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Kölschrock begeistert Drei Stunden Party mit BAP in der Emslandarena Lingen

Von Johannes Franke, Johannes Franke | 18.11.2016, 18:23 Uhr

Sehr zur Freude der Fangemeinde hat „Niedeckens BAP“ während der Jubiläums-Tour „Lebenslänglich“ in der nicht ganz ausverkauften Emslandarena alles gegeben. Sie erlebten einen großartigen Kölschrocker mit den beliebtesten Hits aus vier Jahrzehnten.

Die dritte Konzertstunde ist angebrochen, denn ein BAP-Konzert lebt von Überlängen, ist gehaltvoll und mitreißend. „Stell dir vör“ singt die Band wechselseitig mit dem seit einer Stunde stehenden Fans. Die meisten sind ebenfalls „BAPPs“ (Papas) im fast gleichen Alter, natürlich auch Mamms sowie die jüngere Generation.

Querschnitt der letzten 40 Jahre

Stell dir vör, Wolfgang Niedecken und seine exzellenten Musiker wären am Rhing jeblieve. Nicht auszudenken! Die Domglocke „der große Pitter“, hätte zum Intro nicht geläutet, in der „Postmeisterei“ hätte die Band nicht gegessen und über die Erinnerungen auf dem Marktplatz vor zehn Jahren hätten die Fans auch nichts erfahren. So aber hören und genießen sie einen Querschnitt der letzten 40 Jahre von fast allen Alben seit den Anfangsjahren bis heute.

Hintergrundgeschichten und Anekdoten

Vom neuen „Lebenslänglich“-Album sind einige dabei, aber dem Publikum nicht immer bekannt. Niedecken verknüpft die Songs mit Hintergrundgeschichten und Anekdoten. Und auf den geschickt arrangierten weißen Quadern laufen schwarz-weiß Filme, vor allem wenn er über sein Leben, seine geliebte Heimatstadt Köln singt. „Dä Herrjott meint et joot met mir“, singt er wie so viele Songs in seiner Mundart.

Hauch von Wehmut

Ein Hauch von Wehmut darf schon sein, bei ganz persönlichen Liedern. Jedes wird perfekt inszeniert und oft hören die Besucher nur „andächtig“ zu. Mit der Bitte um „verstärkte Handarbeit“ oder der Frage „Kennt ihr den Text?“ animiert der Frontmann die sitzenden Fans immer wieder zum Mitklatschen und Mitsingen und ist begeistert. Ab Lied sechs „Aff un zo“ ist der Bann gebrochen und selbst das kölsche „G“ in „Jraaduss“ ist für die Lingener und aus den Nachbarkreisen sowie den Niederlanden angereisten BAP-Fans kein Problem.

„Kristallnaach“ auch heute noch aktuell

Muss man auch „Alles relativ“ sehen – ebenfalls ein autobiografischer Song zum Erwachsenenwerden in Bob Dylan-Manier. Niedeckens BAP sei „früher irgendwie politischer gewesen“, war manchmal zu vernehmen. Nichts da. Der Bluesrock „Diego Paz wöhr nüngzehn“ mit entsprechenden Hintergrundbildern spricht hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik eine andere Sprache. „Wir kriegen alle mit, was hier abgeht“, und setzt mit „Absurdistan“ noch einen drauf. „Kristallnaach“ ist dann die Antwort auf rechte Tendenzen und Szenen, und nach 34 Jahren immer noch brandaktuell.

Stehend und textsicher

Folgerichtig ging es dann stehend und textsicher mitsingend mit „Arsch huh, Zäng ussenander“ weiter. Und endlich der Hit von 1982, der nicht fehlen darf: „Verdamp lang her“. Ab jetzt standen die Fans, feierten BAP-Fest. Doch nein, wenn der Meister sitzt, dann nimmt das Publikum auch Platz. Mit seiner ausgezeichneten sechsköpfigen Band sang und spielte Niedecken „vier Liebesleeder“, die zu einem kölsch-romantischen Highlight gerieten.

Zugaben

Mit Gitarrist Ulrich Rode, Schlagzeuger Sönke Reich, Bassist Werner Kopal, Michael Nasse an den Tasteninstrumenten sowie der Allrounderin Anne De Wolff, die Cello, Geige, Posaune, Vibrafon und weitere Instrumente spielte, dazu noch sang, ist die Band hervorragend aufgestellt. Gitarren- und Schlagzeugsoli sind spektakulär. Ein Seh-, vor allem Hörgenuss. Wenn Rowdys anderer Bands bereits abbauen, lässt es BAP noch eine Stunde lang krachen und heizt mit Zugaben die Party noch mal richtig an. „Sogar ein BAP-konzert geht irgendwann zu Ende.“ Und dann ist mit „Et letzte Leed“ und mit der Hommage an Köln im November „Heimweh noh Kölle“ Schluss. Niedeckens BAP muss wiederkommen, damit nicht gesagt werden kann: Verdamp lang her.

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