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Ein glaubwürdiger Kirchenmann Pastor Jens Brandebusemeyer nimmt Abschied von Lingen

Von Sebastian von Melle | 29.04.2019, 19:01 Uhr

Pfarrer Jens Brandebusemeyer ist jetzt bei mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Maria Königin in Lingen verabschiedet worden.

Verabschiedet wurde er mitz dem Zitat: „Stoh fast, kiek wiet und röch di – Stehe fest, blicke weit und bewege dich.“

Nach fast zehnjähriger Amtszeit wechselt der 46-Jährige als Pfarrer nach Bramsche bei Osnabrück (wir berichteten) . Stellvertretend für die ganze Kirchengemeinde gewährten Alwine Röckener und Johannes Kröger Im Rahmen eines Festgottesdienstes in der überfüllten Lingener Pfarrkirche Maria Königin (MK) Einblicke in ihre Begegnungen mit Brandebusemeyer, an dessen Namen man nicht vorbeikomme. Die Gemeindereferentin und der Pfarrgemeinderatsvorstand skizzierten kurzweilig und anrührend, wie sie den Pastor erlebt haben: „Du hast Heimat in der Kirche angeboten. Du lässt Ehrenamtliche neben dir gelten und auch Frauen. Du gibst Raum und nimmst ihn nicht ein. Du hast mutig und klar deine Überzeugung vertreten. Du hast innerkirchliche Strukturen hinterfragt“.

Neue Wege mit Begeisterung

Ob bei der Sanierung von MK, als Seelsorger oder Kollege, im Zeltlager oder am Altar, Brandebusemeyer habe sich für den Glauben, die Menschen und die Gemeinde mit Begeisterung eingesetzt. Erfreulich viele Jugendliche nahmen an der Eucharistiefeier teil. Sie riefen ihren Pastor „Brandy“, und er höre darauf, so Kröger. Brandebusemeyer sei kein Entscheider, sondern ein Ermöglicher, der neue Wege gehe, meinte Röckener in Bezug auf ihre Aufgabe als Pastorale Koordinatorin. Zuletzt habe seine Karfreitagspredigt wichtige Denkansätze geliefert.

Zeichenhafter Abschied

Der Gottesdienst wurde von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mitgestaltet. Sie brachten eine Gitarre für den singenden, einen Kochtopf für den kochenden, Bücher für den lesenden und einen Rucksack für den pilgernden Pastor. Der nahm zeichenhaft Abschied vom Taufbecken, vom Ambo und vom Altar und trug das Wort Gottes noch einmal durch die Gemeinde.

Recht auf Unsicherheit

Brandebusemeyers Abschiedspredigt beleuchtete den Zweifel als Bruder des Glaubens. Weil im Johannesevangelium der Apostel Thomas als Zweifler dargestellt werde, sei er ein Vorbild für alle, die Gott suchten, ohne ihren Verstand auszuschalten. „Ehrlich zweifeln ist mir lieber als unehrlich glauben“, so der Pastor. Es gebe eine Sehnsucht nach Gewissheit, die nur in der personalen Begegnung erfüllt werde. „Jesus nimmt Thomas in seiner Suche ernst, er lässt sich von ihm berühren.“ Es sei kein Zeichen von Schwäche, schwach zu sein, und es gebe ein Recht auf Unsicherheit, sagte der Geistliche.

Zahlreiche positive Eigenschaften

Für die Ökumene sprach Pastorin Heike Mühlbacher ein Grußwort, in dem sie die gute Gemeinschaft Brandebusemeyers auch mit den Ehrenamtlichen lobte und an den ökumenischen Gottesdienst zum 500-jährigen Gedenken der Reformation. Lingens Erster Bürgermeister Heinz Tellmann bezeichnete den scheidenden Pfarrer als glaubwürdigen Vertreter der frohen Botschaft und fand zahlreiche positive Eigenschaften: „Sie sind tatendurstig, sympathisch, dynamisch, mit offenem Hemd, aber nicht hemdsärmelig, bodenständig, freundlich, bescheiden und volksnah.“

Abschiedsständchen

Bevor Brandebusemeyer selber zur Gitarre griff und „Liebe Gemeinde, es wird Zeit für mich zu gehn“ sang, füllte sich der Altarraum mit allen Mitgliedern der Gemeindegremien, die ihrem Pastor ein Ständchen brachten. Bei Bier und Bratwurst gab es anschließend Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

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Zur Sache

In St. Marien, Lingen-Biene, wird Pfarrer Brandebusemeyer am kommenden Sonntag um 16.30 Uhr im Rahmen eines Vespergottesdienstes verabschiedet.