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Interview mit dem Stadtbaurat Lothar Schreinemacher freut sich auf Lingen

Von Burkhard Müller | 26.06.2013, 06:15 Uhr

Lothar Schreinemacher ist am Dienstag vom Rat der Stadt Lingen zum neuen Stadtbaurat gewählt worden. Die Amtszeit des amtierenden Baurates Georg Lisiecki läuft nach acht Jahren im Oktober des Jahres aus. Unsere Zeitung wollte in einem ersten Interview von dem designierten Amtsinhaber wissen, was seine größten Projekte als Stadtbaurat im benachbarten Nordhorn gewesen sind und wo er mögliche Arbeitsschwerpunkte zukünftig in Lingen setzen möchte.

Herr Schreinemacher, was sind in den vergangenen zehn Jahren Ihre größten Projekte in Nordhorn gewesen?

Die Sanierung der Textilbrachen Nino und Rawe. Nach dem Einbruch der Textilindustrie, rund 11000 Frauen und Männer aus Nordhorn haben hier Arbeit gefunden, wurden die Grundstücke und Gebäude über viele Jahrzehnte sich selbst überlassen. Das Ergebnis waren Industriebrachen, die in Teilen auch denkmalgeschützt sind. Wir konnten also nicht einfach die Abrissbirne schwingen, sondern mussten uns ganz behutsam der baulichen Substanz nähern. Hinzu kommt, dass die Altlasten und Grundwasserverunreinigungen in jahrzehntelangen Prozessen abgearbeitet werden mussten und müssen. Aber das war nicht das eigentliche Problem. Rawe ist privat finanziert, die Stadt Nordhorn ist also nicht die Eigentümerin der Flächen. Aber was wir machen konnten, haben wir gemacht. Bebauungspläne und ein städtebauliches Konzept haben unsererseits begleitend dazu beigetragen, dass jetzt eine Entwicklung zu beobachten ist, die der Stadt in Zukunft zugute kommen wird. Auf der einen Seite des Stadtrings, Rawe-Ost, haben wir ein Fachmarktzentrum gebaut und auf der anderen Seite, Rawe-West, haben wir Wohnungsbau und einige Dienstleister etablieren können – das war schon eine wirklich anstrengende Geschichte.

Und wie sah die Situation bei Nino aus?

Bei Nino gestaltete sich die Problemlage anders: Hier sind Landkreis und Stadt angefangen, immer mit Rücksicht auf die Gesamtstadt, ein etwa 15 Hektar großes Gebiet zu sanieren. Herausragend, und das im wahrsten Sinne des Wortes, ist der Nino-Hochbau. Mit einem Grundriss von 55 mal 60 Metern und einer Höhe von 28 Metern ist er allein schon optisch gesehen quartiersbestimmend. Wir haben hier, mithilfe eines Umnutzungskonzeptes unter anderem ein Wirtschafts- und Kompetenzzentrum ansiedeln können, was sehr gut ankommt. Der Hochbau wurde privat, unter Verwendung von Zuschüssen, saniert. Und abschließend: Wir haben in den vergangenen Jahren verstärkt daran gearbeitet, die Wasserstadt Nordhorn weiter auszubauen. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung rund um den Vechtesee mit dem Pier 99. Außerdem sind alle Voraussetzungen geschaffen worden, gleich gegenüber dem Tierpark einen Ferienhauspark zu bauen.

Und, wo sehen Sie Entwicklungspotenzial in Linge?

Natürlich habe ich immer beobachtet, wie sich meine Heimatstadt entwickelt. Und ich muss sagen, dass Lingen auf einem sehr guten Weg ist. Die Hochschule Osnabrück mit ihrem attraktiven Campus in Lingen zeigt, dass sich die Stadt sehr positiv für die Zukunft positioniert hat. Die Innenstadt hat durch die Sanierung und natürlich durch den Bau der Lookenpassage unheimlich gewonnen. Gleichwohl gilt aber auch, dass nicht alle Einkaufsstraßen von der Mall profitieren. Das heißt, dass wir Mittel und Wege finden müssen, um diese Straßen neu zu positionieren. Dazu gehört auch, dass wir daran arbeiten müssen, den Marktplatz wieder als Zentrum des Geschehens in den Mittelpunkt zu rücken. Ich könnte mir vorstellen, dass der vorhandene Dienstleister zukünftig auch mit kleineren Räumlichkeiten seine Geschäfte ausüben kann, und dass dann räumliche Kapazitäten frei werden, um hier Einzelhandel und Gastronomie anzusiedeln. Daneben müssen wir Pläne entwickeln, wie wir verschiedene Nutzungen am Wasser weiteren Vorschub leisten können. Der Kanal muss noch mehr in den Mittelpunkt der Stadtentwicklung gerückt werden. Okay, die Bebauung des Areals rund um den Alten Hafen hat einen hervorragenden Ansatz. Aber wie es aussieht, müssen unter anderem noch weitere Verhandlungen und Gespräche mit dem benachbarten Baustoffhändler geführt werden, um das Quartier als Ganzes entwickeln zu können. Dass wir daneben natürlich auch die kontinuierliche Entwicklung unserer Stadt- und Ortsteile voranbringen wollen, versteht sich, so glaube ich, von alleine.

Wie stehen Sie zum Klima- und Umweltschutz?

Ein ganz wichtiges Thema, dem ich mich natürlich auch schon in Nordhorn gewidmet habe. Heute wird ja bereits energiesparend gebaut. Aber was mir ganz wichtig ist, ist unter dem Aspekt des Klima- und Umweltschutzes die Ertüchtigung älterer Wohngebiete. Wenn wir hier Fortschritte machen, brauchen wir zum einen weniger neues Bauland und zum anderen tun wir etwas dafür, dass nicht ganze Straßenzüge aufgrund des demografischen Wandels leer werden, sondern wohnlich nachverdichtet werden können.

Freuen Sie sich auf Ihre neuen Aufgaben?

Ja, riesig.