jährige einen Schlag des 19-Jährigen abbekommen haben. Daraufhin habe er „in rasender Wut“ mit einer Flasche gegen den Kopf des Opfers geschlagen und dann allein den Ort des Geschehens verlassen. Kurz darauf sei der Mitangeklagte wieder erschienen... Vor diesem Hintergrund gepaart mit der starken Drogenabhängigkeit plädiert die Verteidigung des 38-Jährigen auf eine Verurteilung zu einer Haftstrafe von sechs Jahren wegen Raubes mit Todesfolge. Für den Fall, dass das Landgericht ihn wegen Mordes verurteilt, sprach sich der Verteidiger aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit zu einer Haftstrafe von neun Jahren und der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik aus.

Freispruch

Die Verteidigerin des mitangeklagten 21-Jährigen plädierte dafür, ihren Mandaten freizusprechen. Er hatte zu Prozessbeginn ausgesagt und jegliche Beteiligung an der Tötung bestritten. Zwar habe er dem 38-Jährigen nach der Tat dabei geholfen, die Leiche des Opfers zu verscharren. Das sei aber nur geschehen, weil er erlebt haben will, wie der andere kaltblütig getötet habe und er Angst gehabt habe, das nächste Opfer zu werden. Das Urteil soll am 19. Juni verkündet werden.