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Kulturelle Vielfalt wohldosiert So entsteht die Abo-Zeit im Lingener Theater

Von Eva-Maria Riedel | 04.05.2015, 15:44 Uhr

„Theater, Theater, der Vorhang geht auf, – und wie aus einer Wundertüte purzeln Balletteusen, Schauspieler, Musiker, Sänger, und was sonst noch alles zu diesem herrlichen Metier gehört, heraus, um das Publikum zu verzaubern. Es auf eine wundersame Reise mitzunehmen oder Gedanken abzurufen, die tief im Verborgen liegen. Doch nichts geschieht von allein. Für den Theaterbesucher nicht zwingend ersichtlich, laufen die Fäden für diese Vielfalt in der Stadt Lingen, im Fachdienst Kultur zusammen.

Seit Jahren sind sie ein eingeschworenes Team, Rudolf Kruse, Leiter des Fachbereichs Kultur, und sein Kollege Andreas Löpker. „Als ich 1996 diese Aufgabe übernahm, war ich nicht ganz unbedarft. Ich hatte bereits im Bereich Öffentlichkeit gearbeitet und zahlreiche Großveranstaltungen, wie zum Beispiel den Tag der Niedersachsen und das WKT begleitet“, erzählt Rudolf Kruse.

„Wir können uns mit unserem Lingener Theater an der Wilhelmshöhe durchaus sehen lassen“, sagen beide voller Stolz. 750 Sitzplätze – das sei schließlich eine Nummer. Das zeige sich auch immer wieder, wenn sie auf die Messen für kulturelle Veranstaltungen fahren. Rudolf Kruse und Andreas besuchen die INTHEGA in diesem Jahr im Frühjahr in Gifhorn und im Herbst in Bielefeld. „Die INTHEGA ist eine Interessengemeinschaft von über 400 Städten und Gemeinden, die ein Theater vorhalten“, erklären die beiden. „Grundsätzlich möchten wir betonen, dass wir bei dem bunten Strauß an Veranstaltungen, der dort von Agenturen angeboten wird, immer darauf achten, dass das klassische Schauspiel nicht zu kurz kommt. Ein gewisses Niveau ist für uns eine Grundvoraussetzung für das Lingener Theater“, betont der Fachbereichsleiter.

Angeboten würden auf diesen Messen circa 2500 Aufführungen. „Da gilt es natürlich, das Beste für Lingen herauszufiltern. Die jeweiligen Stücke müssen auch zu der Größe unseres Theaters passen“, informiert Andreas Löpker. „Und da dürfen wir schon sagen, dass es etliche Veranstalter gibt, die auf uns zukommen, weil sie wissen, dass ihre Stücke auf der großen Bühne des Lingener Theaters technisch ohne Probleme aufgeführt werden können.“

„Egal, wie und was wir einkaufen, die Kosten für die Produktionen müssen durch die Einnahmen gedeckt sein, da gibt es noch genug zusätzliche Kosten, die den Kulturetat außerdem belasten“, betont Kruse.

Natürlich könne man auch gelegentlich teure Stücke einkaufen, aber wie gesagt: Nur, wenn die Kosten reingespielt würden. Der ausverkaufte „Raub der Sabinerinnen“ mit Katharina Thalbach, das sei hinsichtlich des Kartenverkaufs so ein kostendeckendes Beispiel gewesen, ergänzt er seine Ausführungen.

„Mir persönlich sind neben allem anderen auch die Kinderveranstaltungen sehr wichtig. Ich bin immer froh, wenn die Eintrittspreise im unteren Bereich bleiben, nicht die Zehn-Euro-Marke übersteigen wie bei anderen Häusern, damit sich alle Familien den Theaterbesuch leisten können“, sagt Löpker.

Rudolf Kruse liebäugelt auf der INTHEGA zu gerne mit dem modernen Tanzballett. „Die Schöpfung von Haydn getanzt, das wäre für mich ein besonderes Erlebnis, aber leider viel zu teuer. 20000 Euro und mehr kostet so ein Auftritt“, bedauert er und drückt damit aus, dass in Lingen zwar viel, aber eben auch nicht alles machbar sei.

Mit etlichen Agenturen verbindet die beiden eine langjährige gute Zusammenarbeit, sodass man sich aufeinander verlassen könne. „Andererseits suchen wir aber auch nach neuen, kreativen Ideen, nach Bonbons, die unser Programm bereichern könnten“, sagen sie.

Zu den Künstlern gebe es gelegentlich schon private Kontakte, wobei auch kleinere Sonderwünsche erfüllt würden, plaudert Kruse aus seinem kulturellen Nähkästchen. Neben den weniger angenehmen Erlebnissen sei ihm der Auftritt von Marion Kracht in allerbester Erinnerung. „Nachdem die Schauspielerin erfahren hatte, dass die Vorstellung auch von 100 gehörlosen Kindern besucht wird, die relativ schlechte Plätze hatten, bat sie das Publikum in den ersten Reihen, mit den Kindern zu tauschen, was dann auch geschah. „Das war einer von vielen schönen Momenten, die ich bis dato erlebt habe“, sagt Rudolf Kruse und wirft einen hoffnungsvollen Blick in die neue Abo-Zeit 2015/2016.