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Hoffnung auf Frieden im Land Palästinenser beim WKT in Lingen: „Yes“ zum Leben

Von Wilfried Roggendorf | 28.07.2014, 10:00 Uhr

Die 13- bis 17-jährigen Palästinenser hoffen auf Frieden in ihrem Land. Nur der wahre Glaube daran – der fehlt den Gästen des WKT aus dem Nahen Osten. Ihre Gruppe nennen sie „Yes“, obwohl das Leben bislang überwiegend „No“ zu ihnen sagt.

Muath Alderbashi (17) lebt ebenso wie der 16-jährige Mohammed Abusal in einem Flüchtlingscamp südlich der Stadt Hebron im Westjordanland. Das Camp sei ihre Heimat, sagen die Jugendlichen. Auf einem Quadratkilometer drängen sich dort acht- bis zehntausend Menschen.

Der Schauspiel- und Dramaturgielehrer Mohammed Titi begleitet die jungen Palästinenser nach Deutschland. Der 37-Jährige beschreibt die Zustände in dem Flüchtlingscamp als unhaltbar. „Es gibt keinen Platz, alles ist eng und durcheinander. Die Menschen leben auf engstem Raum zusammen.“

Diese Situation ist nicht wegen des wieder aufgeflammten Krieges zwischen Israelis und der Hamas entstanden. Titi und die beiden palästinensischen Jungen leben von Kindheit an in dem Camp. „Wir sind Flüchtlinge, weil 1948 alle Menschen hier aus ihrer Heimat vertrieben worden“, beschreibt Titi sein bisheriges Leben.

Die jungen Palästinenser wollen keinen Glaubenskrieg führen – im Gegenteil: „Wir haben kein Problem mit Juden. Wir haben ein Problem mit dem Staat Israel und seinen Soldaten, die Palästinenser töten“, sagt Muath. Seine Aussage klingt wie eine unerklärliche Mischung aus Toleranz, Ideologie und Sehnsucht nach Frieden zugleich.

Einen Frieden zwischen Israel und Palästinensern, an den auch die beiden 13-jährigen Oday Natsha und Mohammed Ehmeidan nicht wirklich glauben. Letzterer hofft zwar auf Frieden in der Region. Aber wann es ihn geben wird? Mohammed zuckt mit den Schultern. Deutlicher wird Oday: „Bis es Frieden geben wird, bin ich lange gestorben“, sagt der 13-Jährige. Muath sieht da auch schwarz, was die Israelis angeht: „Dort glaubt auch wirklich niemand an Frieden.“

Palästina ist Heimat

Trotz aller Probleme – in Deutschland bleiben wollen die Palästinenser nicht. Muath war bereits vor vier Jahren in Deutschland; hat hier mit einer Theatergruppe rund 20 Vorstellungen gegeben. „Das war das wahre Leben für uns“, beschreibt er sein Gefühl – endlich weg vom Leben im Flüchtlingslager. „Palästina ist unser Land, unsere Heimat“, begründet der 17-Jährige, warum er zurück möchte.

Zurück in ein Land, in dem derzeit ein „katastrophaler Krieg“ herrsche. „Kinder werden getötet. Die Menschen kommen nicht aus dem Gazastreifen heraus“, beschreibt er die aktuelle Situation. Davon wisse er nicht nur über die Medien, sondern durch Berichte von Freunden und Verwandten.

Muath hat einen Wunsch: „Deutsche sollten nach Palästina reisen, die Unterschiede zwischen ihrem und unserem Leben sehen und unsere Situation kennenlernen.“

Es bleibt zu sagen, warum sich die palästinensischen Gäste den Namen „Yes“ gegeben haben. Schauspiellehrer Titi erklärt es: „Die Menschen in Hebron sind sehr verschlossen, sagen zu allem erst einmal Nein.“ Dies unterscheide Hebron von anderen Städten. „Und deswegen sagen wir ‚Yes‘, Ja zum Theater, Ja zum Tanzen und Ja zum Leben.“