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Hohe Unfallgefahr Aktion in Lingen: Schüler sollen beim Fahren Handy nicht nutzen

Von Ludger Jungeblut | 04.06.2018, 21:30 Uhr

„Tippen tötet“. Unter diesem drastischen Motto hat am Montag, 4. Juni 2018, die Verkehrssicherheitswoche für Lingener Berufsschüler und Gymnasiasten auf dem Schulhof der BBS Lingen Wirtschaft in der Nöldekestraße begonnen.

Schirmherr der bis zum 8. Juni dauernden Aktion ist der niedersächsische CDU-Landtagsabgeordnete Christian Fühner. Er unterstrich die Wichtigkeit der Aktion mit dem Hinweis, dass in einer Umfrage 85 Prozent der jungen Leute zugegeben haben, als Autofahrer während der Fahrt schon einmal einen Blick auf das Handy geworfen zu haben.

Unfallrisiko um das Zehnfache erhöht

„Wer während der Fahrt Nachrichten übers Handy verschickt, für den erhöht sich das Unfallrisiko um das Zehnfache“, sagte der Abgeordnete.

Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen brachte es auf den Punkt: „Keine Nachricht kann so wichtig sein, dass man dafür seine Sicherheit und die der anderen gefährdet.“ Hans-Heino Beimesche, Vorsitzender der Verkehrswacht Lingen, freute sich ebenso wie der Leiter der BBS Lingen Wirtschaft, Hans-Jürgen Grosse, darüber, dass die Verkehrssicherheitswoche von vielen Seiten unterstützt wird. Beimesche dankte ausdrücklich den Sponsoren.

Auf zwei Sachen kann man sich nicht konzentrieren

Auf einfache, aber einprägsame Weise wird den Schülern im Alter von 18 bis 24 Jahre auf dem Schulhof verdeutlicht, welche Gefahren mit der Benutzung des Handys während der Autofahrt verbunden sind. Die jungen Leute setzen sich mit einem Handy in der Hand in ein Kettcar und haben die Aufgabe, Zahlen, die auf den Leitkegeln zur Abgrenzung eines Parcours angebracht sind, in das Handy zu tippen, zu addieren und anschließend die richtige Summe zu nennen, ohne dabei die Leitkegel umzufahren. Werner Pohl von der Verkehrswacht: „Dabei stellen die jungen Leute sofort fest, dass man sich nur auf eine Sache konzentrieren kann.“

Handynutzung gleich Blindflug

Karl-Heinz Brüggemann, Chef der Polizeiinspektion Emsland-Grafschaft Bentheim, machte an einem einfachen Rechenbeispiel klar, wie gefährlich es bereits bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h ist, nur zwei Sekunden auf das Display des Handys zu schauen. „In dieser Zeit legt der Autofahrer 46 Meter sozusagen im Blindflug zurück.“

Verstöße werden konsequent geahndet

Ebenso wie Brüggemann verwies auch Polizeihauptkommissar Klaus Wermeling vom Präventionsteam der Inspektion darauf, dass seine Kollegen die Nutzung von Handys oder anderer elektronischer Geräte konsequent mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei ahnden. Wermeling: „Wird durch das Fehlverhalten ein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet, sind 150 Euro, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte fällig, passiert ein Unfall, werden 200 Euro erhoben, ein einmonatiges Fahrverbot verhängt und zwei Punkte in die Verkehrssünderdatei eingetragen.“ Radfahrer, die mit dem Handy am Ohr erwischt werden, müssen 55 Euro bezahlen.

Polizeichef empfiehlt Fahrsicherheitstraining

Sorgen bereitet Brüggemann aber nicht nur die Handynutzung junger Leute, sondern auch die zunehmenden Fahrten unter Alkohol- und Drogeneinfluss sowie überhöhte Geschwindigkeit. Er appellierte dringend an die Arbeitgeber, ihre Auszubildenden zum Fahrsicherheitstraining zu schicken.

Umfassendes Programm

Während der Verkehrssicherheitswoche erwartet die Schüler auf dem Schulhof ein umfangreiches Programm. So können sie am Fahrsimulator ihr Können als Autofahrer testen, die Schutzwirkung des Gurts im Gurtschlitten erleben und versuchen, aus einem sich überschlagenden Auto herauszukommen. Die AOK bietet an einem Stand einen Hörtest, einen Sehtest und einen Reaktionstest an. Bei einem Quiz verlost die AOK zehn Gutscheine fürs Verkehrssicherheitstraining. Die Gewinner erhalten zudem Alkoholschnelltestgeräte und zehn Fitnesstracker.

Auch eine Unfallärztin und ein Richter sprechen mit den Schülern

Experten von Polizei und DRK informieren überdies die Klassen zu speziellen Themen. Auch ein Richter, eine Unfallärztin und ein Kfz-Sachverständiger werden Vorträge halten.