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Interview zum Ende des Themas der Woche Reholand in Lingen: Soziale Inklusion als Ziel

Von Thomas Pertz | 04.07.2014, 18:27 Uhr

Arbeit und eine angemessene Entlohnung sind von zentraler Bedeutung für den Einzelnen, nicht nur zur Existenzsicherung. Sie verleihen ihm auch psychische Stabilität. Darauf haben Alfons Hennekes und Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer beim sozialen Wirtschaftsbetrieb Reholand, und SKM-Vorsitzender Heinz Rolfes im Interview mit unserer Zeitung hingewiesen.

Im Mai lag die Arbeitslosenquote im Raum Lingen bei 3,2 Prozent. „Wir haben praktisch Vollbeschäftigung“, ist in diesem Zusammenhang oft zu hören. Werden Einrichtungen wie Reholand da eigentlich noch benötigt?

Schmeinck: Ich wundere mich immer, wie leicht dieses Wort „Vollbeschäftigung“ in den Mund genommen wird. Es gibt immer noch zu viele, die keine Arbeit haben, und auch solche, die von ihrer Arbeit nicht leben können. Dabei sind Arbeit und eine angemessene Entlohnung von zentraler Bedeutung für den Einzelnen, nicht nur zur Existenzsicherung. Sie verleihen ihm psychische Stabilität. Reholand kann ihm durch Betreuung und Qualifizierung dazu verhelfen.

Rolfes: In der ganzen Debatte über Fachkräftemangel und Vollbeschäftigung dürfen wir nicht vergessen, dass zur Teilhabe von Menschen am gesellschaftlichen Leben Arbeit und Einkommen ganz wichtige Voraussetzungen sind. Auch einer, der nur Transferleistungen bekommt, muss am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Um diese müssen wir uns kümmern.

Hennekes: Wir brauchen deshalb auch weiterhin eine von der öffentlichen Hand geförderte Beschäftigung, um von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene, häufig ältere Menschen, zu integrieren. Genauso wichtig ist ein Angebot für junge Menschen. Nicht alle können ohne entsprechende Begleitung eine Ausbildung oder Arbeit aufnehmen. Hier sind vorbereitende Maßnahmen ebenso wichtig wie begleitende, aber arbeitsmarktnahe Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

Da öffentliche Fördermittel im Laufe der vergangenen Jahre aber immer weiter zurückgefahren wurden, sind viele soziale Betriebe von der Bildfläche verschwunden. Reholand dagegen hat sich gehalten und feiert 20. Geburtstag. Was haben Sie anders gemacht?

Rolfes: Günter Rohoff, ehemaliger Geschäftsführer bei Reholand und eine der treibenden Kräfte bei der Gründung, hat ebenso wie die heutige Führungsmannschaft immer hohen Wert darauf gelegt, dass sich soziales Engagement und betriebswirtschaftliches Denken in der täglichen Arbeit nicht ausschließen. Deshalb hat sich Reholand im Laufe der Jahre zu einem sozialen Wirtschaftsbetrieb weiterentwickelt. Das ist allerdings ein ständiger Balanceakt, möglichst viele Menschen zu beschäftigen und gleichzeitig kostendeckend zu arbeiten. Herausfordernd kommt hinzu, dass die Menschen, um die wir uns kümmern, aus den unterschiedlichsten Gründen nicht oder noch nicht zu den Leistungsstarken gehören.

Schmeinck: Extrem wichtig ist für uns, auch künftig geförderte Maßnahmen anbieten zu können, weil wir dadurch Planungssicherheit für unsere fest angestellten Beschäftigten bekommen. Darunter befinden sich im Übrigen auch Männer und Frauen, die durch Reholand wieder beruflichen Boden unter den Füßen bekommen haben und nun anderen genau dabei helfen. Nur so kommen wir auch weiter Richtung „soziale Inklusion“: die Teilhabe aller am sozialen Leben.

Sonntag feiern Sie mit den Bürgern das 20-jährige Bestehen. Wo sehen Sie Reholand in zehn Jahren?

Rolfes: Ich bin mir sicher, dass es Reholand weiterhin geben wird. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, sich auch um jene zu kümmern, die auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ – ohne öffentliche Fördermittel – noch keine Chancen haben, eine Stelle zu finden. Reholand macht dies, ohne dabei die eigene Tragfähigkeit aus dem Blick zu verlieren.

Hennekes: Mein persönliches Ziel ist es, für jeden zu schauen, was für ihn das Beste ist, um wieder eine geregelte Arbeit zu finden. Hierfür stehen uns bei Reholand Sozialpädagogen und Sozialarbeiter für die Betreuung, in jedem Ausbildungsberuf Ausbilder mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation sowie Integrationsbegleiter für den Übergang in den „ersten Arbeitsmarkt“ zur Verfügung.

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