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Parteien üben Kritik an Firma 25000 Euro mehr aus Lingen für ExperConsult

Von Burkhard Müller | 24.03.2014, 19:57 Uhr

Bei vier Gegenstimmen vonseiten der SPD, der Grünen, der Liberalen Fraktion und der Bürgernahen haben die CDU-Mitglieder des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses (WGA) der Stadt Lingen dem Unternehmen ExperConsult Wirtschaftsförderung & Investitionen GmbH eine Honorarerhöhung um 25000 Euro für das laufende Jahr und 2015 zugebilligt.

Damit bekommt das Dortmunder Unternehmen, das den Auftrag einer erweiterten zielgruppenorientierten Vermarktung des Industrieparks Süd innehat, insgesamt 75000 Euro – auch im Jahr 2015.

Nach Angaben der Verwaltung arbeitet die Stadt seit mittlerweile zehn Jahren erfolgreich mit dem Beratungshaus zusammen. Allein in den letzten drei Jahren hätten 13 Ansiedlungsanfragen mit einem Investitionsvolumen von 663 Millionen Euro generiert werden können. Der Industriepark behaupte sich bei diesen Anfragen im Wettbewerb gegen andere deutsche, aber auch europäische Angebote und habe sich unter den letzten zur Auswahl stehenden europäischen Standorten bei den Investoren etabliert. Diese Vermarktung gelte es nun fortzusetzen und zu verstärken.

Im Hinblick auf die politisch gewollte Schließung des RWE-Kernkraftwerkes Emsland (KKE) in 2022 sei es das Ziel, Lingen im Verlauf der Energiewende auch weiterhin als „Energy-Valley“ überregional zu präsentieren. Die unternehmerischen Innovations- und Wettbewerbsfähigkeiten sollten gestärkt und die durch die Energiewende betroffenen Unternehmen unterstützt werden. Dafür entstehe ein zusätzlicher finanzieller Aufwand, der über die Erhöhung des Honorars abgefangen werden solle.

Jörg Lennardt, Geschäftsführer ExperConsult, erklärte den Mitgliedern des Ausschusses, dass in Lingen ein Energie-Kompetenzzentrum errichtet werden solle, um sich den zukünftigen Aufgaben stellen zu können. Lennardt machte zudem darauf aufmerksam, dass in den Hochschulen in und um Lingen eine Menge Wissen „produziert“ werde. Ziel des Kompetenzzentrums sei es, dieses Wissen am Standort zu halten, es direkt in die Unternehmen zu transferieren und die Gründung neuer Unternehmen zu unterstützen.

Aber auch der Kontakt zu den Konzernzentralen wie RWE, Areva und BP sei für die Vermarktung des Industrieparks wichtig. Hier könne ExperConsult auf das vom Oberbürgermeister bereits aufgebaute Netzwerk zurückgreifen und darauf aufbauen. Die Gespräche würden von ExperConsult geführt, wobei der OB regelmäßig zu den „Highlight“-Gesprächen eingeladen werde.

„Keinen durchschlagenden Erfolg“ bei der Vermarktung des Industrieparks Lingen-Süd attestierte Michael Fuest (Grüne) dem Geschäftsführer von ExperConsult. „Wo sind denn die neuen Ansiedlungen? Ich sehe hier keinen Durchbruch.“

Leicht „angefressen“ erklärte dazu der Dortmunder, dass etwa die Dralon-Werke nur deshalb jetzt selbst Carbon produzieren wollten, weil zuvor interessierte Japaner abgesprungen seien. „Und bei dieser Ansiedlung der Japaner waren wir dabei – leider ist der Vertrag geplatzt“, erläuterte Lennardt und fragte: „Wollen Sie die Vermarktung alleine bestreiten? Von selbst wird der Park nicht volllaufen.“

Auch Edeltraut Graeßner, SPD, zeigte sich von der Arbeit des Beratungsbüros nicht angetan: „Ich bin schon seit Jahren nicht von Ihrer Arbeit überzeugt und frage mich, ob die Stadt nicht ein anderes Unternehmen mit der Arbeit betreuen sollte.“ Direkt an die Adresse von Lennardt merkte die Sozialdemokratin an, dass er sich in Sachen Dralon und Carbon „nicht mit fremden Federn schmücken“ sollte.

Für die Bürgernahen erklärte Atze Storm, dass man in das Dortmunder Unternehmen in den vergangenen Jahren rund eine halbe Million Euro investiert habe, aber kein Durchbruch zu sehen sei. „Wir sind dafür, dass es eine erfolgsabhängige Bezahlung geben muss.“

In die gleiche Kerbe schlug auch Jens Beeck, Liberale Fraktion. ExperConsult habe anscheinend eine Vielzahl von Unternehmensanfragen gehabt habe, aber: „Sie können aus den vergangenen zehn Jahren nicht eine einzige Ansiedlung vorweisen, die Sie vermittelt haben.“ Und deswegen sei es nicht nur falsch, an dem Unternehmen festzuhalten, sondern es sei zudem völlig irrwitzig, auch noch weitere 25000 Euro oben draufzusatteln.

Die CDU machte deutlich, dass die Stadt den Industriepark weiter vermarkten müsse, um den Anforderungen der Zukunft begegnen zu können – und stimmte für die Weiterführung des Vertrages zusätzlich besagter Honorarerhöhung.