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Originaler als das Original „Das Phantom der Oper“ kam im Lingener Theater gut an

Von Sebastian von Melle | 28.02.2019, 12:30 Uhr

"Das Phantom der Oper" im ausverkauften Lingener Theater: eine intelligente und humorvolle Dramaturgie technischer Raffinesse.

Deborah Sasson präsentierte ihr 2010 zusammen mit Jochen Sautter inszeniertes Musical nach Gaston Leroux' Roman „Le Fantôme de l'Opéra“. Wer hat nicht Andrew Lloyd Webbers Melodien von 1986 im Ohr, wenn er an die Geschichte des entstellten Erik in den Katakomben der Pariser Oper denkt? Das Original ist freilich 75 Jahre älter, und die Sasson bleibt näher an der Vorlage. Ihr facettenreicher Sopran brachte nicht weniger, aber auch nicht mehr als einen Hauch von Broadway an die Ems, besonders am Schluss bei der „Carmen“-Zugabe.

Zwischen Verstand und Herz

Die Solisitin Carlotta ist erkrankt, das Chormädchen Christine (wenig mädchenhaft: Deborah Sasson) springt ein. Sie singt „O mio babbino caro“ von Puccini so makellos, dass etwas nicht stimmen kann. Tut es auch nicht: Das Phantom (glänzend: Axel Olzinger) bringt Christine das Singen bei und erwartet als Gegenleistung ihre Hingabe. Christines Herz aber gehört Raoul, Graf de Chagny (routiniert: Jochen Sautter). Der neue Opernstar steht zerrissen zwischen ihrer Karriere und der großen Liebe. Die Rolle des mysteriösen Persers war mit dem im deutschen Sprachraum gefeierten Uwe Kröger besetzt.

Meet & Greet

Karin Winkeler und Verena Berling aus Löningen gehörten zu den Glücklichen, die über ein Newsportal Karten für die Produktion von Highlight Concerts gewonnen hatten. Zur Pause durften sie an einem Meet & Greet mit den Hauptdarstellern im Backstage-Bereich teilnehmen. Beeindruckt zeigten sich die beiden Musical-Fans sowohl von der aufwendigen Bühnentechnik als auch von der unkomplizierten Art der Stars, die gerne zu einem Erinnerungsfoto bereit waren.

Technische Professionalität

Zwölf weitere souverän agierende Darsteller in den Nebenrollen, ein unsichtbares, sauber intoniertes Orchester und eine geräuschlos versierte Crew sorgten für spannende und kurzweilige Momente zwischen Oper und Theater, Ernst und Ulk. Mancher Reim war an der Schmerzgrenze („Langsam wird uns bang, wir suchen den Ausgang“), manches Musikzitat („Dies irae“ oder Bachs d-Moll-Toccata) und viele Stücke aus Sassons Feder wirkten gefällig, aber insgesamt beeindruckte das Gastspiel durch Textsicherheit und technische Professionalität.

Schnelle Szenenwechsel

Mittels raffinierter Vorhänge und bewegter Bildprojektionen wurde die Bühne zur Pariser Oper, dann zur Garderobe, im nächsten Augenblick zu einem unterirdischen See, über den das ungleiche Paar Erik und Christine in die Gemächer des Phantoms gelangten. Das Zusammenspiel zwischen opulenten Kostümen, wenigen Kulissen und rasanten Videoanimationen quer durch alle Etagen des Opernhauses verlieh Jochen Sautters Regie schnelle Szenenwechsel und technische Perfektion.