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Mehr als zwei Kilogramm Lingener Anwalt soll Marihuana von Osnabrücker Staatsanwalt abholen

Von Wilfried Roggendorf | 28.06.2016, 19:02 Uhr

Zwei Kilogramm Marihuana soll ein Lingener Rechtsanwalt aus der Aservatenkammer der Staatsanwaltschaft Osnabrück abholen. Dazu hat ihn jedenfalls die Behörde aufgefordert.

Der Rechtsanwalt Robert Koop staunte nicht schlecht, als er den Brief der Osnabrücker Strafverfolger las: „In obigem Verfahren sind folgende sichergestellte Gegenstände [...] an Sie herauszugeben: ca. 2212,5 gr. Marihuana“, hatten die Strafverfolger aus der Hasestadt ins Emsland geschrieben.

„Ich habe mir gleich gedacht, dies kann nur ein Versehen sein“, meint Koop zu dem Schreiben und postet es in einem Blog , den er schon lange schreibt. „Der ist dann durch die Decke geknallt“, schmunzelt der Rechtsanwalt angesichts der von ihm erreichten Klickzahen.

Verwechslung beim Ausfüllen eines Formulars

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück findet die Geschichte nicht ganz so lustig, wie ihr Sprecher Christian Bagung erklärt. „Das ist eine Verwechselung“, sagt er. Es gebe eine Verwahrliste für sichergestellte Geldbeträge und eine Aservatenliste für sonstige Gegenstände. „Von einer Mitarbeiterin sind beim Ausfüllen eines Formulars die beiden Listen verwechselt worden“, begründet Bagung, wie es zu der doch seltsamen Aufforderung an Koop gekommen sei, die zwei Kilogramm Marihuana abzuholen.

Staatsanwalt: Rauschgift wäre nie herausgegeben worden

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass das Rauschgift niemals herausgegeben worden wäre. „Da gibt es Sicherheitsmechanismen.“ Mit der Mitarbeiterin, die das Schreiben verfasst habe, hätte es „ein Gespräch gegeben“, erklärt Bagung. „Wo Menschen arbeiten, passiert so etwas leider“, nimmt er die Justizbeamtin in Schutz.

Ein Blümchen für die Justizbeamtin

Koop, der mit seiner Veröffentlichung des Schreibens dafür gesorgt hat, dass die Staatsanwaltschaft Wind von ihrer eigenen Aufforderung bekommen hat, freut sich darüber, dass „denen das auch mal passiert“. Aber auch ihm tut die Justizbeamtin leid: „Ich werde ihr eine Blume für das Büro schenken“, verspricht der Rechtsanwalt. Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Natürlich im Wert unter der für Beamte geltenden Zuwendungsgrenze.“