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Junge Leute glauben an hohes Niveau Umfrage in Lingen: „Firmen wollen gut ausbilden“

Von Claudia Hermeling | 22.09.2011, 06:30 Uhr

Um einen Bewerbermangel zu bekämpfen, ist es wichtig, dass Betriebe die Qualität ihrer Ausbildung verbessern. So lautet das Fazit diverser Befragungen durch den DGB. Demnach liege besonders im Gaststättengewerbe und in der Lebensmittelbranche die Ausbildungsqualität im Argen. Ein harscher Umgangston, zahlreiche Überstunden und schlechte Vergütung seien die Hauptprobleme. In unserer Frage der Woche wollten wir wissen: „Haben auch Sie das Gefühl, dass das Ausbildungsniveau in Betrieben nachgelassen hat?“

Andor Mose aus Lathen macht zurzeit den freiwilligen Grundwehrdienst und wird im kommenden Jahr eine Ausbildung zum Bankkaufmann beginnen: „Deshalb habe ich noch keine praktischen Erfahrungen, was die Ausbildung angeht. Aber in meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der mit der Qualität seiner Ausbildung unzufrieden ist“, betont der 21-Jährige. Deshalb sehe er seine eigene Zukunft in der Bankbranche sehr optimistisch: „Es ist doch so, dass Firmen in ihre Auszubildenden investieren. Diese Investitionen sollen sich auch lohnen, schließlich ist es möglich, dass die Auszubildenden nachher genau die Fachkräfte sind, die in Zukunft in der Firma benötigt werden“, meint Mose. Deshalb dürfe man als Auszubildender ruhig akzeptieren, wenn man auch mal ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten müsse: „Das gehört zur Flexibilität des Arbeitnehmers. Wichtig ist, dass das Grundkonzept stimmt“, betont der junge Mann abschließend.

„Es kommt auf die Firmen und auf die Auszubildenden an, ob eine Ausbildung im positiven Sinne gelingt“, betont Henrike Feldschnieders. „Hat der Azubi keine Lust und nimmt nicht die Möglichkeiten wahr, die ihm geboten werden, ist das nicht gut.“ Auch Feldschnieders meint: „Ausbildungsfremde Tätigkeiten gehören dazu und sind auch in Ordnung, solange sie nicht zur Tagesordnung gehören, denn die eigentliche Arbeit ist ebenso wichtig – schließlich will man ja etwas lernen“, so die 20-Jährige. „Ich denke, dass das Ausbildungsniveau okay ist. Schließlich wollen die Firmen gut ausbilden, das gehört auch zum Firmenimage. Selbst dann, wenn der Azubi nach der Ausbildung nicht übernommen werden sollte“, schließt die Lingenerin.

Auch für Kristina Beck und Katharina Erdmann ist die Qualität der Ausbildung vom Betrieb abhängig. Dabei gelte: „Je kleiner der Betrieb, desto besser hat man die Möglichkeit, in jede Sparte zu schnuppern. Es ist eine individuellere Ausbildung möglich, man lernt mehr und hat eine bessere Beziehung zum Vorgesetzten. In einer großen Firma hingegen ist es anonymer, und es fehlt die Zeit, jede Abteilung zu durchlaufen und alles kennenzulernen“, so der Tenor der beiden. Das Ganze sei nach Meinung der Lingenerinnen vergleichbar mit der Schule: „Je kleiner die Klassen waren, desto leichter war es, etwas zu lernen.“ Auch sei es in kleineren Betrieben wichtiger, dass der Auszubildende nach seiner Lehrzeit da bleibe, während in größeren Firmen oft nur die Ausbildung absolviert werde. Danach müsse man oft wieder gehen, glauben die beiden jungen Damen abschließend.