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Im Landkreis Emsland Vier Menschen sterben 2015 durch Krankenhauskeime im Emsland

Von Ludger Jungeblut | 15.06.2016, 09:10 Uhr

Im vorigen Jahr hat der Fachbereich Gesundheit des Landkreises Emsland Kenntnis von 21 meldepflichtigen MRSA-Infektionen Krankenhauskeime erhalten. Vier Personen, die an den Krankenhauskeimen infiziert waren, sind verstorben.

Das geht aus einer Vorlage der Kreisverwaltung zum Thema „Multiresistente Erreger und Strategien der emsländischen Krankenhäuser hervor“, das in der jüngsten Sitzung im Meppener Kreishaus diskutiert wurde. Mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion wurde ein Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu dem Thema abgelehnt.

Generelles Screening per Nasenabstrich gefordert

Der Antrag, der neben den Grünen auch von SPD, FDP und UWG unterstützt wurde, sah vor, das die Kreisverwaltung Maßnahmen in die Wege leitet, die es ermöglichen, dass bei der Aufnahme von Patienten in eines der emsländischen Krankenhäuser generell ein Screening per Nasenabstrich durchgeführt wird, ob Patienten infiziert sind. Dieser Antrag war zuvor auch im Kreisausschuss für Soziales, Integration und Arbeit abgelehnt worden.

Grüne: Lückenlosere Herangehensweise sinnvoll

Der Kreistagsabgeordnete Norbert Knape begründete im Kreistag, weshalb dieser Schritt aus Sicht der Grünen notwendig ist. In dem Antrag heißt es: „Die Notwendigkeit, jegliche Bedrohung durch multiresistente Keime in unseren Krankenhäusern zu unterbinden, war in den letzten Jahren im Kreistag unbestritten. Die Teilnahme am EurSafety-Health-net ist eine dazu geeignete Maßnahme gewesen. Nachdem bereits ein Screening bei ,Risikopatienten‘ eingeführt worden war, wurde 2014 als ergänzendes weiteres Ziel ein kontrollierter Antibiotikaeinsatz in das Konzept aufgenommen. Ausgehend von den positiven Erfahrungen in den niederländischen Krankenhäusern und der zunehmenden Zahl an Städten und Kreisen, die ein verbindliches Screening für alle Patienten in ihren Krankenhäusern vorschreiben, erscheint auch für das Emsland eine verbindlichere und lückenlosere Herangehensweise sinnvoll zu sein.“

Positiv identifizierte Patienten werden isoliert und behandelt

Nach Ansicht der Kreisverwaltung ist hingegen ein generelles Screening nicht erforderlich. Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) im Robert-Koch-Institut sähen vor, allein gefährdete Personengruppen auf die sogenannten MRSA-Keime zu testen. Der Verwaltung zufolge setzen die emsländischen Krankenhäuser dies in der Praxis so um. Positiv identifizierte Patienten würden nach hausinternem Standard isoliert und behandelt. In den hiesigen Krankenhäusern seien bereits mehrere Maßnahmen gegen Krankenhausinfektionen und multiresistente Erreger ergriffen worden.

Teilnahme an Gesundheitsprojekt der EU

Mit der Einstellung und Ausbildung von Hygienefachpersonal hätten die Krankenhäuser bisher angemessen auf die Veränderungen und Herausforderungen im Klinikalltag reagiert, unterstrich die Kreisverwaltung. Darüber hinaus werde die Antibiotikaabgabe optimiert. Der Landkreis machte auch auf die Teilnahme aller emsländischen Krankenhäuser am EU-Projekt EurSafety Heath-Net aufmerksam, das eine Verstärkung von Hygienestandards und eine Eindämmung multiresistenter Keime zum Ziel habe. All dies trage dazu bei, Patienten, insbesondere gefährdete Personengruppen wie chronisch Kranke, früh geborene Babys und immungeschwächte Personen vor Infektionen in den Hospitälern zu schützen.

CDU: Komplexe Thema den Fachleuten überlassen

Für die CDU-Fraktion vertrat Michaele Jehn die Auffassung, „dass wir diese komplexe und ernste Thematik, welche die öffentliche Gesundheit betrifft, doch in erster Linie den Fachleuten überlassen sollen.“ Nach Auswertung von diversen Statistiken und und dem Sammeln von Daten seien die Experten zu dem Schluss gekommen, dass ein universelles Screening keinen Mehrwert habe.

SPD: Niederländer sind weiter

Für die SPD-Fraktion verwies Willi Jansen darauf, dass die Niederländer bei der Bekämpfung von Krankenhauskeimen weiter als die Deutschen seien. „In jedem niederländischen Krankenhaus gibt es einen Arzt für Hygiene, der weisungsbefugt ist.“ Jansen hielt es für erforderlich, es den Niederländern gleichzutun und ein universelles Screening einzuführen, um die bestehende Lücke zu schließen. Michael Goldmann (FDP) meinte, dass die Gefahren durch Krankenhauskeime nicht auf den Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft zurückzuführen seien. Im Übrigen sei der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft stark rückläufig.