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Kurzbesuch und Diskussion Jürgen Trittin beeindruckt von Lingener Kläranlage

Von Sven Lampe | 10.08.2017, 20:26 Uhr

Erst ein Informationsbesuch in der Kläranlage, anschließend eine politische Diskussion mit potenziellen Wählern im IT-Zentrum. Das Programm der beiden niedersächsischen Spitzenpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Trittin und Julia Verlinden, war bei ihrem Besuch in Lingen eng getaktet.

In der Kläranlage am Langschmidtsweg ließen sich der ehemalige Bundesumweltminister Trittin

und die Energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Grünen vom langjährigen Betriebsleiter der Kläranlage, Arno Ester, unter anderem darüber informieren, wie aus Klärschlamm Kohle entsteht.

HTC-Verfahren

Das in Lingen entwickelte und patentierte HTC-Verfahren (Hydrothermale Carbonisierung) ermöglicht es, bei Temperaturen zwischen 180 und 350 Grad Celsius sowie unter einem Druck von bis zu 65 bar aus Klärschlamm Kohle herzustellen. Zur Weiterentwicklung hoffen die Verantwortlichen in Lingen laut Ester aktuell auf eine Förderung durch die Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück.

Abwärme

Großes Interesse zeigten Trittin und Verlinden auch an einem zweiten Großprojekt. Bundesweit bekannt geworden ist die Lingener Anlage durch ihre Umstellung in eine Energie-Plus-Kläranlage. Neuartige Verfahren ermöglichen es, aus dem behandelten Klärschlamm Strom, Wärme und den begehrten Rohstoff Phosphor zu gewinnen. Mit dem Strom deckt die Anlage ihren Eigenbedarf, die Abwärme wird zu Heizzwecken ins nahegelegene Wohngebiet Emsauenpark geleitet. Der Phosphor kann unter anderem in Pflanzendünger eingesetzt werden. Außerdem wird laut Ester der Anfall von Klärschlamm und der Verbrauch von Chemikalien zur Abwasserreinigung deutlich gesenkt. Esters Worten zufolge stehen den Investitionen in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro jährliche Netto-Einsparungen in Höhe von rund 350.000 Euro gegenüber.

Nitrit

Trittin begrüßte das Engagement der Lingener, wies dabei aber auch auf ein aktuelles Problem hin: Der hohe Eintrag von Nitrit ins Grundwasser stelle eine große Herausforderung dar, für die es Lösungen zu finden gelte.

Diskussion

Am Abend stellten sich die beiden Politiker im Vorfeld der beiden anstehenden Urnengänge in Land und Bund im IT-Zentrum in Lingen gemeinsam mit ihrem Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Mittelems, Reinhard Prüllage, den Fragen potenzieller Wähler und anderer Politikinteressierter.