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Persönlichkeitsstörung? Lingen: Gutachter prüft Schuldfähigkeit einer Diebin

Von Anne Bremenkamp | 24.06.2016, 09:21 Uhr

Das Strafverfahren gegen eine 19-Jährige wegen dreifachen Diebstahls vor dem Amtsgericht Lingen wird ausgesetzt, weil bei ihr in der Vergangenheit eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden war. Nun soll auf Antrag der Verteidigung ein Gutachter ihre Schuldfähigkeit prüfen.

Die Hauptverhandlung beschäftigt das Jugendschöffengericht, weil die mehrfach einschlägig Vorbestrafte während der angeklagten Taten unter laufender Bewährung stand. Zuletzt war sie unter anderem wegen Hausfriedensbruch und Diebstählen in mehreren Fällen sowie Betäubungsmitteldelikten zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Zwei weitere Strafverfahren sind zudem anhängig, eine knappe Woche vor der jetzt stattgefundenen Verhandlung hatte die 19-Jährige eine Dose Tabak geklaut.

Jacken und Handtasche gestohlen

Die Angeklagte gab zu, in einer Novembernacht 2015 in der Lingener Innenstadt eine Handtasche mit darin befindlicher Geldbörse gestohlen zu haben, als die Besitzerin diese kurzzeitig auf einer Bank abgestellt hatte. Mit dem erbeuteten Bargeld in Höhe von fünf Euro wollte sich die Angeklagte Alkohol kaufen. Ebenfalls gestand sie, im Winter 2015 in einem Laden einen Anorak im Wert von fast 70 Euro gestohlen zu haben und im Frühjahr 2016 im selben Geschäft eine reduzierte Jacke im Wert von knapp zehn Euro. Den zuvor gestohlenen Anorak ließ sie bei der Gelegenheit wieder im Laden zurück.

Sorgerecht für Kind entzogen

Sie habe die Taten aus Verzweiflung heraus begangen, betonte die junge Mutter, deren Kind in einer Pflegefamilie aufwächst, weil das Familiengericht ihr das Sorgerecht entzogen hat. Eine psychiatrische Gutachterin hatte zuvor festgestellt, dass die 19-jährige derzeit nicht in der Lage ist, das Sorgerecht für ihr Kind auszuüben. In dem bereits vor anderthalb Jahren verfassten und vor Gericht jetzt verlesenen Gutachten hieß es sinngemäß, dass aufgrund einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung eine Psychotherapie mit ambulanten und stationären Modulen unentbehrlich sei.

Zwei Jahre „Chaos pur“

Bereits mit 15 Jahren hat die heute 19-jährige ihr Elternhaus verlassen und seitdem nicht selten auf der Straße gelebt. Zu ihrer Familie hat sie keinen Kontakt. Ihr Bewährungshelfer beschrieb die letzten zwei Jahre der Angeklagten als „Chaos pur“, es sei erstaunlich, dass sie sich dennoch noch verhältnismäßig gut an der Stange halte. Zahlreiche Qualifizierungsangebote und Interventionsmaßnahmen der Jugendhilfe seien gescheitert, die 19-jährige zeige keinerlei Durchhaltevermögen. Derzeit könne keine positive Sozialprognose gestellt werden.

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