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In 20 Sekunden musste alles gesagt sein Ungewohnte Vortragsform forderte die Kandidaten auf der Lingener „Politbühne“ heraus

Von Wilfried Roggendorf | 09.09.2011, 05:38 Uhr

„Politbühne – Link dich ein“ war das Motto einer Wahlveranstaltung, zu der das katholische Jugendbüro Emsland-Süd, der Awo-Abenteuerspielplatz, das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) und der Stadtjugendring Lingen sowie die Ems-Vechte-Welle Jugendliche und junge Erwachsene eingeladen hatten. Wahrgenommen wurde das Angebot nur von sehr wenigen.

Die größte Gruppe der rund einhundert Teilnehmer an der „Politbühne“ stellten die etwa 70 Kandidaten und Parteienvertreter, die der jüngeren Generation Rede und Antwort stehen wollten. Von den ungefähr 30 jungen Besuchern waren bis auf eine Handvoll alle Mitglieder einer politischen Jugendorganisation oder des KiJuPa.

Dabei hatten die Veranstalter der von Mario Köhne (Ems-Vechte-Welle) moderierten Veranstaltung mit einer „Twitterwand“, an die Fragen und Stellungnahmen live geschrieben werden konnten, und einer eigenen Facebook-Seite alles getan, um die „Politbühne“ interessant zu machen.

„Vielleicht wisst ihr am Ende des Abends, wem ihr eure Stimme gebt“, beschrieb der Schirmherr der „Politbühne“, Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone, das Ziel der Veranstaltung. Damit die Stimmen auch korrekt abgegeben werden, erläuterte Köhne nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Parteien das Wahlsystem. Anhand einer Präsentation mit Musterstimmzetteln machte er Begriffe wie „Kumulieren“ und „Panaschieren“ verständlich.

Der Hauptteil des Abends wurde mit „Pecha Kucha“, einer aus Japan stammenden Vortragstechnik, gestaltet. Aus jedem der sechs Lingener Wahlbezirke trat je ein Vertreter jeder Partei auf die Bühne. Dann wurden jedem Kandidaten drei Bilder gezeigt, zu denen sie sich spontan äußern mussten. Das Besondere – die Redezeit war auf 20 Sekunden je Bild begrenzt. Spontanität war gefragt, langes Überlegen oder Aufsagen auswendig gelernter Wahlkampfparolen nicht möglich. Fast alle Kandidaten meisterten diese Hürde aber souverän. Für den Lacher des Abends sorgte jedoch Markus Sievers von den „Jungen Grünen“. Als für ihn das Bild eines Krematoriums eingeblendet wurde, kommentierte er dies mit der Aussage „Manche politischen Ideen werden zu Grabe getragen“.

Birte Eilermann, bei der Stadt für das KiJuPa zuständig, hätte es schön gefunden, wenn 40 bis 50 Jugendliche mehr teilgenommen hätten. „Trotzdem war die Veranstaltung gut, wir nehmen Erfahrung für das nächste Mal mit“, so Eilermann. Köhne bedauerte, dass „so wenig los war“. Die Veranstaltung habe, auch mit den vorher eingereichten Anregungen, gezeigt, dass sich die Themen der Jugendlichen von denen der Erwachsenen unterscheiden würden. „Das Theater war vielleicht der falsche Ort“, merkte er selbstkritisch an. Der organisatorische Aufwand stehe aber im Verhältnis zum Ergebnis, waren sich Eilermann und Köhne einig. Während Eilermann auf den Multiplikatoreneffekt setzt, meinte Köhne: „Wenn nur ein Jugendlicher mehr zur Wahl geht, hat es sich gelohnt.“