Ein Artikel der Redaktion

Lingen Lingenerin mit einem großen Herzen

24.10.2008, 22:00 Uhr

Apothekerin war Leni Johannsen von Beruf, ein Beruf, der zu ihr passte. Sich um andere Menschen kümmern, sie gesund machen auch an Verletzungen, die seelischer Natur waren, das tat Leni Johannsen nämlich auch ehrenamtlich in vorbildlicher Weise. Am Dienstag ist sie im Alter von 87 Jahren verstorben.

Geboren wurde Leni Johannsen am 23. April 1921 in Kettenkamp bei Ankum. Im März 1940 legte sie ihr Abitur am Realgymnasium in Quakenbrück ab und begann eine Ausbildung zur Apothekerin. Im November 1943 heiratete sie den Schiffsingenieur Dieter Johannsen. Fünf Kinder gingen aus der Ehe hervor.

Im Sommer 1950 nahm Leni Johannsen ihr Pharmazie-Studium wieder auf, das sie 1952 abschloss. Im Herbst 1957 eröffnete sie ihre Apotheke an der Waldstraße.

Zeit ihres Lebens galt Leni Johannsens besonderes Interesse den Schwächeren in der Gesellschaft. Für diese setzte sie sich mit großer Vehemenz im Lingener Stadtrat ein, dem sie von 1974 bis 1991 angehörte.

1972 war Frau Johannsen in die CDU eingetreten. Von 1981 bis 1986 war sie Zweite Bürgermeisterin und anschließend bis 1989 Erste Bürgermeisterin der Stadt. Mit ihrem Rücktritt als Erste Bürgermeisterin 1989 verließ sie die CDU und schloss sich der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) an. Zwischen 1991 und 1996 war Leni Johannsen auch im Kreistag aktiv. Im Juli 1997 wurde sie zur Ehrenbürgermeisterin der Stadt Lingen ernannt.

Eng mit ihrem Namen verbunden ist die Verabschiedung des „Familienpolitischen Programms“ der Stadt Lingen, das sie als Vorsitzende des Ausschusses für Soziales und Familie auf den Weg brachte. Dass sich Lingen heute als Familienstadt mit Herz verstehen darf, hat sie in erster Linie Leni Johannsen zu verdanken. Wegen ihres herausragenden sozialen Engagements erhielt sie 1992 das Bundesverdienstkreuz.

Immer stand Leni Johannsen eng an der Seite benachteiligter Frauen und Kinder. Die Gründung des Frauen- und Kinderschutzhauses des SkF in Lingen geht auf ihren hartnäckigem Einsatz zurück. Leni Johannsen gründete außerdem auf Landesebene den Arbeitskreis Niedersächsischer Frauen- und Kinderschutzhäuser.

Als Vorkämpferin für die Rechte der Frauen aus einer christlichen Grundhaltung heraus wird sie deshalb auch beim SkF unvergessen bleiben. Über viele Jahre hinweg wirkte sie dort im Vorstand mit, war außerdem in der Diözesanarbeitsgemeinschaft und im Zentralrat des SkF aktiv.

Mit Leni Johannsen verliert die Stadt Lingen eine Frau mit großem Herzen. Am Montag wird sie auf dem Neuen Friedhof zu Grabe getragen.pe